Trichterfallen im Sand: Ameisenlöwen, die geduldigen Lauerjäger

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Sielmanns Naturlandschaften in Brandenburg sind mit ihren offenen, sandigen Strukturen ideale Lebensräume für Ameisenlöwen. Drei Arten sind hier häufig – zwei von ihnen können bei geeigneten Bedingungen aber sogar in Gärten vorkommen.

Trichter der Dünen-Ameisenjungfer (Myrmeleon bore) in der Döberitzer Heide. Foto: H. Petrischak

Trichter der Dünen-Ameisenjungfer (Myrmeleon bore) in der Döberitzer Heide. Foto: H. Petrischak

Dieser Ameisenlöwe ist die Larve der Gefleckten Ameisenjungfer (Euroleon nostras). Foto: H. Petrischak

Dieser Ameisenlöwe ist die Larve der Gefleckten Ameisenjungfer (Euroleon nostras). Foto: H. Petrischak

Sie haben eine der ausgefeiltesten Jagdtechniken im Tierreich: Ameisenlöwen bauen Trichter im Sand und warten. Früher oder später läuft eine Ameise oder ein anderes Krabbeltier über den Rand des Trichters, kommt ins Rutschen – und ist so gut wie verloren. Unten angekommen, landet sie direkt in den dolchartigen Kiefern der Lauerjäger.

Tödliche Trichterfalle

Der Körper eines Ameisenlöwen ist dicht mit Sinnesborsten besetzt. Er spürt damit jede Erschütterung. Wenn die Beute an der Trichterwand nach oben entkommen möchte, bewirft der Ameisenlöwe sie vom Grund aus mit Sand, damit sie weiter abrutscht. Die Mundwerkzeuge der Ameisenlöwen sind höchst speziell gestaltet: Die spitzen Oberkiefer sind zangenartig zueinander gebogen und bilden gemeinsam mit den Unterkiefern ein Saugrohr. In die Beute wird zunächst ein lähmendes Gift injiziert. Dem Gift folgen Verdauungsenzyme, so dass der Ameisenlöwe nun ein bereits vorverdautes Nahrungsgemisch einsaugen kann. Ameisenlöwen sind nicht wählerisch: Trotz ihres Namens fressen sie nicht nur Ameisen, sondern beispielsweise auch Käfer, Asseln oder Tausendfüßer. Die Chitinhüllen der ausgesaugten Opfer werden aus dem Trichter geworfen.

Lebensweise und Lebensraum

Die Fortbewegung der Ameisen­löwen erfolgt immer im Rückwärts­gang. So bauen sie auch ihre Trichter. Zuerst wird ein kreisförmiger Graben ausgehoben, der spiral­förmig nach innen erweitert und durch Sand­auswurf vertieft wird. Es werden stets warme, trockene Standorte gewählt: Sand­flächen unter über­hängenden Felsen, unter umgestürzten Baum­stämmen, an Böschungen oder auch unter Brücken und sogar unter Vordächern von Häusern. An geeigneten Plätzen können Trichter in großer Zahl angelegt werden. Allerdings gefährdet die zunehmende Versiegelung solcher Standorte die gesetzlich geschützten Ameisen­löwen immer mehr.

Verblüffende Metamorphose

Über drei Larvenstadien entwickeln sich Ameisen­löwen in Mittel­europa je nach Nahrungs­angebot und Witterungs­verlauf im Zeitraum von ein bis drei Jahren, bis sie ausgewachsen sind. Dann spinnen sie einen kugel­runden, mit Sand­körnern überzogenen Kokon, in dem sie sich verpuppen. Einige Wochen später, stets an einem Sommer­abend, schlüpft ein Insekt, das in Gestalt und Lebens­weise nicht im Geringsten an den vorherigen Lebens­abschnitt erinnert: die Ameisen­jungfer. Mit rund drei Zentimeter langen, zarten Flügeln sieht sie beinahe einer Libelle ähnlich. Sie gehört aber zu einer völlig anderen Insekten­ordnung: den Netzflüglern (Neuroptera), benannt nach dem dichten Adernetz auf ihren Flügeln. Ameisen­jungfern sind nachtaktiv, ernähren sich ebenfalls räuberisch von Insekten, fliegen gern ans Licht und halten sich tags­über in der Vegetation verborgen. Nach der Paarung legen die Weibchen Eier im Sand ab, aus denen dann wieder Ameisen­löwen schlüpfen.

Ameisenjungfern - Verbreitung und Beobachtungsmöglichkeiten

In Deutschland sind nur zwei Arten weit verbreitet: Die Gemeine Ameisenjungfer (Myrmeleon formicarius) und die Gefleckte Ameisenjungfer (Euroleon nostras). Man findet sie häufig in den sandigen Heidegebieten, Dünen­strukturen und Kiefern­wäldern der Kyritz-Ruppiner Heide, Döberitzer Heide, Tangersdorfer Heide und in Wanninchen. Hier tritt sogar noch eine weitere Art regelmäßig auf: Die Dünen-Ameisenjungfer (Myrmeleon bore), die ansonsten in den skandinavischen Küsten­dünen an der Ostsee heimisch ist, ist auch in den Sand­­gebieten der Truppen­­übungs­plätze und Bergbau­­folge­land­schaften Brandenburgs stark verbreitet. Ihre Vorder­flügellänge liegt im Gegensatz zur Gemeinen Ameisen­jungfer deutlich unter 35 mm. Die Trichter der Larven werden bei dieser Art nicht gezielt im Regenschutz von Gelände- oder Vegetations­­strukturen angelegt, sondern sind auf ganz offenen Sandflächen zu finden.

 

Fotostrecke: Ameisenjungfern

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