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Der Schwarze Maiwurm und andere Frühlingsboten in der Döberitzer Heide

Der Frühling steht vor der Tür und damit erwacht das Leben auch wieder in Sielmanns Naturlandschaften in Brandenburg. Auf den insgesamt 55 Kilometer langen Wanderwegen in der Döberitzer Heide fliegen schon an den ersten milden, sonnigen Tagen im März die ersten Schmetterlinge. Dazu zählen die Jungfernkinder – tagaktive Nachtfalter, deren orange schimmernde Hinterflügel auffallen, wenn sie um die Kronen von Birken am Wegesrand herumwirbeln. Aber auch die vertrauten Tagfalter wie Zitronenfalter und Trauermantel werden jetzt aktiv.

Der Schwarzblaue Ölkäfer (Meloe proscarabaeus), Insekt des Jahres 2020, läuft schwerfällig über den Sand der Döberitzer Heide. Im Körper des Weibchens reifen Zehntausende von Eiern heran. Foto: Dr. Hannes Petrischak

Die Frühlings-Seidenbiene (Colletes cunicularius) ist eine der ersten Wildbienen des Jahres. An Weidenkätzchen sammelt sie Pollen, den sie in ihre Nester im Sandboden einträgt. Foto: Dr. Hannes Petrischak

Auf den sandigen Wegen krabbeln in dieser Zeit verschiedene Käfer umher. Einige wirken sehr schwerfällig wie zum Beispiel das Weibchen des Schwarzblauen Ölkäfers oder Schwarzen Maiwurms (Meloe proscarabaeus). Fast wirkt es, als würde es seinen dicken, langgestreckten Hinterleib wie einen Sack Mehl hinter sich herziehen. Die Flügel sind zu funktionsunfähigen „Attrappen“ reduziert; das massige Gewicht wäre ohnehin nicht in der Luft zu halten. Offenkundig ist der Käfer eine leichte Beute für Vögel und Säugetiere.

Insekt des Jahres 2020

Doch Ölkäfer sind nur scheinbar so wehrlos. Ihr Körper enthält Cantharidin, ein starkes Reiz- und Nervengift, das sie sie bei Beunruhigung in öligen Tröpfchen aus ihren Gelenken austreten lassen können. Diese Wehrhaftigkeit hilft nicht gegen die Zerstörung ihrer Lebensräume, so dass der Schwarzblaue Ölkäfer als gefährdet auf der Roten Liste steht. Für 2020 wurde er zum Insekt des Jahres erkoren.

Frühe Wildbienen, seltene Vögel und große Tiere vor den Toren Potsdams

Als unfreiwillige Wirte der Ölkäfer dienen verschiedene Sand- und Seidenbienen. Besonders häufig zeigt sich in der Döberitzer Heide bereits ab März die Frühlings-Seidenbiene (Colletes cunicularius), die im offenen Sand nistet und ihren Pollen an Weidenblüten sammelt.

In der Döberitzer Heide lassen sich aber auch viel größere Tiere wunderbar beobachten: Mit etwas Glück zeigen sich am Zaun entlang der Kernzone Wisente und Przewalski-Pferde. Seltene Vögel wie Heidelerche, Grauammer, Steinschmätzer oder Wiedehopf rufen und singen am Wegesrand, sobald sie aus ihren Überwinterungsgebieten zurückgekehrt sind. 

Seit einigen Jahren finden in der Döberitzer Heide großflächige Landschaftspflegemaßnahmen statt, die unter anderem dem Erhalt von Kleingewässern, Pfeifengraswiesen, Flachland-Mähwiesen, Sandtrockenrasen und Heideflächen dienen. Davon profitieren zum Beispiel Rotbauchunken, Orchideen und Feldlerchen.

Buchvorstellung in Potsdam

Mehr zum Lebenszyklus des Schwarzen Maiwurms und vielen anderen Arten erfahren Sie am Donnerstag, 27. Februar in der Urania in Potsdam. Dr. Hannes Petrischak, Leiter des Geschäftsbereiches Naturschutz der Heinz Sielmann Stiftung, stellt sein Buch „Expedition Artenvielfalt – Heide, Sand & Seen als Hotspots der Biodiversität“ vor. Das Buch beschreibt Sielmanns Naturlandschaften mit ihren charakteristischen Tieren und Pflanzen in zahlreichen Bildern und Texten.

Der Autor Hannes Petrischak präsentiert in seinem Vortrag seine spannendsten Erlebnisse in den Schutzgebieten. Bernd Rubelt, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt der Landeshauptstadt Potsdam wird den Vortrag mit einer Einleitung eröffnen.

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