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Rettungsaktion für Przewalski-Pferde in der Mongolei Erstmals werden zur Aufstockung der Population auch zwei Wildpferde-Stuten aus der Döberitzer Heide in der Wüste Gobi ausgewildert

Elstal. Zum ersten Mal seit der Ansiedlung der vom Aussterben bedrohten Wildpferde im Semireservat der Döberitzer Heide sind nun zwei Przewalskipferde von dort auf dem Weg zurück in die Wildnis. Die beiden Stuten Xara und Greta sollen helfen, den bedrohten Bestand im Gobi-B-Nationalpark im Südwesten der Mongolei wieder aufzubauen. Nach dem härtesten Winter der letzten 50 Jahre waren dort 2010 rund 90 Tiere verhungert und erfroren. Die Rettungsaktion findet im Rahmen des Europäischen Erhaltungs-zuchtprogramms statt, an das auch die Heinz Sielmann Stiftung angeschlossen ist.

„Gerade sind im Schaugehege der Sielmanns Naturlandschaft die ersten beiden Fohlen dieses Jahres geboren, da trennen wir uns auch schon wieder von zwei Stuten“, erläutert Peter Nitschke, Geschäftsführer der Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide. „Aber wir freuen uns natürlich, dass wir mit Xara und Greta geeignete Tiere für den Aufbau einer neuen Population in der Mongolei beisteuern können. Letztendlich müssen die Bemühungen der Zoos zur Erhaltung dieser bedrohten Tierart darin münden, diese auch wieder in die freie Wildbahn zu entlassen.“

Als Halterin von Przewalski-Pferden hat sich die Heinz Sielmann Stiftung zum Schutz dieser Tiere dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEPP) angeschlossen. Nachdem deutlich wurde, wie viele Pferde im Winter 2009/2010 in der Gobi umgekommen waren, machte man sich im Rahmen des EEPP auf die Suche nach geeigneten Tieren und wurde unter anderem auch in der Döberitzer Heide fündig.

„Für den langen Prozess einer Auswilderung kommen nur junge, gesunde und nicht trächtige Stuten wie Greta und Xara in Frage“, erklärt die ehemalige EEP-Koordinatorin und Internationale Zuchtbuchführerin Dr. Waltraut Zimmermann. „Insgesamt wurden vier Stuten ausgewählt, untersucht und jetzt zur Vorbereitung auf die lange Reise zu einer Sammelstelle nahe Prag transportiert. Von dort aus geht es dann weiter in die Mongolei.“

Voraussichtlich im Juli werden die Tiere dann in speziellen Transportboxen mit der tschechischen Luftwaffe in die neue Heimat geflogen. Am Rande des Gobi-B-Nationalparks werden sie dann in einem Auswilderungsgehege an die Bedingungen ihrer neuen Umgebung gewöhnt.

Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP)
Die Europäischen Erhaltungszuchtprogramme (EEP) dienen unter anderem der Erhaltung vom Aussterben bedrohter Arten wie dem Przewalski-Pferd. Das asiatische Wildpferd ist das einzige heute noch frei lebende Pferd, das in seiner Wildform überlebt hat. Namensgeber ist der russische Forschungsreisende Nikolai Michailowitsch Przewalski, der 1878 Felle und Schädel zur Bestimmung mit nach St. Petersburg brachte und somit die Wildpferdeart im Westen bekannt machte.

Das letzte wild lebende Przewalski-Pferd wurde im Jahr 1968 gesichtet. Ab diesem Zeitpunkt galt das asiatische Wildpferd, welches früher weite Teile des eurasischen Raumes besiedelte, als in freier Wildbahn ausgestorben. Die heute lebenden Przewalski-Pferde gehen auf nur 14 Gründertiere zurück. Engagierten Zoos ist es zu verdanken, dass der Bestand auf rund 2.000 Pferde anstieg. Sie bilden den Grundstock für die Wiederansiedlung in der freien Natur. Wiederansiedlung in freier Wildbahn.

Die Heinz Sielmann Stiftung setzt sich für den Schutz der vom Aussterben bedrohten Przewalski-Pferde ein und fördert unter anderem auch die Auswilderung der Tiere in der Mongolei.1992 startete nahe Tachin tal im Gobi-B-Nationalpark im Südwesten der Mongolei die Wiederansiedlung von asiatischen Wildpferden.

Ab 2001 entwickelten sich die Bestände gut und Ende Dezember 2009 lebten bereits 137 Pferde in freier Natur. Der extrem kalte und lang andauernde Winter 2009/2010 brachte das erfolgreiche Wiederansiedlungsprojekt fast zum Erliegen: 89 Pferde starben den Hunger- und Kältetod. Fast der gesamte Haustierbestand der Bevölkerung in der Region fiel den niedrigen Temperaturen und den über Tage andauernden Schneestürmen zum Opfer.

In der Mongolei werden in drei Regionen Przewalski-Pferde angesiedelt, in denen insgesamt 300 Wildpferde leben: im Gobi-B-Nationalpark im Südwesten der Mongolei, im Nationalpark Hustai Nuuru circa 80 Kilometer westlich von Ulan bator sowie in Khomiin tal, der Pufferzone des Khar-Us-Nuur Nationalparks. Die drei Regionen liegen weit voneinander entfernt. Ein Austausch zwischen den Teilpopulationen kann nicht stattfinden, so dass das Aussterberisiko für jede der Populationen groß ist.

Die Auswilderung ist dringend erforderlich, denn langfristig in Zoos gehalten, drohen wichtige Eigenschaften der Art verlorenzugehen. Nur unter den Bedingungen in der freien Natur bleibt der Wildtiercharakter langfristig erhalten. In mehreren Initiativen bemüht man sich deshalb, die Tiere wieder heimisch zu machen.

Döberitzer Heide – Wildnis & Artenvielfalt erleben
Die rund 5.000 Fußballfelder große Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide bietet das Abenteuer Wildnis vor den Toren Berlins. Wer gleichzeitig Ruhe und Vielfalt sucht, ist auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz genau richtig. Das Wanderwegenetz umfasst rund 60 Kilometer und führt entlang an Heideflächen, Feuchtwiesen, Mooren, alten Hute- und Laubmischwäldern. Von Aussichtsplattformen und dem neuen 13 Meter hohen Aussichtsturm aus erhalten Besucher fas¬zi¬nierende Einblicke in die Wildniskernzone, ohne das sensible Ökosystem zu stören. Zusammen mit Wisenten und Rotwild sorgen zur Zeit insgesamt 26 Przewalski-Pferde als „natürliche Rasenmäher“ dafür, die ökologisch wertvollen offenen und halboffenen Landschaften der Döberitzer Heide zu erhalten. Zu sehen sind die tierischen Landschaftspfleger außer in der Wildniskernzone auch im Schaugehege. Neben dem Informationszentrum und dem Streichelzoo für die jüngsten Besucher bietet die Heinz Sielmann Stiftung Besuchern regelmäßig interessante Veranstaltungen und Führungen. Im letzten Jahr lockte allein das Schaugehege rund 30.000 Besucher an.