Damit das Wasser wieder sprudelt: Quellschutzprojekt im Ampertal gestartet

Freising – Im Landkreis gibt es zahlreiche Quellen, viele sind in Fassungen eingesperrt, verrohrt oder verschmutzt. Das soll sich ändern.

Libellen und andere seltene Tiere und Pflanzen profitieren vom Schutz der Quellen. Foto: Heinz Sielmann Stiftung

Wie viele Quellen es im Landkreis Freising gibt, weiß keiner, Tatsache ist, gerade an den Hügeln entlang der Amper sind es viele. 21 von ihnen werden jetzt im Rahmen eines Quellschutzprojektes zu neuem Leben erweckt. Denn eine Quelle ist nicht nur ein fantasieanregendes Wasserspiel, sondern auch ein ganz besonderer ökologischer Lebensraum für viele sehr seltene Tiere und Pflanzen, von Laubfrosch und Gelbbauchunke über Quellmoos und Libellen, bis hin zu sehr anspruchsvollen Quellschnecken, die ausschließlich hier leben können.

Die meisten Quellen sind freilich keine Oasen der Artenvielfalt, sondern fristen ein trauriges Dasein. Sie sind verschmutzt von Schadstoffen, Abwassereinleitungen und Dünger aus der Landwirtschaft, in Fassungen zur Trinkwassergewinnung früherer Jahrzehnte eingesperrt oder gar verrohrt und mit Wasserhahn versehen. Wie Fabian Eichhorn vom Freisinger Landschaftspflegeverband, der das Quellschutzprojekt leitet, am Freitag bei der Auftaktveranstaltung berichtete, sind sogar Fichten ein Problem. Diese Baumart nämlich sorgt dafür, dass der Boden rundum versauert und die Wasserqualität leidet. Ursprünglich fanden sich rund um Quellen eher Weiden und Schwarzerlen als typischer Baumbewuchs.

Damit zumindest die 21 Quellen an den Nordhängen der Amperleite im südlichen Ampertal wieder so sprudeln, wie es ihr Naturell ist, hat der Landschaftspflegeverband das Schutzprojekt entworfen und dafür Partner gefunden. Den Bayerischen Naturschutzfonds zum Beispiel, der 85 Prozent der 350.000 Euro Projektgelder beisteuert oder die Heinz-Sielmann-Stiftung, die sich an den übrigen 15 Prozent beteiligt. Auch einige Grundbesitzer, zu deren Besitz Quellen gehören, hat man schon ins Boot geholt und hofft hier auf weitere Mitwirkende. Dass so wenig bekannt ist über die Quellen in Bayern, liegt daran, dass sie sich oft in Wäldern befinden, wo es in der Regel keine Biotopkartierungen gibt.

Eine der Quellen, die renaturiert werden, ist diejenige am Burgstall östlich von Burghausen. Eine andere befindet sich bei Gremertshausen. Hier hat man bereits im August erste Maßnahmen ergriffen und das Areal rund um die Quelle gemäht und von Springkraut befreit. Am kommenden Montag wird dazu im Bayerischen Fernsehen im Rahmen der Sendung "Unkraut" ein Bericht gesendet. Der erste Schritt im Schutzprojekt ist die Aufnahme und Bewertung der ausgewählten Quellen. Auch die Sensibilisierung von Grundeigentümern, aber auch von Behörden wie den Kommunen und des Wasserwirtschaftsamtes für die Belange der Quellen steht auf der Agenda. Erst dann werden die zum jeweiligen Standort passenden Maßnahmen erarbeitet. In der Regel ist die Sache an sich dann einfach: Zu nah stehende Fichten werden gefällt, Neophyten wie Springkraut, das besonders gern an wasserreichen Standorten wächst, entfernt, ebenso wie die Fassungen. Damit genügend Sonne an den Standort kommt, ist eine extensive Nutzung durchaus erwünscht.

Ein Bestandteil des Projekts ist es, Quellenbesitzer auf die diversen Fördermöglichkeiten von Schutzmaßnahmen hinzuweisen, zum Beispiel im Vertragsnaturschutz, als Ausgleichszahlungen oder Förderprogramme des Wasserwirtschaftsamtes. Ist die Quelle frei, so Projektleiter Fabian Eichhorn, hat sie einen Riesenvorteil: Es braucht kein dauerhaftes Pflegemanagement, das biologische Schatzkästchen füllt sich ganz von selbst.

 

Quelle: Süddeutsche Zeitung, 23.10.2017