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Naturnahe Gestaltung von Firmengeländen Ein neues Projekt im Bundesprogramm Biologische Vielfalt

Duderstadt. Unternehmen aller Branchen hängen maßgeblich von der Biologischen Vielfalt und Ökosystemleistungen ab. Mit der naturnahen Gestaltung ihres Firmengeländes schaffen sie wertvolle Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten und leisten einen Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt in der Region.

In einem dicht besiedelten Land wie Deutschland sind Rückzugsmöglichkeiten für Tiere und Pflanzen Mangelware. Meistens sind die geschützten Gebiete Inseln inmitten von Verkehrsinfrastrukturen, Siedlungsgebieten und Monokulturen. Unternehmen verfügen allerdings oft über Flächen, die sie der Natur zur Verfügung stellen könnten. Manchmal lassen sich mit nur einfachen Maßnahmen, wertvolle Refugien für Tier- und Pflanzenarten herstellen oder sogar Trittsteine für Biotopkorridore entwickeln.

Das Projekt der Heinz Sielmann Stiftung, der Bodensee-Stiftung und des Global Nature Fund unterstützt Unternehmen aller Branchen dabei, den Schutz der biologischen Vielfalt kontinuierlich und strukturiert anzugehen. Dabei kommt der naturnahen Gestaltung von Firmengeländen eine besondere Bedeutung zu.

Herausforderung unserer Zeit: Biologische Vielfalt sichern
Die Studien und Warnungen der Wissenschaftler in aller Welt sind deutlich: Neben dem Klimawandel gehört der Verlust der biologischen Vielfalt zu den großen Herausforderungen unserer Zeit. Das Forscherteam um das Stockholm Resilience Centre bestätigt in seinem aktuellen Bericht, dass von den sieben untersuchten Bereichen bei der biologischen Vielfalt die Grenzwerte bisher am stärksten überschritten wurden.

Der Verlust von Ökosystemen und Arten ist nicht nur ein Umweltthema. Die Studie TEEB for Business belegt eindrücklich den ökonomischen Wert von Biologischer Vielfalt und den sogenannten Ökosystemleistungen, von denen unsere Lebens- und Wirtschaftsgrundlagen abhängen. Zudem haben alle Branchen direkte oder indirekte Auswirkungen auf die biologische Vielfalt. Es ist daher ein konsequenter Schritt, wenn die Europäische und die nationalen Strategien zum Schutz der Biologischen Vielfalt die Wirtschaft auffordert, einen entsprechenden Beitrag zu leisten. Denn auch Unternehmen sind in der Lage, den dramatischen Verlust der Biologischen Vielfalt zu stoppen.

Die Möglichkeiten und Handlungsfelder sind komplex. Es geht dabei vor allem darum, die Unternehmen Schritt für Schritt davon zu überzeugen, die Belange der Biologischen Vielfalt in ihr betriebliches Management zu integrieren. Zusätzliches Engagement in Form von Unterstützung eines Naturschutzprojektes ist darüber hinaus sehr gut. Unternehmen handeln, ihren Möglichkeiten entsprechend, vorbildlich.

Konkrete Projektumsetzung
Was wird im Rahmen des Projekts konkret umgesetzt? Auf zahlreichen Veranstaltungen und mit der Unterstützung der Branchenverbände, Handwerkskammern und IHK, werden Unternehmen auf ihren Bezug zur und der Abhängigkeit von Biologischer Vielfalt hingewiesen. Die naturnahe Gestaltung von Firmengeländen trägt zu diesem Schutz vor Ort bei. Erfahrungen der Schweizer Stiftung Natur und Wirtschaft belegen noch weitere Vorteile, wie z. B. die Verbesserung des Arbeitsklimas und eine anschauliche Umweltbildung für die Mitarbeiter.

Im Rahmen des Projektes werden mindestens 20 Unternehmen beraten. Zwischen acht und zehn Unternehmen mit einem repräsentativen Firmengelände werden ausgewählt und bei der konkreten Planung einer naturnahen Gestaltung der Flächen unterstützt.

Die naturnahe Gestaltung ist ein Schritt in die richtige Richtung – eine Maßnahme, die konkret und anschaulich ist und direkt vom Unternehmen entschieden wird. Es kann aber auch noch viel weiter gehen: Die Projektpartner haben den „Biodiversity Check“ entwickelt, mit dessen Hilfe Unternehmen eine Analyse aller Funktionsbereiche und ihrer Wirkungen auf die biologische Vielfalt der Ausgangslage vornehmen können. Zusätzlich erhalten sie praktische Empfehlungen und Maßnahmenvorschläge für die Realisierung von Zielsetzungen. Im Rahmen dieses Projektes werden daher auch zwanzig Biodiversity Checks gefördert.

Unternehmen mit einem EMAS Umweltmanagementsystem müssen seit 2010 zum Handlungsfeld Biologische Vielfalt einen Bericht erstatten und hier mindestens auf den Flächenverbrauch eingehen. Die derzeit in Überarbeitung befindliche ISO 14001 wird zukünftig die zertifizierten Unternehmen anhalten, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Auch auf der gesetzlichen Ebene tut sich was: Die Europäische Kommission plant rechtliche Vorgaben zur Umsetzung des Zieles „No-Net-Loss of Biodiversity“. Die Unternehmen, die sich im Projekt engagieren, werden sich gegenüber diesen Entwicklungen gut positionieren.

Im Verlauf der Projektumsetzung entsteht ein Leitfaden. Dieser basiert auf den praktischen Erfahrungen bei der Umsetzung von naturnahen Gestaltungen von Firmengeländen und von Biodiversity Checks. Zum Projektende Mitte des Jahres 2016 werden sowohl die Ergebnisse als auch ein Konzept für die institutionelle Verankerung der naturnahen Gestaltung von Firmengeländen vorgestellt.

Bundesprogramm Biologische Vielfalt
Das Projekt Naturnahe Gestaltung von Firmengeländen wird über das Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert. Im Rahmen dieses Förderprogramms stellt das Bundesamt für Naturschutz (BfN) Mittel des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) in Höhe von rund 431.000 Euro zur Umsetzung des Projektes zur Verfügung.

Dauer des Projektes: Juni 2013 bis Juni 2016.
Koordination: Heinz Sielmann Stiftung.
Partner: Bodensee-Stiftung und Global Nature Fund

Die „Naturnahe Gestaltung von Firmengeländen“ ist eine der Aktivitäten der Initiative Unternehmen Biologische Vielfalt 2020, die von den Bundesministerien für Umwelt und für Wirtschaft, dem Bundesverband der Deutschen Industrie und weiteren Wirtschaftsverbänden, der DIHK und Umweltschutzorganisationen initiiert wurde.