In Gedenken an Inge Sielmann

Alle Vögel sind schon da?

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Mit den wärmeren Temperaturen erwacht die Vegetation und Tiere beenden Winterruhe, Winterschlaf oder Winterstarre. Überall, jedenfalls in unseren intakten Landschaften, sind die Botschafter des Frühlings nicht nur zu sehen, sondern – wie bei der Vogelwelt – auch eindrucksvoll akustisch wahrzunehmen.

Feldlerchen (Alauda arvensis) flechten Strophen anderer Vögel in ihren Gesang ein.

Die kurzen Gesangsstrophen des Karmingimpels (Carpodacus erythrinus) erinnern an den pfeifenden Pirol.

Der klare Gesang des Rotkehlchens (Erithacus rubecula) klingt feierlich und melancholisch.

Die männlichen Amseln (Turdus merula) suchen sich häufig hohe Sitzwarten aus, um ihren melodischen Gesang vorzutragen.

Stare (Sturnus vulgaris) sind wahre Entertainer. Sie imitieren Gesänge anderer Vögel oder Alltagsgeräusche wie Handyklingeln.

Aus allen Himmelrichtungen

Besonders unsere Zugvögel künden vom werdenden Frühjahr: Die Wintergäste ziehen nach Norden oder Osten, viele Arten nutzen unsere Gebiete zum Durchzug, und wieder andere kommen aus wärmeren Gefilden im Süden oder Westen zu uns zurück in ihre Brutgebiete. Der wichtigste Anlass für das Weg- und Zurückziehen sind die wechselnden Jahreszeiten. Wird die Nahrung knapp, müssen mildere Gebiete aufgesucht werden. Das betrifft vor allem die insektenfressenden Vögel, denn ihre Leibspeise macht auch Winterpause. Dabei sind unterschiedliche Strategien bekannt. Diese reichen vom kurzfristigen Ausweichen bei schlechter Witterung, über das regelmäßige Ziehen kurzer Strecken in mildere Klimazonen, bis zum Langstreckenzug auf die Südhalbkugel. Zu solchen Zugbewegungen zählen auch vertikale Wanderungen vom Gebirge in tiefere Bereiche und zurück.

Nur kurz mal weg gewesen

Die Rückkehr der Zugvögel in unsere Brutgebiete findet – vereinfacht gesagt - im umgekehrten Verhältnis zur Flugdistanz statt – je länger der Zugweg, umso später das Eintreffen am Brutplatz. Feldlerche, Hausrotschwanz, Mönchsgrasmücke, Girlitz, Singdrossel und Kranich beleben schon zu Frühlingsbeginn unsere Landschaften. Aber auch die Langstreckenzieher kommen bereits wieder – auffälligste Vertreter sind neben dem Weißstorch sicherlich Rauch- und Mehlschwalbe. Der Zeitpunkt ihres Eintreffens hängt selbstverständlich auch vom Ort in Deutschland ab – im Südwesten können viele Arten eher als im Nordosten beobachtet werden. Nur wenige Vogelarten, die von Osten her zu uns ziehen, sind naturgemäß zuerst dort anzutreffen. Diese Arten, wie Karmingimpel oder Zwergschnäpper, sind allerdings in ihrer Verbreitung ohnehin auf den Osten Deutschlands beschränkt.

Die geheime Sprache der Vögel

Aber warum singen Vögel überhaupt? In den schönsten, schrillsten oder merkwürdigsten Melodien kommunizieren sie miteinander. Jede Art hat ihren eigenen Auftritt im Konzert der Vögel, die Einsätze sind genau getaktet. Der Gartenrotschwanz beginnt noch vor Sonnenaufgang mit der Darbietung. Rotkehlchen und Amsel folgen. Stare sind Langschläfer und trillern erst spät nach Sonnenaufgang. Die Leadvocals sind meist "Männersache". Die Herren Vögel prahlen mit Lautstärke, Dauer oder Häufigkeit, um Rivalen aus dem Revier zu vertreiben. Gleichzeitig biedern sie sich bei den Vogeldamen an und werben um ihre Gunst. Im Frühling stehen eben alle Zeichen auf Liebe.

Weitere Vogelstimmen zum Anhören finden Sie hier.