Grüne Kröte trägt zweite huckepack und schwimmt in braunem Wasser mit Ästen

Amphibien im Liebesrausch

Sobald die Temperaturen nachts einige Zeit ein paar Grad über Null liegen und es draußen feucht ist, erwachen die Amphibien in großer Zahl aus der Winterstarre und machen sich auf den Weg in ihre Laichgewässer.

Sie suchen jedes Jahr die Gewässer auf, in denen sie sich selbst von der Kaulquappe zum Frosch oder zur Kröte gewandelt haben. Je nach Witterung beginnt die Amphibienwanderung mal früher, mal später. Typischerweise sind im März die meisten Tiere unterwegs.

Amphibien wandern meist bei Nacht, weil dann die Luftfeuchtigkeit höher ist als am Tag und sie nicht austrocknen.

Kröte sitzt auf Moos, im Hintergrund Bäume

Der leuchtend grüne Laubfrosch (Hyla arborea) war früher in Deutschland sehr verbreitet. Sein Bestand nimmt jedoch seit Jahren bundesweit ab.

Die Bedingungen in Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen und in Sielmanns Biotopverbünden in der Bodenseeregion bei Ravensburg dagegen sind für ihn ideal. Kleingewässer und strukturreiche Landschaft ohne Beeinträchtigung durch Straßenverkehr, landwirtschaftliche Bearbeitung und Düngereintrag bieten dem nur drei bis fünf Zentimeter kleinen Frosch die passende Umgebung.

Tagsüber dösen Laubfrösche an Blätter oder Äste geschmiegt in der Sonne, da sie im Gegensatz zu anderen Lurchen besser vor Austrocknung geschützt sind. Zur Laichzeit von April bis Anfang Juli finden sich die Männchen zu lautstarken, nächtlichen Balzchören an Gewässern ein.

Laubfrosch sitzt am Boden und hält kleines Gras fest
Luftaufnahme Wiesenlandschaft mit Bäumen, dunklen Tümpeln und weißen Sandflächen

wie sie in Sielmanns Naturlandschaften Wanninchen und Döberitzer Heide vorkommen sind für Kreuzkröte, Wechselkröte und auch die Knoblauchkröte ein geeigneter Lebensraum.

Die Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) heißt so, weil sie in extremen Schrecksituationen ein Sekret absondert, das etwas nach Knoblauch riecht. Sie lebt sehr heimlich in den lockeren Sandflächen der Bergbaufolgelandschaft Wanninchen und auch in der Döberitzer Heide.

Ihre Spezialität ist es, sich mit ihren schaufelartigen Hinterfüßen rückwärts in den Sandboden einzugraben, wo sie tagsüber verborgen bleibt. Erst nachts wird sie aktiv.

Was sie von allen anderen Kröten und Fröschen unterscheidet, ist ihre senkrechtstehende Pupille und ihre auffällig großen Kaulquappen. Sie gilt bundesweit als gefährdet.

Kröte halb eingegraben im Sand

Die herzförmige Pupille ist ein typisches Merkmal der Gelbbauchunke (Bombina variegata). Da die Bauchunterseite jeder Gelbbauchunke individuell gemustert ist, ermöglicht ein Blick dorthin, einzelne Gelbbauchunken eindeutig zu unterscheiden. Die Signalfarbe dient der Abschreckung von Fressfeinden.

Gelbbauchunken benötigen sonnige temporäre Klein- und Kleinstgewässer. Diese erwärmen sich rasch und machen so eine schnelle Entwicklung des Unkennachwuchses möglich. Außerdem sind solche Pfützen und Tümpel meist frei von Konkurrenz und Fressfeinden.

Ursprünglich war die Gelbbauchunke eine typische Auenbewohnerin, wo solche Lebensräume durch die Gewässerdynamik immer wieder neu entstehen. An natürlichen Bach- und Flussauen mangelt es jedoch heutzutage und so weicht sie auf andere Lebensräume aus, wie Fahrrinnen, Pfützen und kleine Gräben.

Zwei Kröten auf nassem Boden, eine hat den Arm über die andere gelegt
Überflutete Wiese bei Sonnenuntergang

Um Lebensräume für seltenen Amphibienarten zu erhalten, hat die Heinz Sielmann Stiftung in den vergangenen Jahren Feuchtbiotope entschlammt, neue Kleingewässer angelegt und in trockengefallenen Moorflächen die Wiedervernässung gefördert. Auch die Anlage von Geländemulden hilft den Amphibien. Mit ihren großen unzerschnittenen Naturschutzflächen sind Sielmanns Naturlandschaften ideale Lebensräume für Amphibien.

Hier bedroht kein Straßenverkehr ihre Wanderungen zu den Laichplätzen, strukturreiche Landschaften ohne oder mit nur extensiver landwirtschaftlicher Nutzung ohne künstlichen Düngereintrag bieten den Arten gute Voraussetzungen für ihr Überleben.

Weiher von oben aus der Vogelperspektive, umgeben von Grünflächen

Zur Laichzeit, die bereits im zeitigen Frühjahr beginnt, locken die Männchen die Weibchen mit einer leuchtend blauen Färbung an. Wie er die Farbe wechselt und warum genau ist bisher unklar.

Sehr starke Bestandseinbußen hat der Moorfrosch erfahren, von dem man nur noch selten Exemplare in Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide sehen kann. Verantwortlich für den Rückgang der Art ist auch hier die zunehmende Austrocknung ehemals feuchter Gebiete durch den sinkenden Grundwasserspiegel.

Blaues Moorfrosch-Männchen im Wasser
Kröte schwimmt in Wasser umgeben von Wasserpflanzen mit weißen Blüten

Ihr genügt manchmal schon eine große, gut gefüllte Pfütze, die so lange das Wasser hält, bis sich aus dem Laich über die Kaulquappen erwachsene Tiere entwickelt haben.

Doch nicht alle Amphibien haben so viel Glück. Auf ihrer bis zu zwei Kilometer langen Reise zu den Geburtsgewässern müssen Amphibien oft stark befahrene Straßen überqueren. Dabei kommen jedes Jahr abertausende Erdkröten, Springfrösche und Molche ums Leben.

Eine grüne Kröte trägt eine zweite huckepack und sitzt bei Nacht auf Straßenasphalt, im Hintergrund Scheinwerfer eines Autos
Landstraße mit hohem Böschungsabsatz, im Absatz kleine Tunnelöffnung

Mancherorts werden die wandernden Amphibien zu festen Durchgängen, sogenannten Krötentunneln, unter der Straße hindurch geleitet, wie hier bei Tugam in Brandenburg.

Wo es keine Krötentunnel gibt, helfen Menschen den Tieren sicher über die Straße.

In Niedersachsen, zwischen Fuhrbach und Brochthausen und in Sielmanns Biotopverbünden in der Bodenseeregion kümmert sich die Heinz Sielmann Stiftung um den Aufbau von Amphibienzäunen gegenüber der Teiche, die beliebte Laichgewässer sind.

Entlang Die Tiere werden von Ehrenamtlichen und Mitarbeitenden der Stiftung zum Amphibienwanderungszeit täglich auf die andere Straßenseite übergesetzt und dabei gezählt. Ohne diesen Schutzzaun würden viele Kröten, Frösche und Molche dem Straßenverkehr zum Opfer fallen.

 

Familie Santer rettet Amphibien am Krötenzaun, LKW auf der Landstraße

Dass die von der Stiftung angelegten Stillgewässer von zahlreichen Kröten, Fröschen und Molchen als Lebensraum genutzt werden, zeigen die Funde in den Eimern: Allein am Heinz-Sielmann-Weiher in Billafingen laichen in Spitzenjahren bis zu 4.000 Amphibien, vor allem Erdkröten.

Ein Zaun wird jedes Jahr entlang der Landstraße 205 zwischen Stockach-Seelfingen und Owingen-Billafingen errichtet, da diese Straße den Heinz-Sielmann-Weiher von einem nahegelegenen Wald trennt, in dem eine große Anzahl an Amphibien überwintert.

Der zweite Zaun befindet sich am Inge-Sielmann-Weiher bei Überlingen-Bonndorf. Auch hier wandern jährlich unzählige Kröten, Frösche und Molche über die Straße zu ihrem Laichgewässer und würden ohne den Schutzzaun überfahren werden.

Nahaufnahme eines im Wiesenboden halb eingegrabenen Eimers, im Hintergrund ein Zaun aus gespannter grüner Plane

Bitte fahren Sie jetzt besonders vorsichtig. Bis Ende April müssen Sie auf Straßen mit wandernden Amphibien rechnen sowie mit Menschen, die zum Schutz der Tiere in den Morgen- und Abendstunden unterwegs sind.

Wenn Sie noch mehr tun möchten, engagieren Sie sich ehrenamtlich während der Amphibienwanderung in einem örtlichen Naturschutz-Verein. Oft werden saisonale Helfer:innen für den Aufbau von Schutzzäunen sowie für den sicheren Transport der Tiere über die Straße benötigt.

Junge in gelber Warnweste hält Kröte in seiner Hand