Wisente und Przewalski-Pferde wechseln in die Wildnis

Am Morgen des 2. Juli öffnete die Heinz Sielmann Stiftung die Tore der Eingewöhnungszone zur Wildniszone der Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide. Drei Przewalskipferde und zehn Wisente wechselten in die große Freiheit. Damit ist die Besetzung des knapp 2.000 Hektar großen Semireservates vor den Toren der Hauptstadt mit den seltenen großen Pflanzenfressern vorerst abgeschlossen.

Die massigen Wisente lassen sich mit etwas Futter davon überzeugen, die neue Freiheit in der Wildniszone zu erkunden. Foto: Tanja Marotzke

Neugierig, aber vorsichtig, begutachtet einer der Wisenbullen das Gras auf der anderen Seite des Zauns. Foto: Tanja Marotzke

„Die im Charakter friedlichen und eher scheuen Gesellen werden zukünftig von dem leben, was die Natur ihnen bietet. Sie können auf der großen Fläche der Döberitzer Heide, anders als in Zoos oder Wildparks, ihr natürliches Wildtierverhalten voll entfalten. Die Landschaft der Döberitzer Heide, wo Laubwald und Offenflächen sich abwechseln, passt ideal zu den Wisenten und auch zu den Przewalskipferden“, betont Peter Nitschke, Leiter der Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide. Mitarbeiter der Heinz Sielmann Stiftung öffneten die Tore der 50 Hektar großen Eingewöhnungszone, die ab sofort integraler Bestandteil der Wildniszone ist, und lockten die Tiere mit etwas Futter in das fast 40 mal so große, direkt angrenzende Wildnisgebiet. Dort leben insgesamt mit ihnen dann etwa 80 Exemplare der urwüchsigen zottigen Wildrinder, außerdem 24 Przewalskipferde und 90 Stück Rotwild weitgehend ungestört vom Menschen. Die Tore der Eingewöhnungszone zur angrenzenden Wildniszone bleiben bis auf weiteres offen, es werden vorläufig keine weiteren Tiere mehr eingesetzt und die Tiere werden grundsätzlich nicht mehr gefüttert. Sie finden in der weitläufigen und abwechslungsreichen Landschaft genügend Futter, um sich selbst zu versorgen. 

Wisente als ökologische Landschaftsgestalter

Das Fressverhalten der großen Pflanzenfresser, ihre Liegeflächen und Wanderwege sowie die Leidenschaft für ausgiebige Sandbäder haben einen enorm positiven Effekt auf die Vielfalt der Landschaft und die Förderung der Artenvielfalt. Die gefährdeten Großsäuger tragen mit ihrem natürlichen Verhalten dazu bei, den Pflanzenbewuchs zu begrenzen und die halboffenen Lebensräume langfristig zu erhalten. Diese geben heute mehr als 5.500 Tier- und Pflanzenarten eine Heimat, darunter Seeadler, Wiedehopf und Fischotter sowie Sumpfknabenkraut, Lungenenzian und Sonnentau.

Bundesweit bedeutsames Wildnisgroßprojekt

Die Besiedlung der Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide mit Wisenten, Przewalskipferden und Rotwild ist eines der bedeutendsten Wildnisgroßprojekte bundesweit. Der ehemalige Truppenübungsplatz vor den Toren Berlins ist in den letzten Jahren zum Standort mit der größten Anzahl von Wisenten in Deutschland avanciert. Von 2010 bis 2014 wurden mehr als 40 Wisente, 27 Przewalskipferde und 20 Rothirsche in die knapp 20 Quadratkilometer große Wildniszone eingebracht. Die Zahl der Wisente und der Rothirsche sind jeweils auf eine Gesamtzahl von 80-90 Tieren gewachsen. Die Herde der Przewalskipferde hat aus Gründen der Zuchtauflagen keinen Hengst und wächst deshalb nicht. Die beim Beginn des Wildnisgroßprojekts gehegten Erwartungen auf die landschaftspflegende Wirkung wurden sogar noch positiv übertroffen. Insbesondere die Wisente halten die Gehölze, darunter bevorzugt invasive Arten wie Robinie und Spätblühende Traubenkirsche, kurz. Gemeinsam mit den Przewalskipferden und dem Rotwild gestalten sie eine lichte Waldlandschaft.

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