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Klimawandel im Garten

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Die Veränderungen durch den Klimawandel sind weltweit sichtbar. Dürren, Hochwasser oder Brände sind die gravierendsten Veränderungen. Die Weltgemeinschaft steht vor der Herausforderung mit den Folgen umzugehen. Kann man angesichts der globalen Dimension und der schier übermächtigen Auswirkungen nur noch den Kopf in den Gartenboden stecken?

 

Alle Macht den Gärtnern!

Jeder zweite Privathaushalt hat einen eigenen Garten. Insgesamt gibt es in Deutschland 17 Millionen Gärten (1). Davon sind eine Million Schrebergärten mit einer Fläche von rund 440 Quadratkilometern (2). Gärten sind eine wertvolle grüne Infrastruktur Natur und Mensch. Sie können also eine maßgebliche Wirkung gegen den Klimawandel entfalten.  

Es wird wärmer

In den vergangenen Jahren haben wir es schon erlebt: Das Wetter wird extremer. Was Badefreunde und Sonnenanbeter regelmäßig entzückte, trieb dem Gartenfreund die Schweißperlen auf die Stirn. Während langer Hitzeperioden ließ man sich zu Stoßgebeten für ein paar Tropfen Regen hinreißen. Zu absoluten Unzeiten zerzausten Stürme die Staudenbeete oder durchlöcherte Hagel die Salaternte. Später Frost vernichtete die zu frühe Obstbaumblüte und Starkregen schwemmte das Saatgut und die Jungpflanzen vom Beet.

Jahreszeiten aus dem Takt

Die Jahreszeiten verschieben sich. In den vergangenen 50 Jahren begannen Frühling, Sommer und Herbst immer früher. Der Winter ist heute fast vier Wochen kürzer als noch vor einem halben Jahrzehnt (3). Folglich wird auch die Vegetationsperiode länger. Dies kann Vor- aber auch Nachteile haben.  Zukünftig müssen sich Gartenfreunde auch im Winter mit Unkrautjäten herumquälen, denn die Ruhephase ist kürzer und der Boden wird wärmer. Unter diesen Voraussetzungen ist altes Gärtnerwissen nicht mehr hilfreich. Am ehesten kann man sich am phänologischen Kalender orientieren, der Gartenarbeiten bestimmten Entwicklungsstadien in der Pflanzenwelt zuordnet. Der phänologische Kalender passt in jedes Klima und jede Landschaft. Dann ist es nicht mehr wichtig, ob man Rosen im März oder April schneidet, Hauptsache man tut es kurz nach der Forsythienblüte.

 

Extremen standhalten: Gärten gegen Klimafolgen stark machen

Gartenfreunde müssen, um ihre Gärten fit für den Klimawandel zu machen, ihre Gartenpraxis anpassen. Die Bodenbearbeitung und die Bewässerung müssen an trockene Sommer und milde Winter angepasst werden. Im Kern sollte man auf drei Dinge achten: richtig mulchen, richtig gießen und die richtige Pflanzenwahl. Mulchmaterial verhindert das Austrocknen und die Erosion des wertvollen Gartenbodens.  Außerdem wird die Bodenfruchtbarkeit erhöht und Unkraut unterdrückt. Robuste Pflanzen überstehen starke Wetterereignisse leichter.

Die Auswahl von Saatgut und Stauden wird sich ändern. Eine große Rolle werden in der Zukunft alte Obst- und Gemüsesorten spielen, die die genetische Anpassung an bestimmte Klimaeffekte bereits in sich tragen. Auch sollte man darauf achten, Arten auszuwählen, deren Wasserverbrauch eher niedrig ist. Denn beim Gießen gilt in Zukunft, weniger ist mehr. Lieber einmal intensiv gießen, als zu oft nur oberflächlich. Oberflächenwasser ist für die Pflanzen meist nicht verfügbar, denn es verdunstet schnell. Außerdem lernen die Pflanzen nicht, sich Wasser aus tieferen Erdschichten zu besorgen. Ihre Wurzeln bleiben an der Oberfläche. Mit einer angepassten Gartenpraxis wird sich auch das Aussehen unserer Gärten verändern. Große Rasenflächen und Beete mit durstigen Stauden werden nur noch schwer über trockene und heiße Sommer zu retten sein.  Wir werden neue Pflanzengesellschaften und neue Mitbewohner kennenlernen.

 

Gewinner und Verlierer des Klimawandels

Neue Klimabedingungen bedeutet für die meisten Arten Veränderungen ihrer Vorkommen. Einige Tier- und Pflanzenarten breiten sich zu langsam aus, um angestammte Lebensräume zu verlassen und neue zu besiedeln. Der Klimawandel ist zu schnell für sie. Sie werden verschwinden. Andere Arten, die sehr mobil sind, werden neue Lebensräume besiedeln, wenn es sie denn gibt. Die Artenzusammensetzung in unserer Umwelt wird sich massiv ändern. Wärmeliebende Arten und solche, die mit Trockenheit umgehen können, werden profitieren.

 

Das wird sich für Gartenfreunde ändern

Für Gartenfreunde ist der größte Vorteil des Klimawandels, dass sich die Vegetationsperiode und damit das Anbaufenster verlängert. Kübelpflanzen können länger im Freien bleiben. Einige, wie robuste Oleander oder Olivenbäume können in Zukunft sogar ganzjährig an die frische Luft. Nur an strengen Frosttagen brauchen Sie eine schützende Vliesdecke. Außerdem werden späte Saaten im Herbst möglich. Auf mittlerweile freien Beeten könnte eine zusätzliche Gemüsekultur bis zum Winter heranreifen. Blatt-, Kohl- und Wurzelgemüse wachsen im warmen und feuchten Herbst munter weiter. Durch die besseren Bedingungen muss man allerdings auch mit zahlreichen und hartnäckigen Pilzkrankheiten, gefräßigen Insekten oder großen Wühlmauspopulationen rechnen.