Spenden Spenden Veranstaltungen Veranstaltungen Newsletter

Kontrollierte Brände als Landschaftspflege in Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide

Die lila blühenden Flächen in Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide sind eine Kulturlandschaft. Ohne Pflege würden die Heidesträucher überaltern, absterben und von Bäumen und Büschen überwachsen werden. Das kontrollierte Abbrennen der Heide ist eine effektive Methode die Pflanzenbestände zu verjüngen, denn die Sträucher treiben wieder aus. In den vergangenen Wochen wurde auf rund 50 Hektar des ehemaligen Truppenübungsplatzes mit dieser Methode Landschaftspflege betrieben.

Landschaftspflege durch kontrollierte Brände verjüngt die Heidebestände. Foto: Ute Steinke, Bundesforst
In diesem Jahr wurden Flächen direkt am Wanderweg kontrolliert abgebrannt. Foto: Ute Steinke, Bundesforst
Die Flächen nach dem Brand. Foto: Dr. Jörg Müller
Was jetzt rabiat aussieht wird in den Folgejahren zu einer üppigen lila Heideblüte führen. Foto: Dr. Jörg Müller

Kontrollierte Feuer verjüngen Heide

Die Besenheide ist gut an Feuerereignisse angepasst. Nach einem Brand schlagen die Zwergsträucher wieder neu aus, die harten Samen der Pflanze keimen besser. Feuer ist eine von drei Methoden, mit der derzeit die Heide in Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide gepflegt wird. Die aktuellen Maßnahmen fanden vor allem unterhalb des Natur-Beobachtungsturms auf dem Sielmann-Hügel statt. „Für Besucher mag das erst einmal wie ein rabiater Eingriff aussehen, doch schon in ein bis zwei Jahren blüht dort die Heide noch üppiger als zuvor“, erklärt Dr. Jörg Müller, Projektleiter bei der zuständigen Heinz Sielmann Stiftung. Die Flächen liegen am Wanderweg zwischen Neuglienicke, Pfalzheim und Rossow. Besucher können in den folgenden Jahren die Entwicklung der Maßnahme und die Erfolge unmittelbar beobachten.

Munitionsbelastung nach wie vor hoch

Durchgeführt wurden die Maßnahmen von Mitarbeitern des Bundesforst, die insgesamt 4.000 Hektar Nationales Naturerbe im Süden des ehemaligen Truppenübungsplatze im Auftrag der Heinz Sielmann Stiftung betreut. Auch Spezialisten für Munitionsbergung waren vor Ort, denn die gesamte Fläche ist, bis auf die ausgewiesenen Wanderwege, noch mit Munition belastet. „Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern, denn der Aufwand für eine flächendeckende Beräumung ist nicht abschätzbar und auch nicht bezahlbar“, so Müller weiter. Brandschutzstreifen umlaufen die einzelnen Abteilungen, sodass das Feuer nicht auf angrenzende Flächen überspringen kann. „Kaltes Brennen“ gelingt nur in einer trockenen Wetterphase mit Frostnächten. Ziel ist es, die oberirdische Biomasse zu verbrennen, ohne dass größere Bäume oder Wurzelstöcke Feuer fangen und sich große Hitze oder Glutnester bilden. Dazu muss ein gleichmäßiger leichter Wind wehen, der das Feuer durch die Fläche treibt. „Nicht jeder Zeitpunkt im Winter ist geeignet, und durch den milden Winter lief uns die Zeit für die Maßnahme davon“, erläutert Müller.

Hintergründe

Warum ist kontrolliertes Brennen gut für die Heide?

Insgesamt wird durch den Brand Biomasse aus dem Ökosystem entfernt. Die Brandlast auf der Fläche wird so verringert. Im Katastrophenfall eines Waldbrandes durch Brandstiftung oder selbstentzündete Munition findet das Feuer nur wenig „Futter“ und läuft auf der Fläche aus.

Die Verringerung der Biomasse schafft ein anderes Mikroklima zwischen den Heidebüschen. Nach einem Brand steht eine Reihe spezialisierter Tiere, wie etwa der Wald-Sandlaufkäfer, in den Startlöchern und besiedeln die Flächen schnell. Die kargen Lebensbedingungen in diesen offenen Landschafen sind auch ideal für viele angepasste Spinnen- und Insektenarten, die wiederum bestimmten Vogelarten, wie den Raubwürger oder dem Wiedehopf - dem Wappentier der Heide – Nahrung bieten.