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Adler im Aufwind

In den 1960er Jahren galt der Fischadler fast in ganz Deutschland als ausgestorben. Das Einbringen chemischer Schutz- und Düngemittel in die natürliche Nahrungskette, forstwirtschaftliche Eingriffe in die Lebensräume der Adler und auch direkte Verfolgungen des Zugvogels durch den Menschen führten zu einem fast flächendeckenden Schwund dieser majestätischen Vogelart.
In den wald- und seenreichen Gebieten Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs konnte in jüngster Zeit der Schwund gestoppt und die Grundlage für eine Ausweitung der Fischadlerbestände gelegt werden.
 
Mit rund 300 Paaren lebt etwa die Hälfte aller mitteleuropäischen Fischadler in Brandenburg. Da natürliche Horstplätze in geeigneten Bäumen nicht häufig anzutreffen sind, hat sich die Einrichtung künstlicher Nisthilfen auf Strommasten bewährt. Fischadler brauchen für ihre Brutmöglichkeiten und ihr Sicherheitsbedürfnis exponiert liegende, hohe Horstlagen, die ein freies Anfliegen und einen freien Blick ermöglichen. Heute befinden sich rund 80 Prozent der Fischadlerhorste in Mecklenburg-Vorpommern und rund 70 Prozent der Horste in Brandenburg auf den Mastköpfen von Hochspannungsleitungen.

Fischadler piclease/R. Dorn
Die Heinz Sielmann Stiftung ist vor allem in Brandenburg im Fischadlerschutz aktiv. (Foto: ©piclease/R. Dorn)
Als besonders spezialisierter Greifvogel ist diese Adlerart in ihrem ganzen Jagdverhalten und teilweise im Körperbau auf das Erbeuten von Fischen ausgerichtet. Von seinem Ansitz aus oder im Rüttelflug über der Wasserfläche lauert er auf Fischbeute und stößt pfeilschnell herunter. Bis zu einem Meter Wassertiefe kann er Fische ergreifen und dabei kurzzeitig sogar seine Nasenlöcher verschließen. Mit seinen rauen Fängen und den gekrümmten Krallen gelingt ihm das Ergreifen der Fische besonders gut. Da er zur Jagd auf eisfreie Gewässer angewiesen ist, ziehen die Vögel nach der Aufzucht und dem Flüggewerden der Jungen in der Regel im September ins westliche Afrika und kehren im März des darauffolgenden Jahres wieder zurück.
 
Zwischen eineinhalb und zwei Kilogramm ist ein Fischadler schwer, wobei die Weibchen etwas größer als die Männchen sind. Das Gelege umfasst ein bis vier Eier und wird allein vom Weibchen ausgebrütet und bewacht, während das Männchen für Nahrung sorgt. Erst ab einem gewissen Alter der Nestlinge geht auch die Mutter auf Futtersuche.
 
Das Landesumweltamt Brandenburg koordiniert ein Netzwerk von Horstbetreuern, die die jährlichen Bestandsdaten zusammentragen. Der Energieversorger e.on edis verfügt über speziell geschulte Mitarbeiter, die jährlich die Jungvögel in Horsten auf den Hochspannungsmasten beringen, so auch in Sielmanns Naturlandschaft Groß Schauener Seen.

Dank Spendern und Sponsoren erfolgreich im Fischadlerschutz

Mit Hilfe zahlreicher Spender und Sponsoren wie E.on edis und der Flughafen Berlin Schönefeld GmbH kann die Heinz Sielmann Stiftung den Schutz der Fischadler in Deutschland vorantreiben.

Schutz des Lebensraums

Im Jahr 2001 erwarb die Stiftung die heutige Sielmanns Naturlandschaft Groß Schauener Seen. Hier leben neben zahlreichen seltenen Tier- und Pflanzenarten bis zu vier Fischadlerpaare. Sie ziehen jährlich zwischen fünf und acht Junge auf. Der Kauf der Seen hatte zur Folge, dass dieser wichtige Lebensraum nachhaltig für die Tier- und Pflanzenwelt gesichert werden konnte.

Auch die im südlichen Brandenburg gelegene Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen ist für den majestätischen Vogel von Bedeutung. Er brütet in der Umgebung und sucht regelmäßig die fischreichen Gewässer der Tornower Niederung auf.

Sicherung und Schaffung von Niststätten

In Sielmanns Naturlandschaften Groß Schauener Seen und Döberitzer Heide wurden im Jahr 2010 vorhandene Nistplätze für den Fischadler gesichert und neue geschaffen. Damit sollen die Brutvorkommen stabilisiert werden. Besondere Bedeutung hat dies am Dümmer-See in Niedersachsen, wo sich die Stiftung 2010 mit dem Naturschutzring Dümmer e.V. engagierte. Hier hat sich erstmals 2006 ein Fischadlerpaar und 2009 ein zweites angesiedelt. Deswegen wurde der Bau von zwei zusätzlichen Nistplattformen gefördert. Damit soll die dortige Ansiedlung des Fischadlers und seine Wiederbesiedlung in Niedersachsen weiter unterstützt werden.

Förderung der wissenschaftlichen Forschung für den Fischadler

Im Sommer 2010 hat die Heinz Sielmann Stiftung die Erstellung einer wissenschaftlichen Studie In Auftrag gegeben. Ziel des Forschungsvorhabens ist die Schaffung eines ökologischen Frühwarnsystems, für das die normalen Sterblichkeitsraten der Fischadler ermittelt werden. Sie können künftig dazu dienen, bei ersten Anzeichen negativer Bestandsveränderungen den Anfangsverdacht zu erhärten. Nachfolgende Ursachenforschung und Erfolg versprechende Schutzmaßnahmen werden verhindern, dass Fischadler erneut vor dem Aussterben stehen. Erstellt wird die Studie von Dr. Daniel Schmidt, einem Fischadlerexperten von europaweitem Renomée. Die finanziellen Mittel für dieses wichtige Forschungsprojekt werden von der Flughafen Berlin-Schönefeld GmbH bereit gestellt.