Wo aus Wüsten Moore werden - wunderbare Naturverwandlung in den Braunkohle-Tagebaugebieten Mitteldeutschlands

02.04.2009, Wanninchen. Jahrtausende alte Moore prägten vielerorts die heimische Landschaft – bis zum massiven Eindringen der Agrar-, Torf- und Kohleindustrie. Moore wurden entwässert, fielen mit sinkendem Grundwasserspiegel trocken oder wurden weg gebaggert. Doch ausgerechnet in den Restlöchern des ehemaligen Braunkohletagebaus Mitteldeutschlands zeigen sich gegenwärtig natürliche Prozesse, die einmal zu neuen Moorbildungen führen können. Sogar versiegte Quellen springen durch den steigenden Grundwasserspiegel wieder an und schaffen eine neue Chance für ehemalige Moore.

 

Seit Jahren steigt das Grundwasser, das für den Braunkohleabbau bis zu einer Tiefe von 40 Metern weitflächig abgepumpt worden war, allmählich wieder an und füllt die entstehenden Tagebauseen. Ralf Donat, Projektleiter der Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen in der Niederlausitz stellt fest: „Wanninchen ist beispielhaft für das Entstehen von Flachwasserbereichen. Ihr Wasser ist durch den pH-Wert des Bodens relativ sauer und nährstoffarm – genau wie in Mooren. Auf großer Fläche siedeln sich bereits moortypische Torfmoose, Braunmoose, Seggen und Wollgras an. Gute Voraussetzungen für die Entwicklung ganz neuer mooriger Flächen.“

Sielmann Stiftung erwirbt weitere Gebiete zum Moorschutz

Steigendes Grundwasser in Wanninchen führt auch dazu, dass einst trocken gelegte Quellen wieder „anspringen“ und sich verschwundene „Quellmoore“ wieder bilden. Um diesen Prozess zu fördern, kauft die Heinz Sielmann Stiftung mit Unterstützung des Brandenburgischen Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz (MLUV) sowie des Naturschutzfonds Brandenburg weitere rund 70 Hektar bei Wanninchen. Ziel ist, die fast verschwundenen Moore „Heidegrund Grünswalde“ und „Waltersdorfer Mühlbusch“ wieder zu vernässen, etwa durch die Verschließung von Entwässerungsgräben und den Rückstau von Wasser.

Die Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen wird mit der Erweiterung durch solche wertvollen Biotope zu einem immer differenzierteren ökologischen Gesamtsystem, das sich dynamisch entwickelt und stets neue Nischen für besondere Spezialisten unter den Tieren und Pflanzen hervorbringt. Die komplexen ökologischen Prozesse der Moorbildung setzen durch die Selbstheilungskräfte der Natur wieder ein und schaffen Lebensraum für besonders spezialisierte Arten wie Moorfrösche, Sonnentau oder die Arktische Smaragdlibelle.

Als im 20. Jahrhundert die Schaufelradbagger und Abraumförderbänder anrückten, dauerte es nur wenige Monate, bis Jahrtausende alte Moore weggebaggert wurden. Nun können sich in Hunderten von Jahren neue Moore aufbauen. Die Geotopvielfalt in den ehemaligen Tagebauflächen bringt es auf diese Weise mit sich, dass in einem bestimmten regionalen Raum eine einmalige Vielzahl von Moortypen entstehen kann. Zusammen mit den Flachgewässern und großen Tagebauseen entsteht eine einmalige aquatisch geprägte Landschaft. Eine solcher wassergeprägter Biotopver-bund ist auch von großer Bedeutung für das Mikroklima einer Region. In der Niederlausitz, die Prognosen zufolge bei fortschreitenden Klimaveränderungen zu einer besonders heißen und trockenen Region werden könnte, sind diese Prozesse von großer Bedeutung für das Überleben von Pflanzen und Tieren und damit auch des Menschen.

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