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Neuer Wildbienenfund in Brandenburg

Die Biologen Dr. Christoph Saure, seit Jahrzehnten Kartierer der heimischen Wildbienenfauna, und Dr. Hannes Petrischak, Leiter des Geschäftsbereichs Naturschutz der Heinz Sielmann Stiftung, haben in diesem Jahr erstmals in Deutschland die Stumpfe Zweizahnbiene (Dioxys cincta) dokumentieren können.

Foto: Hannes Petrischak Ein Weibchen der Stumpfen Zweizahnbiene (Dioxys cincta) im Schatten einer Mauerfuge an der Scheune bei Ketzin/Havel.
Foto: Hannes Petrischak Kopfabwärts sonnt sich dieses Weibchen der Stumpfen Zweizahnbiene (Dioxys cincta) an der Scheunenwand.
Foto: Hannes Petrischak Zahlreiche Löcher im weichen Mörtel in den Fugen der Scheunenwand verraten Nesteingänge von Mauer- und Blattschneiderbienen. Hier findet die Stumpfe Zweizahnbiene auch die Nester ihrer Wirtsbienen zur Eiablage.
Foto: Hannes Petrischak Diese Matte Natternkopfbiene (Hoplitis anthocopoides) nistet am Betonpfahl. In ihr Nest könnte die Stumpfe Zweizahnbiene in einem unbemerkten Moment Eier legen.

Die bisher nur in südlicheren Gefilden vorkommende Kuckucksbiene hat Christoph Saure am Rand eines ehemaligen Flugfeldes bei Rangsdorf (Teltow-Fläming) und am Mauerwerk einer alten Scheune in Ketzin (Havelland) entdeckt. Hannes Petrischak konnte an dieser Scheune beobachten und fotografieren, wie Weibchen der neuen Biene immer wieder versuchten, ihre Eier in die Nester von Natternkopfbienen abzulegen, in denen sich ihre Larven parasitisch entwickeln. 

„Christoph Saure und ich freuen uns ungeheuer über den neuen Bienenfund. Die Ausbreitung der Stumpfen Zweizahnbiene nach Norden ist ein deutlicher Beleg der fortschreitenden Klimaerwärmung. Voraussetzung für den Bestand und natürlich auch die Ausbreitung von Wildbienen sind allerdings geeignete Nist- und Nahrungsplätze. Die alte Scheune mit dem weichen Mörtel in den Fugen zwischen den Ziegeln ist ein Eldorado für Mauer- und Blattschneiderbienen. Solche Scheunen in Verbindung mit entsprechenden Blühflächen sollten in unserer Landschaft unbedingt erhalten bleiben“, sagt Hannes Petrischak.

Bislang war die Stumpfe Zweizahnbiene nur weiter südlich bis zum 49. Breitengrad verbreitet. Auf diesem Breitengrad liegt beispielsweise Tschechien, von wo aus die Stumpfe Zweizahnbiene wahrscheinlich eingewandert ist. Die Flusstäler der Elbe sowie von Neiße und Oder bieten das passende warme Klima für die Ausbreitung wärmeliebender Wildbienen. Besonders hübsch und leicht zu identifizieren ist die nur 7-9 Millimeter lange Stumpfe Zweizahnbiene aufgrund ihrer roten Färbung an der Basis des Hinterleibs.

Neue Wildbienenart südlich und westlich von Berlin

Im aktuellen Heft der Zeitschrift Eucera, einem Fachblatt der Wildbienenforschung, beschreiben die beiden Wildbienenforscher den Fund der Stumpfen Zweizahnbiene und die Hintergründe, für Deutschland erstmals dokumentiert durch detaillierte Fotos der Kuckucksbienenart. An zwei Orten südlich und westlich von Berlin, 46 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt, ist die Stumpfe Zweizahnbiene vom 14. bis 27. Juni aktiv gewesen – ein Hinweis darauf, dass sie sich unbemerkt zumindest im mittleren und südlichen Brandenburg wahrscheinlich schon weithin ausgebreitet hat.


Bienennester in Beton und Mörtel

Die Stumpfe Zweizahnbiene baut keine eigenen Nester, sondern legt ihre Eier an den Nistplätzen so genannter Wirtsbienen ab, in diesem Fall der Matten und der Gewöhnlichen Natternkopfbiene (Hoplitis anthocopoides und Hoplitis adunca). Diese Wildbienenarten nisten vorzugsweise in selbst gemörtelten und bereits vorhandenen Hohlräumen, oft an Steinen oder in Mauerwerk. So fanden Saure und Petrischak in Rangsdorf Nester der Matten Natternkopfbiene in Aushöhlungen von Betonpfählen. In Ketzin nistet die Gewöhnliche Natternkopfbiene in Löchern im weichen Mörtel der alten Scheune. Pollen und Nektar sammeln Natternkopfbienen an den leuchtend blauen Blüten des Gewöhnlichen Natternkopfes (Echium vulgare). Als Futterparasit sammelt die Stumpfe Zweizahnbiene keinen Pollen für ihren Nachwuchs, trinkt aber Nektar zur Eigenversorgung an verschiedenen Blüten.

Link zur Publikation: https://www.wildbienen.info/eucera/2020_15.php