Heinz Sielmann (1): „Vögel über Haff und Wiesen” – der Beginn einer großen Leidenschaft

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Heinz Sielmann wurde am 2. Juni 1917 in Rheydt/Mönchengladbach geboren. Als er sieben Jahre alt war, zog die Familie in die Heimat des Vaters nach Ostpreußen, wo Dr. Paul Sielmann in Königsberg eine Radio-, Elektro- und Baustoffhandlung eröffnete. Privat war Vater Sielmann passionierter Jäger und Angler. Die weiten Wälder und Seen Ostpreußens sowie die Kurische Nehrung mit der weltberühmten Vogelwarte Rossitten waren für ihn ein wahres Paradies.

Heinz Sielmann auf der Kurischen Nehrung bei der Beobachtung der schnepfenartigen Wiesenvögel

Heinz Sielmann auf der Kurischen Nehrung bei der Beobachtung der schnepfenartigen Wiesenvögel.

Der Sohn begleitete seinen Vater liebend gern bei seinen Streifzügen durch die Natur. Und so kam es, wie es kommen musste: Der junge Heinz Sielmann begeisterte sich immer mehr für die Natur und insbesondere die schnepfenartigen Wiesenvögel wie Bekassine, Kiebitz, Rotschenkel und Uferschnepfe.

Leider beeinträchtigten diese ersten „Expeditionen ins Tierreich” die schulischen Leistungen des jungen Heinz Sielmann erheblich. Deswegen stand der Vater den Ausflügen des naturbegeisterten Sohnes mit großer Skepsis gegenüber. Die Mutter jedoch förderte die Leidenschaft ihres Sohnes und schenkte ihm trotz der immer schlechter werdenden schulischen Leistungen eine Mentor-Spiegelreflexkamera 9 x 12 mit einem Zeiss Tele-Objekt, schon damals eines der besten Teleobjektive der Welt. 

Die schulischen Leistungen Heinz Sielmanns wurden zwar nicht besser, aber die mit der neuen Kamera dokumentierten Forschungsergebnisse über die schnepfenartigen Wiesenvögel beeindruckten den Direktor des Zoologischen Instituts und Museums an der Albertus-Universität in Königsberg. Professor Köhler lud den jungen Vogelforscher ein, vor der Gesellschaft der Freunde des Zoologischen Museums über seine Entdeckungen zu berichten. Später berichtete das „Königsberger Tageblatt” über die „erstmaligen Forschungsergebnisse” Heinz Sielmanns.

Mit seinem Vortrag hinterließ er außerdem großen Eindruck bei seinen Lehrern. Sie gewährtem ihrem Schüler sogar verlängerte Herbstferien, die Heinz Sielmann als Beobachter auf der Vogelwarte Rossitten auf der Kurischen Nehrung verbrachte. Hier lernte er zwei Männer kennen, die auf seinen beruflichen Werdegang entscheidenden Einfluss haben sollten: Professor Dr. Erwin Stresemann, Generalsekretär der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft und einer der bedeutendsten Ornithologen des 20. Jahrhunderts, und Dr. Horst Siewert, Leiter der Forschungsstelle Deutsches Wild in der Schorfheide.

Als Heinz Sielmann 1938 „entgegen aller Erwartungen” (O-Ton Heinz Sielmann) sein Abitur bestand, schenkten ihm die Eltern seine erste Filmkamera, eine Ciné Kodak Spezial. Mit eben dieser Kamera dokumentierte Heinz Sielmann seine langjährigen Beobachtungen der Schnepfenvögel: „Vögel über Haff und Wiesen” entstand. Das Erstlingswerk Heinz Sielmanns erntete großen Beifall und legte den Grundstein für die einzigartige Karriere Heinz Sielmanns als Natur- und Tierfilmer.

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