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Auf Sielmanns Spuren: Bei den Berggorillas im Bwindi-Regenwald

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Auge in Auge mit den seltenen afrikanischen Berggorillas zu stehen, diese Gelegenheit bietet sich nicht alle Tage. Schon Heinz Sielmann wurde 1957 bei Filmarbeiten zu „Herrscher des Urwalds“ im Kongo in den Bann der sanften Riesen gezogen. Dr. Hannes Petrischak begab sich mit Landlust Reisen und Spendern der Heinz Sielmann Stiftung gemeinsam nach Uganda, um die Berggorillas des Bwindi-Regenwalds live zu erleben.

Dr. Hannes Petrischak

Gegen 8 Uhr morgens starten wir unsere Tracking-Tour zu den Berggorillas. Die Ranger der Uganda Wildlife Authority, die die Nationalparke Ugandas betreut, geben zunächst eine kurze Einführung: Zweieinhalb bis drei Jahre dauert es, eine Berggorilla-Gruppe zu habituieren – ohne Habituierung wäre ein Besuch unmöglich, denn Gorillas fürchten Menschen und würden bei jeder Annäherung sofort fliehen oder auch angreifen. Während dieses vorsichtigen Gewöhnungsprozesses jedoch, in dem sie täglich behutsam mit der Anwesenheit von Menschen vertraut gemacht werden, verlieren sie ihre Scheu und verhalten sich schließlich sogar so, als wären die Menschen gar nicht da. So können einzigartige Einblicke in ihr Familienleben gelingen. Sie leben in Gruppen von rund zehn Tieren, angeführt von einem Silberrücken. Diese mächtigen Männchen sind an ihrer großen Kopfhaube und dem silberweißen Rückenfell – die Verfärbung tritt in einem Alter von 15 Jahren ein – zu erkennen. Manchmal leben noch 1-2 weitere Silberrücken in der Gruppe.

Jede habituierte Familiengruppe darf pro Tag maximal eine Stunde lang von bis zu acht Besuchern beobachtet werden. Diese müssen gesund sein, denn menschliche Krankheiten wie Erkältungen übertragen sich leicht auf Gorillas und können für sie tödlich sein. Sieben Meter Abstand und Fotografieren ohne Blitzlicht gehören ebenfalls zu den Verhaltensregeln. Das Geld, das die Touristen bringen, kommt zu einem Teil auch den Ortschaften der Umgebung zugute. In Verbindung mit der intensiven Überwachung durch die Ranger hat dies die Situation der Berggorillas stabilisiert, denn in den letzten Jahren ist ihre Zahl sogar wieder von 800 auf 1.000 Exemplare angestiegen, so dass ihr unmittelbares Aussterben vorerst abgewendet scheint. Sie kommen allerdings nur noch in zwei isolierten Inseln aus Bergregenwald vor, die von dicht besiedelten, landwirtschaftlich genutzten Flächen mit einer rasant wachsenden Bevölkerung umgeben werden.

Es handelt sich um das Gebiet der Virunga-Vulkane, einer über 4.000 Meter aufragenden Bergkette im Dreiländereck von Uganda, Ruanda und dem Kongo, und den Bwindi Impenetrable National Park im Südwesten Ugandas. Diese Wälder sind extrem reich an Unterwuchs, so dass sie reichlich Nahrung bieten: Gorillas ernähren sich zu 99 Prozent vegetarisch von Blättern und Früchten, während ihnen Ameisen schmackhafte Proteine liefern. Allerdings ist der Besuch im steilen, rutschigen und dicht mit vielen dornigen Ranken bewachsenen Gelände nicht ganz einfach. So bekommt jeder Besucher einen stabilen Gehstock zur Verfügung gestellt und kann einen Träger für seinen Rucksack engagieren. Ausreichende Wasservorräte und feste Schuhe sind ohnehin Voraussetzung für ein erfolgreiches Trekking.

So starten wir uns nun auch gespannt auf den Weg. Zum Schutz vor aufgebrachten Waldelefanten oder Büffeln wird die Gruppe von zwei zusätzlichen bewaffneten Rangern begleitet. Die Guides, die vorangehen, nehmen Kontakt mit ihren Kollegen im Wald auf – einige Ranger begleiten die habituierten Gorilla-Gruppen von morgens bis abends, damit der Kontakt zu den Tieren nicht verloren geht. Noch wissen wir nicht, ob wir eine oder drei Stunden lang bis zu den Gorillas wandern müssen. Da es in den Tagen zuvor viel geregnet hat, sind die Wege teilweise sehr schlammig. Jeder größere Stein ist eine wertvolle Tritthilfe. Sehr genau müssen wir darauf achten, an welchen Pflanzen wir uns festhalten, denn viele tragen wehrhafte Stacheln. Als wir keuchend einen steilen Hang erklommen haben, zwickt es plötzlich – wir haben eine Straße von Treiberameisen gekreuzt.

Entschädigt werden wir durch die atemberaubende Szenerie von hoch aufragenden, üppig mit Farnen und Moosen bewachsenen Bäumen, die Geräuschkulisse der artenreich vertretenen Vogelwelt und den einen oder anderen prächtigen Schmetterling. Plötzlich hören wir menschliche Stimmen aus dem Wald vor uns. Nach nicht einmal einer Stunde haben wir schon die Ranger, die immer in der Nähe der Gorillas bleiben, erreicht – und damit auch die Berggorillas selbst. Nun bleiben die Träger mit unseren Wanderstöcken und Rucksäcken zurück und wir gehen langsam mit unseren Fotokameras weiter. Schon bewegen sich die Zweige. Ein Gorilla-Weibchen sitzt direkt vor uns und schiebt sich genüsslich eine Handvoll Blätter zwischen die Zähne. Daneben versucht sich ein Baby an einer Pflanze, die an an einem Baumstamm wächst, hoch zu ziehen, stürzt ab, gibt aber nicht auf, klettert weiter – da wird es von seinen beiden Geschwistern abgelenkt und tobt mit ihnen über einen liegenden Baumstamm. Schließlich bricht es ein paar dünne Zweige ab, zieht sie sich durch Zähne und knabbert die zarte Rinde.

Der Silberrücken hält sich zunächst im Hintergrund, beobachtet uns hin und wieder aus den Augenwinkeln. Er ist ein imposanter Anblick. Wenige Meter vor ihm sitzt ein weiteres Weibchen, das sein Baby in den Armen hält und ihm den Kopf krault. Schließlich trinkt das Jungtier an der Brust des Weibchens. Wir schauen atemlos zu, während wir damit beschäftigt sind, in dem Gewirr aus liegenden Ästen und rankenden Lianen nicht den Halt zu verlieren. Nach ausgiebiger Blättermahlzeit geht die Gruppe zur Siesta über. Der Silberrücken legt sich nieder. Ein Weibchen beginnt, sein Fell nach Parasiten abzusuchen, die Jungtiere schauen neugierig zu. Schließlich fallen dem mächtigen Gorilla-Boss die Augen zu. Und damit ist auch unsere Stunde bei den Berggorillas vorbei. Sie ist wie im Flug vergangen. Tief bewegt treten wir den Rückweg an.

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