In Gedenken an Inge Sielmann

Ökosysteme sind nicht beliebig belastbar

Die Diskussion um Nachhaltikgkeitsthemen ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Bedrohung unserer Umwelt durch unser eigenes Handeln wird immer präsenter. Die Zivilgesellschaft fordert eine wirksame Agrarwende. Die Politik muss reagieren.

Das Netz des Lebens trägt uns

Die biologische Vielfalt ist Lebensgrundlage auch für uns Menschen. Lebensräume, Arten und ihre genetisch verankerten Eigenschaften bilden ein „Netzwerk des Lebens“ und sorgen für die Stabilität der Ökosysteme. Wir  Menschen profitieren durch eine Vielzahl von „Ökosystemleistungen“, die die Natur für uns bereitstellt und die wir aktiv nutzen: Moore speichern Wasser sowie Kohlendioxid und spielen daher im vorbeugenden Hochwasserschutz sowie im Klimaschutz eine bedeutende Rolle. Wälder gleichen Temperaturextreme aus und liefern den wichtigen Baustoff Holz. Auen mildern Hochwasserereignisse und fruchtbare Böden sind die Grundlage für die Produktion von Lebensmitteln und anderen Nutzpflanzen. Die Artenvielfalt hält Lebensräume stabil und wichtige Funktionen aufrecht. Insekten sind beispielsweise wichtige Bestäuber von Wild- und Nutzpflanzen und eine zentrale Nahrungsgrundlage etwa für Vögel und Fledermäuse. Zugleich ist die Natur ein wichtiger Ort für Bildung, Forschung, Gesundheit, Sport, Freizeit und Erholung.

Fünf vor zwölf

Der Verlust der biologischen Vielfalt ist weltweit zu beobachten. In Deutschland hat dieser Prozess in den letzten Jahrzehnten dramatisch an Geschwindigkeit gewonnen. Es wird zunehmend offensichtlich, dass unsere Ökosysteme nicht beliebig belastbar sind. Die planetaren Grenzen sind an vielen Stellen deutlich überschritten, die Lebensgrundlagen künftiger Generationen sind dadurch gefährdet. Fatal ist dies insbesondere im Zusammenspiel mit weiteren Prozessen wie dem Klimawandel, der Veränderung der Nährstoffkreisläufe, der Landnutzung und der Ozeanversauerung. Es ist nicht nur eine Floskel, wenn wir feststellen: Es ist fünf vor Zwölf!

Verantwortung übernehmen

Unsere Gesellschaft braucht und will jetzt eine reale und schnelle Agrarwende. Die Politik muss zügig reagieren. Von Seiten der Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften liegen längst Alternativen zum quantitativen Wachstum auf dem Tisch. Diese dürfen von der Politik nicht weiter ignoriert werden. Daher sind das zivilgesellschaftliche Engagement und der Druck, den Nichtregierungsorganisationen ausüben können, umso wichtiger. Die Heinz Sielmann Stiftung nimmt sich dieser Verantwortung an. Sie hat sich dem Schutz der Natur verpflichtet und tut dies, um auch künftigen Generationen das Erleben einer intakten Umwelt zu ermöglichen und Leistungen, die die Menschheit kostenlos nutzen kann, nachhaltig zu sichern, aber auch um der Natur selbst willen.

Konkret handeln

„Wir setzen seit 25 Jahren erfolgreich Naturschutzprojekte gemeinsam mit Landnutzern um und sind überzeugt, eine andere Landwirtschaft ist möglich. Es wird zunehmend offensichtlich, dass unsere Ökosysteme nicht beliebig belastbar sind“, so Michael Beier, Vorstandsvorsitzender der Heinz Sielmann Stiftung. Anlässlich der Grünen Woche in Berlin appelliert die Stiftung an die Politik, die Agrarwende zu mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft zügig voranzutreiben. Mit öffentliche Geldern sollten zukünftig ausschließlich eine umwelt- und klimaschonende Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung gefördert werden. Kleine und mittlere Betriebe, die gesunde und hochwertige Lebensmittel erzeugen, müssen gestärket werden.