„Herrscher des Urwalds" – neues Gewand für alten Film
Heinz Sielmanns erster Cinemascope-Film „Herrscher des Urwalds" wurde im Verleih von „Twentieth Century Fox" und „Globus-Film" seit seiner Uraufführung 1958 weltweit in 27 Sprachfassungen gezeigt und damit zu einem globalen Kinoereignis. Nach gut 45 Jahren wurde die überarbeitete Version erstmals im Rahmen des „Internationalen Naturfilmfestival Green Screen" in Eckernförde vor großem Publikum präsentiert. Dies war nur möglich, weil Dieter Hoese die in dessen Archiv gefundenen Filmkopien gemeinsam mit erfahrenen Spezialisten aufwändig digitalisiert, restauriert und teilweise neu vertont hat. Die Heinz Sielmann Stiftung sprach mit dem Beirat der Heinz Sielmann Stiftung über seine Arbeit.Heinz Sielmann Stiftung: Herr Hoese, warum muss ein bereits gedrehter und uraufgeführter Film digitalisiert werden?
Hoese: Mechanische Beschädigungen und Filmrisse durch vielfaches Abspielen, Abnutzungserscheinungen, wie Materialschrumpfung durch unsachgemäße Lagerung, aber auch Alterungsprozesse und die mit ihnen einhergehenden chemischen Veränderungen der Farben führen dazu, dass Filmkopien, die älter als 45 Jahre sind, heute meist nicht mehr vorführbar sind. Außerdem ist das Abspielen von 16 mm-Filmen mit Projektoren in Wissenschaft und Unterricht nicht mehr zeitgemäß. Heute verwendet man dafür Geräte und Medien wie Beamer und DVD.
Heinz Sielmann Stiftung: Wie sind Sie bei der Digitalisierung des Films vorgegangen?
Hoese: Zunächst musste ich den Inhalt des Films ermitteln, um zu gewährleisten, dass er in Bild und Ton möglichst ursprünglich erhalten bleibt. Dies geschah in drei Arbeitsphasen: Da es sich um einen abendfüllenden 35 mm-Dokumentarfilm handelte, musste dieser erst einmal in fünf Akten, das sind die Filmrollen, über einen Filmabtaster abschnittsweise auf Festplatte digitalisiert werden. Zur Sicherheit erstellte ich noch eine Bandausspielung auf ein Digital Betacam. Es ist das in der heutigen Fernsehtechnik am meisten genutzte Speichermedium. Der zweite Arbeitsschritt betraf den Ton. Da der vorhandene Lichtton von der abgetasteten Filmkopie ebenfalls beschädigt und daher nicht brauchbar war, musste der Magnetton einer zweiten Kopie von einem Filmprojektor mit Vier-Kanalton digital auf ein Mehrspur-Tonband überspielt werden. Hier schloss sich nun die dritte Arbeitsphase an: Das Editing, der Filmschnitt an einem nonlinearen Schnittplatz. Hier konnte das Material in beliebiger Reihenfolge bearbeitet werden. Die fünf Bildakte mussten danach aneinander gekoppelt und der Ton synchron an das Bild angelegt werden.
Heinz Sielmann Stiftung: Wie aufwändig war die Digitalisierung?
Hoese: Der ganze Arbeitsprozess war sehr zeitaufwändig – auch die Recherchen. So war ein 35 mm-Projektor mit Vier-Kanal-Magnettonwiedergabe nur noch in Stuttgart zu finden. Die Filmkopie war zudem so rotstichig, dass wir bezweifelten, die Farben jemals wiederherstellen zu können. Doch hier half die reiche Erfahrung eines so genannten „Colourmatchers". Er nahm den Farbabgleich der einzelnen Filmabschnitte vor und schenkte dem Werk Heinz Sielmanns mittels moderner digitaler Technik in szenenweiser Lichtbestimmung, die Farbe wieder.
Heinz Sielmann Stiftung:Sind bei Ihrer Arbeit Probleme aufgetreten?
Hoese: Ja. Nach der Farblichtbestimmung musste am Computer retuschiert werden, denn viele Schrammen, Schmutzflecken und Blitzer durch Filmrisse erwiesen sich bei der Betrachtung als sehr störend. Aber hier gibt es neben der individuellen Retusche auch noch die Möglichkeit ein Resaturationsprogramm einzusetzen. Ein weiteres Problem war die endgültige Vertonung. Neben notwendigen Synchronkorrekturen musste man einen Stereo-Zweikanalton gestalten. Ich will hier nicht zu sehr ins Detail gehen, aber es ist sehr schwer, einen vorgemischten Ton mit Sprache und Musik umzuschneiden. Dies war notwendig, weil Szenen aufgrund von Filmrissen fehlten.
Heinz Sielmann Stiftung: Warum macht sich die Stiftung die Mühe, Filme von Heinz Sielmann zu restaurieren?
Hoese: Die Filme Heinz Sielmanns liegen bisher größtenteils nur als Filmmaterial, teilweise unvertont, vor. Eines der vier Ziele der Stiftung ist es, dieses Material nachfolgenden Generationen zu erhalten und zugänglich zu machen. Dies geschieht, indem die Filme durch Digitalisierung auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden. Im Archiv der Heinz Sielmann Stiftung auf Gut Herbigshagen befinden sich noch einige unwiederbringliche Filmwerke, die auf hervorragende Weise die jahrzehntelange Pionierarbeit des Tierfilmers dokumentieren. Es gibt also auch auf diesem Gebiet für die Stiftung noch viel zu tun.
Heinz Sielmann Stiftung: Herr Hoese, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.


