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Piepmatz-Parade bei Adler und Waldrapp: die Küken sind los

16.06.2008, Storkow/Burghausen. Heinz Sielmann Stiftung präsentiert Vogel-Kinderstuben – Webcams übertragen ins Internet

„Gebt den Küken das Kommando“ – dieses Motto beschreibt am besten das aktuelle Bildgeschehen auf zwei Vogel-Webcams. Die Fischadler-Cam der Heinz Sielmann Stiftung zeigt auf ihrer Webseite ein stolzes Adlerpaar im brandenburgischen Storkow mit frisch geschlüpftem Nachwuchs: zwei flaumige Adlerküken strecken ihren Eltern schon munter die Schnäbel für Fischhäppchen entgegen. Und ein Lied über anstrengende Elternpflichten kann auch ein Projekt-Partner der Heinz Sielmann Stiftung singen: Das in Österreich und Bayern aktive Waldrappteam.at zieht insgesamt 14 Küken des seltenen Waldrapp- Vogels per Hand auf und zeigt dies online. Die in Deutschland ausgestorbenen Waldrappe sollen im Rahmen eines einzigartigen Projektes nach rund 350 Jahren wieder angesiedelt werden.

Zu sehen:
• Fischadler-Webcam
• Waldrapp-Webcam

Nicht lange, dann werden sich die Küken als Jungvögel in die Lüfte schwingen. Aber noch können Vogelfreunde im Internet ein spannendes Nebeneinander von Familienleben im Fischadlerhorst und Aufzuchtsraum, von "Kinderstube unterm Himmel" und "Kinderstube im Labor" erleben.

Die brandenburgischen Seen bei Storkow und Groß Schauen sind ein kleines Paradies der Fischadler. Insgesamt fünf Fischadlerpärchen leben hier in diesem Jahr. Und ein Paar, das auf einem Strommasten von E.ON edis nistet, wird jedes Jahr von der Heinz Sielmann Stiftung exklusiv ins Internet gesendet – über eine Webcam direkt am Horst der Adler. "Der Bruterfolg in diesem Jahr ist eine ganz besondere Freude für uns", sagt Ralf Donat, Projektleiter der Sielmanns Naturlandschaft Groß Schauener Seen. "Im letzten Jahr gelang es Nebelkrähen, die Eier aus dem Gelege zu plündern. Das diesjährige Adlerpaar scheint aus solchen Erfahrungen gelernt zu haben und hat erfolgreich gebrütet". Und der Beschützerinstinkt der Altvögel für ihre kleinen Küken ist geweckt: "Die Eltern würden Störenfriede, wie etwa Krähen, in Horstnähe aggressiv attackieren", weiß Ralf Donat. Etwa im August werden die Jungadler dann flügge – bis dahin wird noch so mancher erbeutete Fisch von den Altvögeln auf den Horst geschleppt werden müssen.

Waldrappteam bringt alten Wappenvogel zurück

Etwas beschaulicher ist die Lage bei den kleinen Waldrappen, die sich ab dieser Woche bei Burghausen in Bayern an ihre menschlichen Bezugspersonen gewöhnen, die Ihnen den Weg in die Freiheit zeigen werden. Im Rahmen des Artenschutz- und Forschungsprojektes Waldappteam.at wird 2008, im sechsten Jahr in Folge, eine Gruppe von Jungvögeln dieser hoch bedrohten Ibis-Art von menschlichen Zieheltern aufgezogen. Bei Burghausen beginnt in einigen Wochen mithilfe eines Leichtfluggerätes das Flugtraining für die Jungvögel. Mitte August wird dann die menschengeleitete Migration, bei der die Vögel ihrer Bezugsperson im Fluggerät folgen, von Burghausen über rund 1400 km in ein Schutzgebiet in der südlichen Toskana beginnen. "Von dort werden die Jungvögel nach rund drei Jahren mit Erreichen der Geschlechtsreife wieder den Rückweg in das Aufzuchtsgebiet antreten und sich Brutplätze suchen", erklärt Holger Belz von der Heinz Sielmann Stiftung das Ziel des Projektes.

Ursprünglich war der Waldrapp im Süddeutschen Raum beheimatet, bevor er im Dreißigjährigen Krieg ausgerottet wurde. Nur auf einem alten Stadtwappen und Altarbildern, war die frühere Existenz des Ibis-Vogels überhaupt noch nachweisbar. Die 14 Jungvögel sind Nachzuchten verschiedener Zookolonien des Schönbrunner Tiergartens, des Zoo Zürich, des Zoo Prag, der Konrad-Lorenz Forschungsstelle Grünau, dem Cumberland Wildpark Grünau und der Waldrapp Initiative Waidhofen a.d.Thaya.