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Tag der deutschen Einheit ein Feiertag für den Naturschutz

Heinz Sielmann Stiftung ging nach der Wiedervereinigung in Vorleistung bei der Sicherung des Nationalen Naturerbes.

02.10.2008, Duderstadt. Die historische Chance, nach dem Fall der innerdeutschen Grenze Schutzgebiete in Deutschland in großer Zahl und Ausdehnung zu schaffen, wurde genutzt. Am Anfang einer eindrucksvollen Entwicklung stand die Ausweisung von Nationalparken und Biosphärenreservaten in Ostdeutschland, die durch Initiative ostdeutscher Naturschützer auf der letzten Sitzung der DDR-Volkskammer am 12.9.1990 beschlossen werden konnte und im Einigungsvertrag Bestandsschutz erhielt.

"Der Tag der Deutschen Einheit ist auch ein Feiertag für den Naturschutz in Deutschland", erklärt Michael Spielmann, Vorstand der Heinz Sielmann Stiftung. Insbesondere die Sicherung des Nationalen Naturerbes ist in diesem Zusammenhang zu sehen. Vorstandskollege Walter Stelte führt dazu aus: "Die Heinz Sielmann Stiftung ist in den letzten Jahren mit dem Erwerb von Bergbaufolgeflächen und ehemaligen Militärflächen in Brandenburg sowie Projektgebieten an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, dem ‚Grünen Band’, entscheidend in Vorleistung getreten."

Derzeit plant die Heinz Sielmann Stiftung als Projektträger die Umsetzung des "Grünen Bandes Eichsfeld-Werratal", das sich entlang eines rund 130 Kilometer langen Abschnitts des ehemaligen Grenzstreifens vom südwestlichen Harzvorland bis tief in das Werrabergland hinein erstrecken soll. Es wird das erste Naturschutzgroßprojekt des Bundes, an dem sich mit Thüringen, Niedersachsen und Hessen drei Bundesländer beteiligen. Als wichtiges Biotopverbund-System in der Mitte Deutschlands dient es der Bewahrung einer gewachsenen, historisch bedeutsamen Kulturlandschaft mit einzigartiger Fauna und Flora. Ein Projekt ganz im Sinne Prof. Heinz Sielmanns. Schon 1989, kurz vor dem Fall der Grenze, äußerte er in seinem Film "Tiere im Schatten der Grenze" die Vision eines "Nationalparks von der Ostsee bis zum Thüringer Wald".

Insbesondere die Umwandlung von früheren Truppenübungsplätzen in geschützte Refugien für bedrohte Arten ist als echte Friedensdividende nach dem Ende des Kalten Krieges zu bewerten. So erwarb die Heinz Sielmann Stiftung 2004 den ehemaligen Truppenübungsplatz Döberitz bei Berlin – die heutige 3.500 Hektar große "Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide". Sie war seit der Kaiserzeit bis zum Abzug der Westgruppe der Sowjetischen Streitkräfte intensiv als Truppenübungsplatz genutzt worden. Über Jahrzehnte waren wertvolle Offenlandschaften wie Heiden, Sandflächen und Trockenrasen entstanden, die Lebensraum für viele, zum Teil sehr seltene Tier- und Pflanzenarten bieten. Ziel der Heinz Sielmann Stiftung ist hier die Schaffung eines wildnisähnlichen Naturschutz- und Naherholungsgebiets. Pflanzenfressende Großsäuger wie Przewalski-Pferde (Urwildpferd) und Wisente (letzte europäische Wildrinder) werden bereits nach und nach in ein geschütztes Wildnisgebiet der Heide umgesetzt und sollen zukünftig mit ihrem Äsungsverhalten die offenen und halboffenen Gebiete der Döberitzer Heide auf natürliche Weise erhalten.

Bereits ab dem Jahre 2000 erwarb die Heinz Sielmann Stiftung ein inzwischen rund 3.000 Hektar großes Gebiet im ehemaligen Braunkohletagebau in der Niederlausitz – die "Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen". Die wüstenähnliche Landschaft und ihre sich mit Wasser füllenden Bergbau-Restlöcher wurden nach ihrer bergrechtlichen Sicherung der natürlichen Dynamik überlassen. Ihre Sanddünen, Seen, Trockenrasen, Hecken und Wälder bieten vielen Spezialisten unter den Tieren und Pflanzen wertvolle Lebensräume. Eine Landschaft mit nacheiszeitlichen Charakter besiedelt sich quasi im Zeitraffer. Ihre Flachwasserbereiche dienen jährlich vielen Tausenden Kranichen und nordischen Gänsen während des herbstlichen Vogelzuges als Rastplatz.