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Weltzugvogelschutztage 8. und 9. Mai 2010 Start der Kampagne "Stopp der illegalen Vogeljagd"

Duderstadt. Zum Weltzugvogeltag am 8. und 9. Mai startet die Kampagne "Stopp der illegalen Vogeljagd". Sie soll die Problematik der illegalen Jagd auf Zugvögel aufzeigen und dem Waldrapp (Geronticus eremita), eine der bedrohtesten Zugvogelarten weltweit, ein Überleben sichern.

Die Kampagne wird vom Waldrappteam und der Heinz Sielmann Stiftung in Zusammenarbeit mit Europäischen Zooinstitutionen durchgeführt. Ziel ist es, Schutzmaßnahmen für den Waldrapp entlang der Zugroute im Nahen Osten und in Italien zu finanzieren und die Bevölkerung in diesen Regionen für die Situation des Waldrapps zu sensibilisieren. "Noch liegt es in unserer Hand, dem Waldrapp bei seiner Rückkehr aus der Arche Noah eine Chance zu geben", so Walter Stelte, Vorstand der Heinz Sielmann Stiftung.

Illegale Abschüsse entlang der Migrationsroute der Waldrappe im Nahen Osten haben den Bestand auf nur mehr 3 (!) Vögel reduziert, die sich derzeit im Brutgebiet in Syrien aufhalten. Innerhalb eines Artenschutz- und Forschungsprojektes fliegen seit 2004 wieder freie Waldrappe in Europa (www.waldrapp.eu). Auch deren Bestand ist durch illegale Abschüsse in Italien bedroht.

An der Kampagne beteiligen sich sechs Zooinstitutionen aus Deutschland und Österreich: Münchner Tiergarten Hellabrunn, Schönbrunner Tiergarten, Zoo Hellbrunn Salzburg, Alpenzoo Innsbruck, Tierpark Rosegg/Kärnten, Cumberland Wildpark Grünau/Oberösterreich. In diesen Tiergärten werden am 8. und 9. Mai Informationsstände zur Kampagne aufgestellt sein. Es werden unter anderem Waldrapp-Pins zu € 5,- verkauft; Zielbudget sind € 9.000 zugunsten der unten genannten Maßnahmen; Laufzeit der Aktion ist der 8. Mai bis 31. Oktober 2010.

Heinz Sielmann Stiftung fördert Schutz der Zugvögel seit 1996
Seit nunmehr 14 Jahren unterstützt die Heinz Sielmann Stiftung die Forschungsarbeiten zum Schutz der Zugvögel der Biologischen Station Rybatschi in Russland, der ältesten Vogelwarte der Welt. Mit Hilfe der Forschungsergebnisse werden Erkenntnisse gewonnen, die eine unverzichtbare Grundlage für einen effektiven Vogelschutz bilden.

Im italienischen Kalabrien machte sich die Heinz Sielmann Stiftung gemeinsam mit dem Naturschutzbund Deutschland erfolgreich für die Eindämmung der Wilderei stark. Durch die regelmäßige Präsenz der Artenschützer konnte die illegale Vogeljagd in der Region deutlich reduziert werden.

Illegale Vogeljagd
Die Jagd auf Vögel wird in vielen Ländern als populärer Volkssport ausgeübt. Infolge der Dezimierung der traditionell bejagten heimischen Vogelarten steigt der Jagddruck auf Zugvögel massiv an. BirdLife International schätzt, dass pro Jahr 500 Millionen Zugvögel abgeschossen oder gefangen werden. Ein großer Teil der bejagten Arten sind von der IUCN (International Union for Conservation of Nature) auf der Rote Liste der gefährdeter Arten gelistet. Vielerorts fehlen nationale Jagdverbote zum Schutz der bedrohten Zugvogelarten. Zudem erfolgt ein wesentlicher Teil der Abschüsse illegal, ungeachtet der gesetzlichen Regelungen.

Die Kampagne setzt sich für den Schutz der Waldrappe ein, einer Zugvogelart mit ergreifendem Schicksal: Einst weit verbreitet, erloschen die europäischen Brutbestände bereits im Mittelalter, hauptsächlich infolge der Bejagung durch den Menschen. Inzwischen ist diese Ibisart weltweit akut vom Aussterben bedroht.

Die Situation der Waldrappe im Nahen Osten
Im Nahen Osten ist der Waldrapp die mit Abstand bedrohteste Zugvogelart. Die einstmals großen Brutbestände sind im vergangenen Jahrhundert verschwunden. Der Waldrapp galt als ausgestorben. Unerwartet entdeckte der italienische Ornithologe Gianluca Serra im Jahr 2002 sieben Vögel, die in Syrien brüten und entlang der traditionellen Zugroute zum Überwintern nach Äthiopien fliegen. Trotz intensiver Schutzbemühungen verringerte sich der Bestand. Im Jahr 2010 kehrten nur noch drei Tiere ins Brutgebiet nach Syrien zurück. Die Daten der mit Satellitensendern ausgestatteten Waldrappe weisen die illegale Jagd entlang der Zugroute als primäre Todesursache aus. Vor allem die unerfahrenen Jungvögel werden an den Zwischenstopps geschossen.

Die Situation der Waldrappe in Europa
In Europa wurden die Waldrappe bereits Anfang des 17. Jahrhundert ausgerottet. Seit 2004 ziehen Mitarbeiter des Waldrappteams Nachkommen von Zoovögeln auf und gewöhnen sie daran, einem Ultraleichtfluggerät zu folgen. So wird den Jungvögeln der Weg in ein geeignetes Wintergebiet in der Toskana gezeigt, um ihnen ein freies und unabhängiges Leben zu ermöglichen. Die freilebenden Vögel kommen mit den natürlichen Anforderungen und Gefahren gut zurecht. Lediglich die Jagd stellt eine bedeutende Bedrohung dar: Mehr als 60 % der Todesfälle in den vergangenen Jahren waren durch Abschüsse in Italien verursacht. Bis zum Herbst 2009 war der Bestand dadurch nicht bedroht. Seit Oktober 2009 ist aber eine Gruppe von 15 Waldrappen mit zum Teil sehr erfahrenen Altvögeln in Norditalien verschwunden. Durch diese Verluste sind die Projektziele erstmals gefährdet und die Möglichkeit der Wiederansiedlung des Waldrapp in Europa in Frage gestellt. Dazu Johannes Fritz, Projektleiter Waldrappteam: “Die Jagd auf Waldrappe in Italien und im Nahen Osten zeigt, daß selbst eine leicht erkennbare, hoch bedrohte Vogelart in beträchtlichem Umfang der illegalen Jagd zum Opfer fällt. Die Zunahme der Verluste in den letzten Monaten drängen uns, konkrete Maßnahmen zum Schutz unserer Vögel zu ergreifen.“

Die Maßnahmen im Rahmen der Kampagne „Stopp der illegalen Vogeljagd“
Italien:
Der Großteil der Waldrappe wird mit ‚GPS Tracker‘ ausgestattet. Diese auf dem Rücken der Vögel fixierten Geräte senden über das Mobiltelefonnetz einmal täglich ihre Position. So können die Positionen der Vögel täglich überwacht und den Tieren wenn erforderlich gefolgt werden. Durch Veröffentlichungen, Poster und Vorträge sollen insbesondere Jäger, aber auch Kinder und Jugendliche über die Situation der Waldrappe informiert werden, um so eine nachhaltige Sensibilisierung zu erreichen. Projektkoordination Italien: Johannes Fritz, Waldrappteam

Naher Osten:
Zwei der drei noch lebenden Vögel tragen Satellitensender. Ein Team unter der Leitung des erfahrenen Ornithologen Gianluca Serra wird den Vögeln ab Juli 2010 auf ihrem Flug von Syrien bis Äthiopien folgen. Anhand der Positionsmeldungen sollen die Waldrappe an den Zwischenstopps aufgefunden und bewacht werden. Zudem wird das Team die Bevölkerung entlang der Reiseroute über die Vögel und deren Bedrohung informieren.
Projektkoordination Naher Osten: Gianluca Serra Projektpartner: International Advisory Group of the Northern Bald Ibis; Royal Society for the Protection of Birds; Bird Life Middle East

Weltzugvogeltag 2010
Der Weltzugvogeltag ist eine globale, jährlich stattfindende Aufklärungskampagne mit dem Ziel, Zugvögel und ihre Lebensräume weltweit zu schützen. Er wird von dem Abkommen zur Erhaltung der afrikanisch-eurasischen wandernden Wasservögel (UNEP/AEWA) und dem Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden wild lebenden Tierarten (UNEP/CMS) organisiert – zwei internationale Abkommen, die ihren Sitz in Bonn haben und vom Umweltschutzprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) verwaltet werden. Das Thema des diesjährigen Weltzugvogeltages - “Gefährdete Zugvögel – jede Art zählt!” – steht in direktem Zusammenhang mit dem Internationalen Jahr der Biodiversität 2010 (IYB) der Vereinten Nationen und konzentriert sich auf die bedrohtesten Zugvogelarten.

Weltweit existieren rund 1500 Zugvogelarten, von denen bereits mehr als 170 auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen. 50 Zugvogelarten haben wir schon jetzt für immer verloren, da sie - meist infolge menschlicher Einflüsse - während der letzten Jahrhunderte ausgestorben sind.

Weitere Informationen unter:
www.worldmigratorybirdday.org
www.waldrapp.eu
www.iagnbi.org

Kontakte & Information
Dr. Johannes Fritz
Gesamtleitung Waldrappteam
jfritz@waldrapp.eu
Tel.: 0043 676 5503244

Markus Unsöld
Waldrappteam & Zoologische Staatssammlung München
markus.unsoeld@gmx.de
Tel.: 0049 152 28578374

Holger Belz
Heinz Sielmann Stiftung
h.belz@sielmann-stiftung.de
Tel.: 0049 5527 914 119