Insektenforscher erhalten 3. Deutschen Biodiversitätspreis

Am Donnerstag den 15. November überreichte die Heinz Sielmann Stiftung den mit 10.000 Euro dotierten Deutschen Biodiversitätspreis an den Entomologischen Verein Krefeld e.V. Die Preisverleihung fand im Landesmuseum Hannover statt.

Preisträger und Laudatoren freuen sich gemeinsam über die wichtige Auszeichnung. V.l.n.r.: Olaf Lies (Niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz), Dr. Martin Sorg (Entomologischer Verein Krefeld e.V.), Dr.-Ing. E.h. Fritz Brickwedde (Stiftungsratsvorsitzender der Heinz Sielmann Stiftung), Werner Stenmans (Entomologischer Verein Krefeld e.V.), Dirk Steffens (Moderation), Dr. Andreas Krüß (Abteilungsleiter Ökologie und Schutz von Fauna und Flora im Bundesamt für Naturschutz), Dr. Elsa Nickel (Leiterin der Abteilung Naturschutz und nachhaltige Naturentwicklung im Bundesministerium für Umwelt), Prof. Josef Reichholf (Buchautor und Professor für Ökologie und Naturschutz, TU München). Foto: Marco Heggen

Stiftungsratsvorsitzender Dr.-Ing. E.h. Fritz Brickwedde bei der Eröffnungsrede. Foto: Marco Heggen

Wissenschaftler des Entomologischen Vereins Krefeld sortieren und bestimmen die im Freiland gefangenen Insekten unter dem Mikroskop. Foto: Entomologischer Verein Krefeld e.V.

Dr.-Ing. E.h. Fritz Brickwedde, Stiftungsratsvorsitzender der Heinz Sielmann Stiftung, leitete die Preisverleihung mit einem eindringlichen Appell ein: „Wer Arten erhalten will, muss sie erkennen können. Wir steuern nicht nur auf einen unumkehrbaren Verlust der biologischen Vielfalt zu, das Wissen über die Tier- und Pflanzenarten droht gleichermaßen zu verschwinden. Das ehrenamtliche Engagement im Naturschutz ist unersetzbar. Eine grundlegende finanzielle Sicherung für dieses Engagement ist nötig, um die Nachwuchssorgen der aktiven Vereine zu zerstreuen.“

Die Auszeichnung mit dem Deutschen Biodiversitätspreis würdigt die langjährigen insektenkundlichen Untersuchungen der ehrenamtlichen Mitglieder des Krefelder Vereins und ihr Engagement für den Insektenschutz. Eine im Jahr 2017 veröffentlichte Studie hatte alarmierende Fakten über den Schwund von Insekten hervorgebracht. Standardisierte Langzeituntersuchungen erfassten die Biomasse von Fluginsekten in Schutzgebieten. Das Ergebnis: In den 27 Jahren ging die Zahl der fliegenden Insekten um 76 % zurück. „Die aktuellen Daten deuten auf ein allgemeines Muster des Rückgangs der Insektenvielfalt und -menge hin“, heißt es in der Studie. Die Veröffentlichung zum Insektensterben erregte weltweites Aufsehen und rückte das Thema in das Bewusstsein der Gesellschaft, Medien und Politik.

In seiner Laudation unterstreicht Dr. Andreas Krüß, Abteilungsleiter Ökologie und Schutz von Fauna und Flora im Bundesamt für Naturschutz, die besonderen Leistungen des Vereins: „Es ist sehr außergewöhnlich, dass ein Thema so lange in der Öffentlichkeit so eine hohe Aufmerksamkeit bekommt. Die Aktivitäten zum Thema Insektensterben nehmen tatsächlich zu. Auch auf politischer Ebene sind bereits Maßnahmen der Länder und des Bundes in Gang gekommen, unter anderem das Aktionsprogramm Insektenschutz. Sogar das Weltwirtschaftsforum hat sich mit dem Thema befasst, denn es findet sich in dessen aktuellen „Global Risk Report“.“

Stellvertretend für den Verein nahmen die Vorstandsmitglieder Dr. Martin Sorg und Werner Stenmans den Preis entgegen. Beide freuen sich über die Auszeichnung. „Wir werden mit dem Preisgeld unsere Nachwuchsarbeit fördern. Wir können Natur nur schützen, wenn wir genug über die Arten und Prozesse in der Landschaft wissen. Unser Ziel ist es, das Wissen des Vereins zu sichern und weiter auszubauen. Dazu müssen wir mehr junge Menschen für die Insektenwelt begeistern“, erklärt Dr. Martin Sorg.

 

Hintergrund

Der deutsche Biodiversitätspreis

Die Vereinten Nationen haben das Jahrzehnt von 2011 bis 2020 als UN-Dekade biologische Vielfalt ausgerufen. Das Ziel ist, den weltweiten Rückgang der biologischen Vielfalt aufzuhalten. Dazu soll auch das gesellschaftliche Bewusstsein gefördert werden, eine breite Öffentlichkeit auf das Thema aufmerksam gemacht und für den dringenden Handlungsbedarf sensibilisiert werden. Mit der Verleihung des Deutschen Biodiversitätspreises unterstützt die Heinz Sielmann Stiftung diese Ziele.

Die Preisträger: Entomologischer Verein Krefeld e.V.

Seit 1905 widmet sich der Verein der wissenschaftlich orientierten Insektenkunde. Bisher haben die Mitglieder des Vereins über 2.000 wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht. Diese beachtliche Leistung unterstreicht die fachliche Kompetenz der Vereinsmitglieder deutlich. Die Krefelder Entomologen arbeiten ehrenamtlich an der Bewahrung ihres wertvollen Archivs. Der Verein erhält bis heute keine institutionelle Förderung. Die Forschung des Vereins wurde über Projektförderungen finanziert. Trotz verschiedener finanzieller oder personeller Unsicherheiten ist es den Mitgliedern gelungen, wissenschaftlich interessierten Nachwuchs für ihre Themen zu gewinnen. Die Mitgliederzahl hat sich in den letzten 25 Jahren verdoppelt. In all diesen Bereichen ist der Verein ein Vorbild für die Zivilgesellschaft.

Heinz Sielmann Stiftung

Die Heinz Sielmann Stiftung wurde 1994 von Prof. Heinz Sielmann und seiner Frau Inge Sielmann als öffentliche Stiftung bürgerlichen Rechts gegründet. Die Schwerpunkte der Arbeit der Heinz Sielmann Stiftung sind der Erhalt der Artenvielfalt, die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für den Naturschutz und die Bewahrung des filmischen Erbes von Naturfilmpionier Heinz Sielmann. Mit dem Kauf großer unzerschnittener Landschaften erhält und schafft die Heinz Sielmann Stiftung Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen. Auch fördert die gemeinnützige Stiftung Biotopverbünde, zum Beispiel am Bodensee oder entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. So können sich auf diesen Flächen Tier- und Pflanzenbestände frei vom wirtschaftlichen Nutzungsdruck erholen und verschwundene Arten zurückkehren.