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Wiederansiedlung des Waldrapps im Alpenraum – Wege in die Freiheit

Die Heinz Sielmann Stiftung fördert seit dem Jahr 2007 die spektakulären Bemühungen von Biologen, den seit 350 Jahren in Deutschland ausgestorbenen Waldrapp, eine skurril aussehende, europäische Ibis-Art, wieder im Alpenraum heimisch zu machen.
Die bislang einzige Möglichkeit für ihre Rückkehr aus dem Winterquartier ist es, diese Zugvögel durch menschliche Zieheltern aufzuziehen und sie darauf zu trainieren, der Bezugsperson in einem Ultraleicht-Flugzeug ins Winterquartier zu folgen.

Foto: waldrappteam.at

Dazu müssen die Jungtiere die Zugroute in das Wintergebiet von ihren Eltern lernen. Bei Zoonachkommen müssen Menschen die Jungvögel mit den nötigen Informationen ausstatten. Das von der Heinz Sielmann Stiftung finanzierte Ultraleicht-Flugzeug bewährte sich bisher ausgezeichnet beim Flugtraining der Waldrappe und bei ihrer Migration. Die im bayerischen Burghausen von Hand aufgezogenen Zoovögel wurden darauf trainiert, dem Ultraleicht-Fluggerät ihrer Bezugsperson zu folgen.

Die Vögel fliegen während des Herbstzugs über viele Tagesetappen und rund 1.300 Kilometer ihren Zieheltern hinterher. Die Route führt östlich an den Alpen vorbei. In wenigen Tagen wird Slowenien in südwestlicher Richtung passiert. In der Regel nach fast 40 Tagen erreichen die Waldrappe ihr Ziel: das Schutzgebiet Laguna di Orbetello in der südlichen Toskana. Damit können die Vögel ihren Flug in ihr Winterquartier selbständig antreten und die Kenntnis der Route an ihre Nachkommen weitergeben – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu unserem Ziel, im Raum Burghausen wieder eine Brutkolonie sesshaft zu machen.

Entwicklung 2011

In der Aufzuchtstation des Waldrappteams im Zoo Schönbrunn ging es im Frühjahr und Sommer turbulent zu.  Sechzehn kleine Waldrappe bevölkerten die Räumlichkeiten und verwandelten die Station in eine Kinderstube. Engagierte Biologen ziehen die kleinen Waldrappe per Hand auf – ein 24-Stunden-Job. Die Jungen brauchen viel Pflege und Aufmerksamkeit. Alle zwei Stunden werden die Waldrappe gefüttert. Den Sommer über benötigen die Jungen Pflege und Betreuung. Ansonsten wird die Zeit genutzt, um die ersten Trainingsflüge zu vollführen. Wenn im Spätsommer aus den kleinen Waldrappjungen sichere Flieger geworden sind, werden sie auf die große Reise gehen: Mit einem Leichtflugzeug werden die beiden menschlichen Vogelmütter den elternlosen Waldrappen den Weg weisen – in ihr Winterquartier in der Toskana.

In der Waldrapp-Station in Burghausen wurde im Sommer 2011 ein Brutturm eingerichtet. Hier werden die Vögel nisten können, die aus ihrem Winterquartier in der Toskana zurückkehren.