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Mähen oder nicht mähen?

Wustermark/Elstal, 19. Oktober 2015 - Unter dem Titel „Ganzjährige Weidelandschaften und Natura 2000“ hat die Heinz Sielmann Stiftung kürzlich einen Leitfaden zum naturschutzfachlichen Umgang mit Weideflächen herausgegeben. Das Werk soll Hilfestellung bei Beurteilung, Betreiben, Neueinrichtung und Finanzierung von naturnahen Weideprojekten leisten und liegt seit dem 18. September vor.

Vielfältige Erfahrungen aus verschiedenen ganzjährigen Weidelandschaften in Deutschland zeigen, dass die Biologische Vielfalt durch die besondere Form der großflächigen, extensiven und ganzjährigen Beweidung enorm gefördert wird. In der praktischen Umsetzung bestehen dabei jedoch vielfach scheinbar innerfachliche Konflikte, wenn Schutzgüter der FFH- oder Vogelschutzrichtlinie (besonders zu schützende Arten oder Lebensraumtypen) betroffen sind und zum Beispiel qua definitionem durch Mahd zu pflegende Lebensraumtypen in die Beweidung einbezogen werden sollen.

Ökonomischer Aspekt

Andererseits wird eine kleinräumig differenzierte Nutzung bzw. Pflege durch Mahd, wie sie die Umsetzung von Natura 2000 streng genommen teilweise erfordert, künftig aus ökonomischer Sicht immer unrentabler. Großflächige Weidelandschaften können eine naturschutzfachlich und wirtschaftlich sinnvolle Grünlandnutzung darstellen, ohne die Mähnutzung generell in Frage zu stellen.

Fundierte Entscheidungsgrundlage

Der neue Leitfaden fasst das bisherige Wissen und die vielfältigen Erfahrungen zu Landnutzung und Naturschutz zusammen und stellt damit eine fundierte Entscheidungsgrundlage zur Verfügung. Die Texte wurden von namhaften Experten für die jeweiligen Lebensraumtypen (LRT) bzw. Arten verfasst. Beiträge zum Beispiel zu Bergbaufolgelandschaften oder der ökologischen Bedeutung von Kadavern runden das Werk ab. Es wurde von der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest e.V. (ABU) koordiniert und schließt an den 2008 erschienen und viel beachteten Praxisleitfaden „Wilde Weiden“ an.

Förderung

Das Vorhaben wurde vom Thüringer Landesverwaltungsamt (70%), dem Bayerischen Naturschutzfonds (6,2%) und der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein (6,2%) gefördert.

Titel

BUNZEL-DRÜKE, M., BÖHM, C., ELLWANGER, G., FINCK, P., GRELL,H., HAISWIRTH, L., HERRMANN, A., JEDICKE, E., JOEST, G., KÄMMER,G., KÖHLER, M., KOLLIGS, D., KRAWCZYSKI, R., LORENZ, A., LUICK,R., MANN, S., NICKEL, H., RATHS, U., REISINGER, E., RIECKEN, U.,RÖSSLING, H., SOLLMANN, R., SSYMANCK, A., THOMSEN, K.,TISCHEW, S., VIERHAUS, H., WAGNER, H.-G., ZIMBALL, O.: Ganzjährige Weidelandschaften und NATURA 2000 –Ganzjahresbeweidung im Management von Lebensraumtypen und Arten im europäischen Schutzgebietssystem NATURA 2000. Hrsg. Heinz Sielmann Stiftung, Duderstadt 2015, ca. 220 S.

Die Broschüre ist gegen Erstattung der Versandkosten bei der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU) erhältlich.

Die Heinz Sielmann Stiftung bedankt sich an dieser Stelle insbesondere beiden Fördermittelgebern, der ABU, allen Autoren, Fotografen und Helfern, die zur Realisierung dieses Werkes beigetragen haben.

Hintergrund

Die Heinz Sielmann Stiftung hat selbst langjährige Erfahrung aus der extensiven Bewirtschaftung von offenen und halboffenen Landschaften auf ehemaligen Truppenübungsplätzen und Bergbaufolgelandschaften in Sielmanns Naturlandschaften Wanninchen, Döberitzer Heide und Kyritz-Ruppiner Heide. Alle Sielmanns Naturlandschaften befinden sich in Brandenburg.

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