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Wildpferd aus Döberitzer Heide in großer Mission - Przewalski-Hengst soll in China für Nachwuchs sorgen

Elstal 21.12.2016 – Heute nachmittag hat der anderthalbjährige Hengst „Heirat“ aus der Herde der Przewalski-Pferde in Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide seine Reise nach China angetreten. Er ergänzt ab dem kommenden Jahr die Junghengstgruppe im Wild Horse Breeding Centre (WHBC) im nordchinesischen Jimsar. Der 2015 im Schaugehege der Heinz Sielmann Stiftung geborene Hengst ist vom Europäischen Zuchterhaltungsprogramm (EEP) ausgewählt worden, zur Blutauffrischung in der Pferdeherde am Rande des Kalameili-Naturreservats beizutragen.

„Heirat ist ein prächtiges Exemplar seiner Art und bringt die genetisch dringend notwendige Auffrischung in die Herde des WHBC in Jimsar“, erklärt Peter Nitschke, Projektleiter von Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide. Die Mutter des ausgewählten Hengstes ist die in der Döberitzer Heide geborene Przewalski-Stute Heidi, Vater ist der Hengst Xarim, der seit 2014 im Schaugehege für Nachwuchs sorgte. Dr. Lydia Kolter, Direktorin des Kölner Zoos und Betreuerin des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms, hatte den Hengst aufgrund seiner genetischen Voraussetzungen für das Wiederansiedlungsprojekt empfohlen. Der Hengst hat zu den Tieren im Norden Chinas eine vergleichsweise große genetische Distanz, obwohl alle Przewalski-Pferde von demselben Grundstock von gerade einmal 12 Tieren abstammen.

Reise über Prag
Zunächst reist „Heirat“ in eine Außenstelle des Prager Zoos, wo er in einem Sammelgehege mit weiteren Przewalski-Pferden auf den Transport nach China vorbereitet wird. Mit dem anderthalbjährigen Hengst „Heirat” wurde nun zum fünften Mal ein Przewalski-Pferd aus Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide ausgewählt.
„Wir freuen uns sehr darüber, denn es zeigt, wie sehr unser Beitrag zum Schutz der letzten Wildpferdeart inzwischen Früchte trägt“, so Projektleiter Peter Nitschke. Ab Frühsommer 2017 soll der robuste Hengst mit gesunden Nachkommen zum Überleben der letzten Przewalski-Pferde beitragen.

Rückkehr der Wildpferde
Der Prager Zoo ist spezialisiert auf die Wiederansiedlung von Przewalski-Pferden in ihren ursprünglichen Lebensräumen Asiens. Das Projekt heißt „Return of the Wild Horses“ und wird vom Prager Zoodirektor Miroslav Bobek geleitet. Fachleute des Projekts kümmern sich um die Gesundheit der Tiere während ihrer verschiedenen Aufenthalte in den Eingewöhnungsstationen und während des gesamten Transports per LKW und Flugzeug.

Hintergrund
Die Przewalski-Pferde waren Ende der 1960er Jahre in der freien Natur ausgerottet. Aus Zoobeständen konnten in den 90er Jahren wieder einige kleine Herden aufgebaut und in mehreren Teilen Asiens und Europas angesiedelt werden. Das Przewalski-Pferd, auch Takhi, Asiatisches oder Mongolisches Wildpferd genannt, ist die einzige Unterart des Wildpferds, die in ihrer Wildform bis heute überlebt hat. Benannt ist es nach dem russischen Forscher Nikolai Michailowitsch Przewalski, der 1878 von einer seiner Expeditionen nach Zentralasien Haut und Schädel der in der westlichen Welt weitgehend unbekannten Wildpferdeart nach St. Petersburg mitbrachte.

Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide
Wisent und Przewalski-Pferd gestalten und erhalten mit ihrer Lebensweise die offenen Landschaftsstrukturen der Döberitzer Heide, die zu den europaweit wertvollsten Lebensräumen für seltene Tier- und Pflanzenarten gehört. Deshalb wurde sie auch vom Land Brandenburg der EU als FFH-Gebietgemeldet. Durch ihr Fressverhalten, ihre Wanderwege, Liegeflächen und die Leidenschaft für ausgiebige Sandbäder tragen die Pflanzenfresser dazu bei, die Flächen offen zu halten. Offene Flächen sind ökologisch erwünscht, denn sie bieten Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten, die anderswo verdrängt wurden. In der Döberitzer Heide kommen rund 5.500 verschiedene Tier- und Pflanzenarten vor, darunter Seeadler, Wiedehopf und Fischotter sowie Sumpfknabenkraut, Lungenenzian und Sonnentau.

Foto:  Przewalski-Hengst "Heirat", Döberitzer Heide, Foto: Tanja Marotzke