„Nichts liegen lassen in diesen Zeiten“

Stiftungen müssen mit ihrem Vermögen besonders verantwortlich umgehen. Wie lassen sich in Niedrigzinszeiten noch brauchbare Erträge für die tägliche Arbeit erzielen?

Als Vorstand der Heinz Sielmann Stiftung ist der Kommunikations- und Betriebswirt Michael Beier gesetzlich verpflichtet, das Stiftungsvermögen nicht nur zu bewahren – es muss auch real erhalten bleiben, der Anlage-Ertrag also mindestens die Inflationsrate erreichen. Das Vermögen der Stiftung beträgt 26 Millionen Euro, das harte Stiftungskapital 12,65 Millionen Euro. Die Heinz Sielmann Stiftung hat in den letzten vier Jahren Renditen zwischen 9 Prozent (2013) und 5,8 Prozent (2016) erzielt. Investiert wird gemäß der Anlagerichtlinie, die von der bayerischen Stiftungsaufsicht genehmigt wurde.

FOCUS: Wie genau gehen Sie vor?

Michael Beier: Wir investieren in Unternehmens- und Nachranganleihen, die dem „Leitfaden für ethisch und nachhaltige Geldanlagen“ der EKD entsprechen. Wir dürfen außerdem bis zu 75 Prozent unserer Gelder in Aktien anlegen. Das bringt uns die angestrebte Rendite. Das geschieht aber nicht blindlings. Wir investieren in Papiere des Stoxx Global ESG Leaders und des Stoxx Europe Sustainability. Damit haben wir insgesamt 600 Aktien zur Auswahl. Die Hälfte unserer Aktieninvestments ist bisher in Fremdwährungsaktien gegangen. Auch das hat gute Erträge gebracht.

FOCUS: Was ist Ihre aktuelle Strategie?

Michael Beier: Man darf Aktien nicht liegen lassen in diesen volatilen Zeiten. Wir haben uns einen Korridor möglicher Verluste von bis zu 20 Prozent eingeräumt. Laut unserer Anlagerichtlinie muss ein Investment innerhalb von sieben Jahren wieder pari sein. Aber die Crashs werden immer kürzer, die Aktien kommen immer schneller zurück. Wir entscheiden deshalb auf monatlicher Basis über unsere Investments.

Wir halten 23 Prozent unseres Anlagevermögens in Aktien und obendrein sehr viel Cash, denn wir sind überzeugt, dass der Markt aktuell überbewertet ist. Gehen die Kurse deutlich runter, investieren wir wieder. Wir dürften auch bis zehn Prozent der Anlagen in Rohstoffe investieren, das lohnt derzeit aber nicht. Und Explorateure fallen nicht unter unsere Anlagekriterien.

FOCUS: Sie haben auch erhebliche Ländereien erworben.

Michael Beier: Ich bin sicher, dass es sich lohnt, Geld in Immobilien, Landwirtschaft und Wald anzulegen. Unsere Erträge aus 13 000 Hektar Forstwirtschaft unterschreiten allerdings die Kosten für den Waldumbau, wir wollen ja renaturieren. Unsere Wälder nehmen wir langfristig aus der Nutzung heraus.

FOCUS: Wie sichern Sie sich ab?

Michael Beier: Mittelstandsanleihen und Derivate machen wir grundsätzlich nicht, auch von Staatsanleihen lassen wir aktuell die Finger. In unserem Anlageausschuss sind kompetente Berater aus milliardenschweren Stiftungen, wie etwa der Volkswagenstiftung und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.

Interview erschienen im FOCUS 27/2017.