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Dem Fischotter auf der Spur

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Mit Fotofallen und Spurensuche im Schlamm will die Heinz Sielmann Stiftung dem Fischotter in Brandenburg auf die Schliche kommen. Wie steht es um Heinz Sielmanns Lieblingstier?

Hans Glader, piclease.com

Im Auftrag der Wissenschaft im Paradies unterwegs

Die Fischerei Köllnitz liegt direkt am Ufer des Großen Schauener Sees. Vom Steg, an dem ein paar Ruderboote vor sich hinschaukeln, blickt man auf Wald und schilfbedeckte Ufer. Ein Schwarzmilan dreht ein paar Kreise am Himmel und lässt sich in einem Baum am Ufer nieder. Ein Grauganspaar verschwindet im Schilf am Ufer, eine einzelne Möwe fliegt über den See, ansonsten ist es ziemlich ruhig hier. Im Gegensatz zu den anderen Gewässern der Region gibt es an der Groß Schauener Seenkette keine größeren Siedlungen und auch kaum Freizeitaktivitäten am oder auf dem Wasser. Ein paar idyllische Badestellen, das wars. „Die Landschaft ist kaum zerschnitten und sehr strukturreich. Das macht sie ökologisch so wertvoll“, sagt Yvonne Rychlak. Die 39-Jährige ist Feldökologin mit Jahre langer praktischer Erfahrung. Rund um Groß Schauen soll sie jetzt einer einzigen Art nachspüren. Für ihre Masterarbeit an der Uni Potsdam wird sie in den kommenden Monaten die Fischotter-Population in der Region genau unter die Lupe nehmen.

Fischotters Revier

Man kann sich lebhaft vorstellen, wie ein Fischotter hier geschmeidig von einer Uferböschung hinab ins kühle Nass gleitet, schwerelos im Wasser nach Fischen jagt, wieder auftaucht und seine Beute auf einer Wurzel mit Seeblick verspeist. Oder wie er bei seinen Landgängen durch einen der mangrovenartigen Erlenbrüche läuft. Die Tiere aber tatsächlich mit eigenen Augen zu beobachten, ist eher unwahrscheinlich. „Fischotter sind nachtaktiv und ziemlich scheu“, sagt Rychlak. Um sie nachzuweisen, sind technische Hilfsmittel nützlich. Die Heinz Sielmann Stiftung unterstützt die Forschung mit der Anschaffung von zehn hochwertigen Wildtierkameras und war auch die Initiatorin der Studienarbeit.

Heinz Sielmanns Lieblingstier

Die Stiftung hat die Groß Schauener Seenkette 2001 erworben, unter anderem, um Lebensraum für die seltenen Wassermarder zu erhalten. Der Otter war schließlich erklärtes Lieblingstier des Tierfilmers und Stifters Heinz Sielmann. Schon bei der feierlichen Übernahme der Seenkette durch die Stiftung vor rund 20 Jahren freute sich Sielmann über die intakte Natur und über die Spuren, die ein Fischotter in der winterkalten Landschaft hinterlassen hatte.

Lebensraum Seeufer

Wie entwickelt sich die Population der Otter und wie nutzen die Tiere den Landschaftsraum? Das sind zwei der wichtigsten Fragen, zu denen Yvonne Rychlak jetzt Antworten sucht. So viel lässt sich schon sagen: Fischotter nutzen fast die gesamte Fläche der Seenkette und sind auch in der weitläufigen Umgebung gut vertreten. Das Gebiet rund um Groß Schauen nimmt die Ökologin deutlich genauer unter die Lupe: „Alle zwei Wochen Tage kontrolliere ich die Kameras und tausche die Speicherkarten aus“, sagt Rychlak. Häufiger will sie die Fotofallen nicht ansteuern, weil sie die Fischotter und andere Tiere so wenig wie möglich stören will. Einen Tag pro Woche ist sie außerdem im Gebiet unterwegs, um mit eigenen Augen nach Spuren von Ottern zu suchen. Für ihre wissenschaftliche Arbeit darf Rychlak auch abseits der Wege nach Spuren suchen. Und da, der kleine Haufen, in dem man deutlich noch einzelne Fischschuppen erkennen kann, das ist die Hinterlassenschaft eines Fischotters!

Jeder Pfotenabdruck ein Punkt in der App

Kothaufen sind dabei nur ein Indiz für das Vorkommen. Als Nachweismethode anerkannt sind neben direkten Sichtungen auch eindeutige Bilder von Fotofallen oder ein Pfotenabdruck. Einen solchen findet Rychlak kurze Zeit später in einer alten Wildschweinsuhle: Wo der Laie nur eine unförmige Vertiefung im schlammigen Boden sieht, erkennt die Ökologin die charakteristische Form eines Hinterlaufs. Die Spur wird vermessen. Dann trägt Rychlak das Alter des Abdrucks und den genauen Fundort in eine App auf ihrem Handy ein.

„Anhand der Daten kann ich zum Beispiel sehen, wo in der Region es besonders viele Otteraktivitäten gibt“, sagt Rychlak. Drei bis vier Schwerpunkte hat sie am Ufer schon lokalisiert. Die Informationen können dabei helfen, mögliche Nutzungskonflikte in Zukunft zu vermeiden: Uferbereiche, die besonders stark vom Otter frequentiert werden, sind möglicherweise nicht der ideale Standort für eine Fischreuse. Und falls Rychlak bei ihrer Suche die Kinderstuben der Otter findet, könnte man diese Bereiche behutsam vor Störungen schützen.

Fast weg, nun wieder da

Vielleicht kann der Nachwuchs aus Groß Schauen auch dabei helfen, dass die seltenen Otter in Zukunft wieder in ganz Deutschland anmutig durchs Wasser gleiten: Bis heute fehlt die Art in weiten Landesteilen. Wegen ihres dichten Pelzes und als Nahrungskonkurrent wurden die Otter im 19. und 20. Jahrhundert fast ausgerottet. Aus kleinen Restpopulation in Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern breiten sich die Marder seit etwa 1990 wieder aus. In Ostdeutschland ist die Art mittlerweile flächendeckend vertreten. Auch Schleswig-Holstein, Teile Niedersachsen und der Ostrand Bayerns sind wieder besiedelt. In der südwestlichen Landeshälfte fehlt der Fischotter dagegen noch völlig. Mit den Jahren schiebt sich die Verbreitungsgrenze immer ein paar Kilometer weiter in diese Richtung, aber es ist ein mühsames Vorankommen.

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