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Wiederansiedlung von Ackerwildkräutern im Fränkischen JuraNeue Heimat auf dem Bioacker

Auf ökologisch bewirtschafteten Flächen findet sich meist eine deutlich größere Vielfalt an Ackerwildkräutern und damit eine wichtige Nahrungsquelle für die unterschiedlichsten Arten von Insekten. Mehr als ein Drittel dieser wertvollen Pflanzen steht jedoch auf der Roten Liste. Hier setzt das Projekt der Biobauern Naturschutz Gesellschaft zum Schutz der Ackerwildkräuter an.

Ackerwildkräuter werden in Europa immer seltener. Früher häufige Arten nehmen weiter ab und auf vielen Äckern finden sich nur noch wenige Arten wie die Acker-Kratzdistel oder die Quecke. Bunte Blütenvielfalt muss man lange suchen. Und da von den Wildkräutern auch viele Insekten und andere Tiergruppen abhängen, leidet der ganze Lebensraum. Hauptursachen des Artenrückgangs sind Herbizideinsatz („Spritzmittel“ gegen unerwünschte Pflanzen) und intensive Stickstoffdüngung. Auf ökologisch bewirtschafteten Flächen findet sich meist eine deutlich größere Vielfalt an Ackerwildkräutern und es kommen oft Arten vor, die sonst sehr selten sind – auch ohne dass besondere Naturschutzmaßnahmen ergriffen werden. Wurde jedoch vor der Umstellung zur ökologischen Bewirtschaftung der Flächen die Ackerwildkrautvielfalt durch langjährigen Herbizideinsatz bereits reduziert, ist eine natürliche Rückkehr der standorttypischen Arten meist unwahrscheinlich. Der Samenvorrat im Boden ist aufgezehrt.

An dieser Stelle setzt die gezielte Wiederansiedlung seltener und gefährdeter Arten an, indem Ackerwildkräuter über die Ausbringung von Saatgut zurück in (wieder) geeignete Ackerlebensräume gebracht werden. Dazu darf aber nur sogenanntes autochthones, also heimisches, Saatgut verwendet werden, denn genetisch unterscheiden sich auch die Ackerwildkräuter nach ihrer Herkunft. 

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Durch die Förderung der Heinz Sielmann Stiftung wurde die Wiederansiedlung von Ackerwildkräutern auf Biobetrieben im Naturraum Fränkischer Jura im Jahr 2017 unterstützt. Die Vermehrung von Wildpflanzensaatgut außerhalb von hochspezialisierten Betrieben oder botanischen Gärten befindet sich noch in der Erprobungsphase. Größte Herausforderung ist in der Regel die Regulierung der unerwünschten sogenannten Beikräuter. Auf dem landwirtschaftlichen Betrieb Samberger wurden Vermehrungsflächen für die Arten Großer Frauenspiegel (Legousia speculum-veneris), Acker-Rittersporn (Consolida regalis) und Acker-Lichtnelke (Silene noctiflora) angelegt und im Sommer 2017 beerntet. Zusätzlich wurden auf einer in der Nähe gelegenen Ackerfläche Samen vom Acker-Hahnenfuß (Ranunculus arvensis) gesammelt. Nach Flächenbesichtigungen und Vorgesprächen mit Biobetrieben aus dem Naturraum wurden zwei Betriebe ausgewählt, denen das erzeugte Saatgut zur Wiederaussaat zur Verfügung gestellt wurde.

Insgesamt konnte 2017 so viel Saatgut erzeugt werden, dass eine Wiederansiedlung auf anderen Flächen möglich war. Das Interesse an Ackerwildkräutern ist bei den Biobetrieben in der Region in den vergangenen Jahren durch die Aktivitäten und Informationen gestiegen. Es gab auch 2017 mehr Interessenten als letztlich Saatgut zur Verfügung stand.

Die Wiederansiedlungsaktivitäten einschließlich einer Nachbetreuung und Kartierung der diesjährigen Flächen bis 2020 sind duch das Anschlussprojekt „Ackerwildkräuter erhalten und fördern mit Biobetrieben in Bayern“, das dann durch den Bayerischen Naturschutzfonds gefördert wird gesichert.

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Beitrag zur Biologischen VielfaltAckerwildkräuter

Sie sind ein wichtiger Bestandteil der biologischen Vielfalt in Agrarlebensräumen - nicht nur als eigenständiger Bestandteil, sondern auch weil viele weitere Arten von ihnen abhängen. Eine Besonderheit des Projektes "Wiederansiedlung von Ackerwildkräutern im Fränkischen Jura" ist, dass die genetische Vielfalt als Teil der Biodiversität thematisiert wird. Am Beispiel der regionalen Wiederansiedlung kann sehr schön deutlich gemacht werden, warum es so wichtig ist auch die genetische Ebene im Blick zu haben und dass es nicht reicht, ein Samentütchen unbekannter Herkunft aufzureißen, um die Arten zurückzuholen.