In Gedenken an Inge Sielmann

Im Liebesrausch - Die große Wanderung der Kröten, Frösche, Molche und Co.

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Jedes Frühjahr erwacht der Waldboden zum Leben. Sobald die Nachttemperaturen einige Zeit ein paar Grad über Null liegen und es draußen feucht ist, erwachen die Amphibien in großer Zahl aus der Winterstarre und machen sich auf den Weg in ihre Laichgewässer. Sie suchen jedes Jahr die Gewässer auf, in denen sie sich selbst von der Kaulquappe zum Frosch oder zur Kröte gewandelt haben.

Erdkröte - Bufo bufo

Erdkrötenmännchen (Bufo bufo) auf dem Weg zum Laichgewässer. Foto: R. Donat

Erdkrötenpaar (Bufo bufo), das Männchen wird auf dem Rücken des Weibchens zum Laichgewässer getragen. Foto: H. Petrischak

Diese Erdkröten haben das Ziel ihrer anstrengenden Reise erreicht. Foto: J. Brantner

Kreuzkröten - Bufo calamita

Auch diese beiden sind sicher an ihrem Ziel angelangt, ein Kreuzkrötenpaar (Bufo calamita). Foto: R. Donat

Rotbauchunke - Bombina bombina

Obwohl ihr Gesichtsausdruck an ein Lächeln erinnert, hat die Rotbauchunke (Bombina bombina) bei uns wenig zu Lachen. Wegen der Zerstörung ihres Lebensraums kommt sie in Deutschland immer seltener vor, zumeist in Schutzgebieten wie Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide. Foto: L. Wendlandt

Grasfrösche - Rana temporaria

Der Grasfrosch (Rana temporaria) ist die häufigste Froschart in Deutschland, auch er bevorzugt zum Laichen Stillgewässer, z.B. Teiche und Weiher. Foto: R. Donat

Ein Wechselkrötenpaar (Bufo viridis), der Ruf des Männchens ist dem einer Maulwurfsgrille zum Verwechseln ähnlich. Foto: R. Donat

Je nach Witterung beginnt die Amphibienwanderung mal früher, mal später. Typischerweise sind im März die meisten Tiere unterwegs. Amphibien wandern meist bei Nacht, weil dann die Luftfeuchtigkeit höher ist als am Tag und die Tiere nicht austrocknen. 

Auf ihrer bis zu zwei Kilometer langen Reise zu ihren Geburtsgewässern, an denen sie sich fortpflanzen, müssen die Tiere oft stark befahrene Straßen überqueren. Dabei kommen jedes Jahr abertausende Erdkröten, Springfrösche und Molche ums Leben.  

Amphibienwanderung in Sielmanns Biotopverbund Bodensee

Auch in Sielmanns Biotopverbund Bodensee hat die Amphibienwanderung begonnen, denn die geschaffenen Stillgewässer werden von zahlreichen Kröten, Fröschen und Molchen als Lebensraum genutzt.

In Sielmanns Biotopverbund Bodensee betreuen die Mitarbeiterinnen des Projektbüros in Stockach sowie viele ehrenamtliche Helferinnen zwei temporär errichtete Amphibienzäune. Ein Zaun wird jedes Jahr entlang der Landstraße 205 zwischen Stockach-Seelfingen und Owingen-Billafingen errichtet, da diese Straße den Heinz-Sielmann-Weiher von einem nahegelegenen Wald trennt, in dem eine große Anzahl an Amphibien überwintert.

Am Heinz-Sielmann-Weiher in Billafingen laichen jährlich bis zu etwa 4.000 Amphibien, vor allem Erdkröten. Bis Mitte März konnten in Billafingen bereits etwa 1.000 Erdkröten von den Helfern sicher über die Straße transportiert werden. Ohne den Schutzzaun, der während der Amphibienwanderung hauptsächlich von ehrenamtlichen Helfern betreut wird, würden tausende Kröten, Frösche und Molche dem Straßenverkehr zum Opfer fallen. 

Der zweite Zaun befindet sich am Inge-Sielmann-Weiher bei Überlingen-Bonndorf. Auch hier wandern jährlich bis zu 5.000 Kröten, Frösche und Molche über die Straße zu ihrem Laichgewässer und würden ohne den Schutzzaun überfahren werden.

Besuchen Sie uns in Sielmanns Biotopverbund Bodensee und erleben Sie die Artenvielfalt an den verschiedenen Biotopstandorten! 

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