In Gedenken an Inge Sielmann

Insektenhotel auf der Konstantinhalde schafft zahlreiche neue Lebensräume

An dem Streuobst- und Weideprojekt Konstantinhalde in Überlingen-Nußdorf, eines der Projektgebiete innerhalb des Biotopverbunds Bodensee, hat die Heinz Sielmann Stiftung ein Insektenhotel errichtet. Finanziert wurde die Maßnahme durch das Ulmer Unternehmen Julius Gaiser GmbH & Co. KG, das Ende 2018 den Biotopverbund mit einer großzügigen Spende unterstützte.

Das neue Insektenhotel auf der Streuobstwiese wurde aus Spenden finanziert. Foto: Julia Brantner

Das neue Insektenhotel auf der Streuobstwiese wurde aus Spenden finanziert. Foto: Julia Brantner

Im Insektenhotel sollen möglichst viele verschiedene Insekten und Wildbienen einchecken. Foto: Julia Brantner

Das Streuobst- und Weideprojekt „Konstantinhalde“ bei Überlingen soll dauerhaft erhalten bleiben und ausgebaut werden. Neben Neupflanzungen von Streuobstbäumen und der Pflege des bestehenden Baumbestandes wird mit dem Bau des Insektenhotels ein weiteres Teilprojekt im Biotopverbund Bodensee geschaffen.

In den letzten Jahrzehnten ist der Lebensraum von Wildbienen und anderen Insekten stark zurückgegangen, sodass viele Arten mittlerweile selten, oder gar bedroht sind. Durch extensive Nutzung von Offenlandflächen und Schaffung von Nistplätzen kann vielen Arten geholfen werden. Da die Offenlandflächen auf der Konstantinhalde bereits extensiv mit Rindern beweidet werden, hat die Heinz Sielmann Stiftung beschlossen, Nistmöglichkeiten und Unterschlupf für verschiedene Insekten in Form eines großen Insektenhotels auf der Fläche anzubieten.

„Der Streuobstbestand auf der Konstantinhalde weist gute Voraussetzungen zur Errichtung eines Insektenhauses auf, da neben der Obstblüte auch im Grünland durch die extensive Nutzung verschiedene Blütenpflanzen als Nahrung für Insekten vorhanden sind. Außerdem ist die Konstantinhalde bereits als Maßnahme in Sielmanns Biotopverbund Bodensee integriert und wird durch das Insektenhaus zusätzlich aufgewertet“, so Julia Brantner, die im Projektbüro des Biotopverbunds Bodensee der Heinz Sielmann Stiftung arbeitet.

Unterstützt wurde der Bau des Insektenhauses durch Joachim Büchelmaier, der das Grundgerüst des Insektenhotels gebaut hat, sowie von Schülern der Klasse 7/8 der Franz-Sales-Wocheler Schule aus Überlingen. Diese halfen tatkräftig mit, die vielen verschiedenen Materialien für die einzelnen „Zimmer“ im Hotel anzufertigen. „Für meine Schüler ist es eine tolle Sache, dass sie das Projekt mit unterstützen dürfen und so einen Beitrag zum Naturschutz leisten“ so Christine Rath, Klassenlehrerin der Schulklasse.

Die verschiedenen Nistmaterialien wie beispielsweise Holz, Bambusröhren, Markstängel etc. wurden im Werkunterricht bereits vorbereitet. In das Holz haben die Schüler Löcher unterschiedlicher Durchmesser gebohrt und die Bambusstangen und Markstängel auf die entsprechenden Längen zurechtgesägt. Anschließend wurden die scharfen Kanten noch gefeilt, damit sich die Insekten nicht verletzen. Bei strahlendem Wetter statteten die Schüler das bereits errichtete Gerüst des Insektenhauses mit den vorbereiteten Materialen sowie zusätzlich mit Ziegeln und weiteren Naturmaterialien ausgestattet. So werden unterschiedliche Ansprüche der einzelnen Arten erfüllt. Verschiedene Insektenarten können nun in ihr neues Heim einziehen. Ergänzt wird das Insektenhaus durch eine neue Informationstafel. 

 

Hintergrund

Streuobst- und Weideprojekt „Konstantinhalde“ im Biotopverbund Bodensee

Ziel des Streuobst- und Weideprojekts an der Konstantinhalde in Überlingen-Nußdorf ist es, den alten Streuobstbestand dauerhaft zu erhalten. Die Streuobstwiese in herrlicher Lage oberhalb des Bodensees prägt das Landschaftsbild maßgeblich. Doch die Bäume waren überaltert und ungepflegt. Das wertvolle Biotop drohte zu verschwinden. Mit rund 5.000 Tier- und Pflanzenarten gehören Streuobstwiesen zu den besonders struktur- und artenreichen Lebensräumen in Baden-Württemberg. Seit 2009 engagiert sich die Heinz Sielmann Stiftung für den Erhalt der Streuobstwiese an der Konstantinhalde. Dazu gehören Neupflanzungen von Jungbäumen, Pflegeschnitte für alte und junge Obstbäume, initiale Pflegemaßnahmen auf der Wiese und die Einzäunung des Gebiets, damit die Fläche später beweidet werden konnte. Auf der etwa vier Hektar großen Streuobstwiese sind nun Hinterwälder Rinder als vierbeinige Landschaftspfleger im Einsatz. Sie halten die Fläche offen und sorgen für die Entstehung wichtiger Kleinstlebensräume, wie zum Beispiel offene Bodenstellen und Dunghaufen. Wiesensalbei, Wiesenbocksbart und Margerite zaubern nicht nur bunte Blüten unter die Obstbäume, sondern sind wichtige Nektarquellen für spezialisierte Insekten. Diese wiederum sind Nahrung für Grün- und Grauspecht, Gartenrotschwanz oder Wendehals. In den alten Obstbäumen finden höhlenbewohnende Vögel noch gute Nistmöglichkeiten. Die Flächen befinden sich zu großen Teilen im Eigentum der Stadt Überlingen und sind von einigen Privatflächen ergänzt.