Was fliegt denn da? Brutvogelmonitoring in Brandenburg

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Jörg Fürstenows Arbeit in der Döberitzer Heide beginnt um vier Uhr morgens. An diesem Tag ist der Artenexperte der Heinz Sielmann Stiftung früh unterwegs, um den Vogelstimmen von Buchfink, Wald-Laubsänger, Fitis und Co. zu lauschen. Plötzlich erklingt ein Schnarren - ist das der Ruf eines Pirols? Wenig später nähert sich der fast amselgroße, quietschgelbe Vogel und lässt unbeeindruckt seinen unverkennbaren Gesang ertönen.

Pirol (Oriolus oriolus) - Foto: McPhoto/Picture Alliance

Der Fitis (Phylloscopus trochilus), auch Fitislaubsänger genannt. Foto: McPhoto/Picture Alliance

Wendehals (Jynx torquilla) auf einem Baum. Foto: Hans-Joachim Fünfstück /Piclease

Stare (Sturnus vulgaris) im Kasten - Foto: M. Wichmann

Was ist Monitoring?

Ein wichtiger Aspekt im Naturschutz ist die genaue Beobachtung und Dokumentation der Vorkommen von Tieren und Pflanzen. Diese Beobachtungen sind besonders aussagekräftig, wenn die Ergebnisse verschiedener Standorte und Zeitpunkte verglichen werden können. Diese Vergleichbarkeit wird durch Standards ermöglicht. Jede Aufnahme erfolgt auf die gleiche Weise und unter möglichst gleichen Bedingungen, wie etwa der Tageszeit. Auch die Verarbeitung der Daten kann standardisiert auf elektronischem Weg erfolgen. Der vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) erarbeitete Standard im Vogelmonitoring wurde 2018 in Sielmanns Naturlandschaften Döberitzer Heide, Kyritz-Ruppiner Heide und Wanninchen umgesetzt. Die Heinz Sielmann Stiftung gehört zu den ersten Organisationen, die diese Methode auf ihren Flächen einsetzt.

Vogelmonitoring

Im Jahr 2018 wurden insgesamt 26 Routen für die Erfassung von Vogelarten auf den Flächen der Stiftung in Sielmanns Naturlandschaften Döberitzer Heide, Kyritz-Ruppiner Heide, Wanninchen sowie auf Gut Herbigshagen ausgewiesen. Auf elf dieser Routen konnten die Daten in diesem Jahr vollständig aufgenommen werden. Ab 2019 sollen auch Sielmanns Naturlandschaften Groß Schauen und Tangersdorfer Heide sowie Gut Herbigshagen eingebunden werden. Dabei verlässt sich die Stiftung auch auf das Wissen und das Engagement von ehrenamtlichen Kartierern. Fünf der elf Routen wurden bereits von freiwilligen Naturkennern bearbeitet. 

Wie funktioniert Brutvogelmonitoring?

Zwischen März und Juni wird eine Fläche viermal bei Sonnenaufgang abgelaufen. Dabei werden alle Vögel, die optisch oder akustisch bestimmt werden, erfasst. Man unterscheidet zum Beispiel zwischen balzenden, nahrungssuchenden oder nur überfliegenden Vögeln. Mittels Tablet-Computer werden alle Vogelarten sofort in einer Karte verzeichnet und via App in die Datenbank des DDA eingespeist. Auf einem mindestens 50 Hektar großen Areal wird auf diese Weise eine Route (Transekt) von einem Kilometer innerhalb einer Stunde abgelaufen. Zwischendurch machen die Wissenschaftler Stops, damit die Geräusche der Schritte das Gehör nicht stören. 

Bisher werden die Standards des Monitorings für häufige Brutvögel angewendet. Der DDA bietet in Zukunft auch zwei weitere Methodensets an, die sich auf seltene Brutvögel konzentrieren. Ob und wie die Anwendung dieser Methoden sinnvoll auf den Flächen der Heinz Sielmann Stiftung angewendet werden können, wird noch geprüft. Ursprünglich wurde das Vogelmonitoring für Flächen des Nationalen Naturerbes (NNE) entwickelt, die die Bundesrepublik zu Naturschutzzwecken an gemeinnützige Organisationen übergeben hat. Die Heinz Sielmann Stiftung wendet diese Methode aber auf allen ihren Flächen (auch außerhalb NNE) an, um eine Vergleichbarkeit zwischen allen Flächen der Stiftung zu ermöglichen.

Biodiversitätsmonitoring

Das Vogelmonitoring kann ein erster Baustein für das vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) angestrebte bundesweite Biodiversitätsmonitoring sein. Dieses umfangreiche Monitoring soll weitere Artengruppen und die Diversität von Lebensräumen einschließen. Hier gibt es noch einen hohen Bedarf zur Entwicklung geeigneter standardisierter Methoden. In der Arbeitsgruppe Monitoring des Netzwerks Nationales Naturerbe wurde bereits ein Standard zum Waldmonitoring entwickelt. Das BfN gab im Frühjahr 2018 den Startschuss für das Projekt „WerBeo“, das bundesweit Daten aus verschiedenen Quellen in einem zentralen Speicher zusammenführen und sukzessive Standards für künftiges Monitoring entwickeln soll. Dies ist ein wichtiger Schritt hin zu einem Biodiversitätsmonitoring; ein erstes Ergebnis ist für 2020 anvisiert. Hierfür möchte auch die Heinz Sielmann Stiftung eigene Beiträge zu standardisiertem Monitoring leisten.

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