Die Gründung der Heinz Sielmann Stiftung

von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Heinz-Georg Klös
(von 1956 bis1991 Direktor des Zoologischen Gartens und Aquariums Berlin, Mitglied des Aufsichtsrates des Zoologischen Gartens Berlin, ehemaliges Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Heinz Sielmann Stiftung)

Im Frühjahr 1994 traf ich meinen Freund Heinz Sielmann, den ich bereits seit 1960 kenne, im Zoologischen Garten in Berlin. Er wollte meine Meinung hören zu seinem Vorhaben, eine eigene Stiftung zu gründen, um sein Lebenswerk für die Nachwelt zu erhalten und junge Menschen an die Natur heranzuführen. Schließlich hatten wir in der Vergangenheit zahlreiche Projekte gemeinsam realisiert. Mehrmals war Heinz für Dreharbeiten im Berliner Zoo zu Gast gewesen, u.a. für die Dokumentarfilme „Der Gaukler und das Alphatier“ (1972), „Tagaktive Nachtgespenster“ (1979) und „Wunder hinter Glas“ (1984 im Zoo-Aquarium). 1991 erschien außerdem ein sehr schönes Buch: „Mit Heinz Sielmann im Zoo Berlin“.

Ich war sofort begeistert und unterstützte ihn in seinem Vorhaben. „Kann es in Deutschland ein besseres Symbol für den Naturschutz geben als Dich?“, fragte ich meinen Freund scherzhaft. Ich sagte ihm meine Unterstützung zu und lud ihn ein, seine Stiftung der Presse und Öffentlichkeit am 1. Juni 1994 (einen Tag vor seinem 77. Geburtstag) im Zoologischen Garten Berlin zu präsentieren.

Überwältigende Resonanz

Viele Vertreter der Presse und bekannte Persönlichkeiten waren zugegen. Mein Kollege und Nachfolger Zoodirektor Dr. Hans Frädrich und ich hielten je eine Ansprache. Ich wies unter anderem darauf hin, dass wir ja im Prinzip für die gleiche Sache kämpften: für den Schutz und Erhalt von Tierarten und deren Lebensraum sowie dafür, Menschen Natur-Erlebnisse zu vermitteln.

Dann kam Heinz Sielmann selbst an die Reihe. Innerhalb weniger Minuten gelang es ihm, den Gästen das Motto seiner Stiftung „Naturschutz als positive Lebensphilosophie“ nahezubringen. „Den Sinn für die Schönheiten der Natur wieder zu wecken. Dem bunten Treiben der Schmetterlinge zuzuschauen. Den Duft einer frischen Sommerwiese einzuatmen. Das ist Wohlstand – nicht, im Supermarkt alles kaufen zu können“, so wurde er am nächsten Tag in der „Berliner Morgenpost“ zitiert.

Renommierte Naturschutzorganisation seit 15 Jahren

Kinder und Jugendliche an die Natur heranführen, letzte Refugien bewahren, die Öffentlichkeit für die Natur und deren Schutz sensibilisieren und das umfangreiche Foto- und Filmmaterial archivieren und – zeitgemäß aufgearbeitet – für die Nachwelt zu erhalten, diese Ziele der Stiftung wurden bis heute beibehalten. Beibehalten hat Heinz Sielmann auch sein Engagement und seine Begeisterungsfähigkeit, die seine Stiftung seit ihrem Bestehen zu einer renommierten Organisation gemacht haben.

Dieser 1. Juni 1994 war nur der Beginn einer großen Aufgabe, deren Umsetzung bereits nach wenigen Jahren bedeutsame Früchte trägt. Ich bin dankbar, dass ich gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern meinen Teil dazu beitragen konnte.