Artenvielfalt leicht gemacht – mehr Natur in den Garten

Die sind unterschätzte Paradiese: Gärten in Deutschland gibt es fast vor jeder Haus- und Terrassentür und sie sind ein Segen für die Artenvielfalt.

16.04.2008, Duderstadt. Wo es mit Beginn der Gartensaison bald im Laub kräftig summt und zwitschert, ist die Natur zu Hause und der Gärtner mitten im Leben – mit Blüten, Stauden, Kräutern und Wildgehölzen ebenso wie mit vielerlei Insekten, Vögeln und Kleinsäugern. Mehr als eine Million Kleingärten gibt es in Deutschland, hinzu kommen Hausgärten in rund siebenstelliger Zahl. Statt artenarmer Rasenteppiche, Plattenwege und Thuja-Hecken zieht immer mehr attraktiver Wildwuchs in den Garten ein. In seiner Vielfalt schmeichelt er auch der Phantasie und dem Ehrgeiz des Gärtners, der ruhig etwas Nachhilfe leisten kann.

"Gärten sind in unseren verdichteten Siedlungsräumen wichtige ökologische Inseln", sagt Uli Simmat, Experte der Heinz Sielmann Stiftung. "Schon viele solcher kleinen Gartenparadiese tragen zum ökologischen Gleichgewicht in einer Region bei. Und die Anlage solcher strukturreicher Kleingärten ist selbst für Hobby-Gärtner ein Leichtes." Heimische Pflanzenarten sind den Boden- und Klimaverhältnissen bestens angepasst und bilden die Basis für spezifische Lebensgemeinschaften und Nahrungsketten. Weißdorn, Holunder oder Eberesche sind nicht nur bei Menschen beliebt, sondern locken und ernähren dutzende Vogelarten. Besonders heimische Wildobstarten können ideal als Vogelschutzgehölze oder Insektenhecken gepflanzt werden – und laden zum Genuss ein. Sanddorn oder bestimmte Heckenrosen beinhalten sogar rund fünfmal mehr Vitamin C als Zitrusfrüchte.

"Ein bisschen geplante Unordnung im Garten kommt der Natur sehr gelegen, ausgefegte und ausgeräumte Ecken sind biologisch fast tot", erklärt Simmat. Morsches Holz oder ein Steinhaufen bieten vielen Insektenarten Schutz und Ansiedlungsmöglichkeiten. Selbst liegen gebliebener Heckenschnitt und Laubhaufen stellen für die Artenvielfalt interessante Kleinstrukturen dar. Dazu zählen auch die beliebten Gartenteiche. Mit etwas Glück stellen sich bald Molche, Frösche oder andere Lurche ein. Die schönen Blüten mancher Seerosenarten bieten zugleich eine Nahrungsgrundlage für spezialisierte Käferarten.

So hatte Prof. Heinz Sielmann das Glück, auf seinem Münchener Grundstück einen Gartenteich anlegen zu können, der bei hohem Wasserstand von der vorbei fließenden Würm gespeist wird. Teichhühner und andere Wasservögel gehörten zu den regelmäßigen Besuchern des Gartenteiches, die der bekannte Tierfilmer direkt von seinem Wohnzimmerfenster aus beobachten konnte.

Selbst das von manchen Gärtnern geschmähte „Unkraut“ in den versteckten Ecken des Gartens tut der Natur nur gut. Zum Beispiel sind Brennnesseln als Nahrungsquelle sehr beliebt bei bestimmten Schmetterlingsraupen. Und wer möchte nicht solche schönen Edelfalter wie das Tagpfauenauge oder den Kleinen Fuchs durch den Garten gaukeln sehen? Bunt gemischte Staudenbeete sind Insektenparadiese – besonders beliebt ist bei ihnen die angenehm nach Minze duftende Indianernessel, auch Goldmelisse genannt, aus deren Blättern und Blüten sich sogar Tees zubereiten lassen. Sie stammt ursprünglich aus Amerika und ist kein heimisches Gewächs, dennoch ist sie eine gute Empfehlung für Gartenbesitzer, die auch exotische Pflanzen blühen sehen wollen. In jedem Fall sollte gerade bei nicht heimischen Pflanzen unbedingt darauf geachtet werden, ob sie die heimische Artenvielfalt bereichern und hineinpassen oder ob sie Insekten und Vögel nicht vielleicht sogar vertreiben.

Besonders duftende Blumen und Blüten wie etwa der Sommerflieder erfreuen nicht nur die Gartenbesitzer, sondern locken Insekten, die für die Bestäubung beispielsweise unserer Obstsorten unverzichtbar sind.

Wer nun in den nächsten Tagen zu Spaten und Gartenkralle greifen möchte, sollte sich ruhig noch einmal Zeit nehmen, bei geplanten Pflanzungen ein Auge darauf zu haben, wie sich der eigene Garten in ein artenreiches Paradies verwandeln kann.