Heinz Sielmann (2): „Lied der Wildbahn” – der erste Kinofilm und die Liebe seines Lebens

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Nachdem Heinz Sielmann 1938 mit seinem Erstlingswerk „Vögel über Haff und Wiesen” den Grundstein für seine Karriere als Natur- und Tierfilmer gelegt hatte, sollte nach dem Kriege der nächste Schritt auf der Karriereleiter folgen: Vom Niedersächsischen Ministerium für Landwirtschaft und Forsten erhielt Heinz Sielmann den Auftrag, einen abendfüllenden Dokumentarfilm über das Leben der heimischen Wildtiere zu drehen.

Original Filmplakat von "Lied der Wildbahn - Belauschtes Leben in Wald, Moor und Heide", 2 Jahre Kamerajagd mit Heinz Sielmann

Ausschnitt aus dem Original Filmplakat von "Lied der Wildbahn"

Mit seinem Film sollte Heinz Sielmann die Auswirkungen des Krieges auf die einst artenreichen Landschaften wie Wald, Meer und Heide zeigen und bei den Menschen mehr Verständnis für die Natur wecken. Im Herbst des Jahres 1949 wurde „Lied der Wildbahn” in Hannover uraufgeführt. Der Film wurde ein großer Kinoerfolg und warb in Stadt und Land für den Schutz der Natur.

Dreharbeiten führten Heinz Sielmann zur Liebe seines Lebens

Während der Dreharbeiten zu „Lied der Wildbahn” reiste Heinz Sielmann in regelmäßigen Abständen zum „Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht” in der Hamburger Rothenbaumchaussee, um das belichtete Material zu sichten. Im selben Gebäude befand sich der Schulfunk des NDR – wo eine gewisse Inge Witt arbeitete. Sie interessierte sich sehr für die Arbeit des Tierfilmers und wenig später auch für ihn selbst. 

Heinz Sielmann sagte dazu in einem Interview: "Es hatte sich im NDR bald herumgesprochen, dass ein junger „Waldläufer“ im Vorführraum seine Tierfilme anschaute, und jedes Mal schlichen Angestellte des NDR in den Kinoraum, um „Tiere in freier Wildbahn" zu erleben. Unter ihnen war Inge Witt. Ich kam mit der jungen Dame ins Gespräch und war beeindruckt von ihrem Interesse und ihrer Sachkenntnis."

Deswegen begleitete die junge Inge Witt ihn zu Dreharbeiten in den Harz, den Deister und die Lüneburger Heide. Und so kam es, wie es wohl kommen musste: Am 22. Dezember 1951 heirateten Heinz und Inge in Hamburg. Statt jedoch auf Hochzeitsreise zu gehen, zog das junge Ehepaar einen Tag später nach München, wo sich das erweiterte „Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht” befand. Im Herbst 1954 wurde Sohn Stephan geboren.

Verhaltensforschung in Tierdokumentationen – ein erfolgreiches Konzept?

In Heinz Sielmann wuchs mehr und mehr der Wunsch, mit seinen Filmen die Verhaltensweisen von Tieren zu dokumentieren, die den Menschen sonst verborgen blieben. Dank seiner Tätigkeit im ersten Nachkriegsinstitut von Professor Lorenz, einem der Hauptvertreter der klassischen vergleichenden Verhaltensforscher, bekam Heinz Sielmann dazu ausreichend Gelegenheit. Gemeinsam mit seinem Freund, dem Verhaltensforscher und Evolutionsbiologen Prof. Dr. Dr. h. c. Irenäus Eibl-Eibesfeldt, produzierte Heinz Sielmann zahlreiche Unterrichtsfilme wie „Im Hamsterrevier” (1952), „Konzert am Tümpel” (1952), „Die Iltiskoppel” (1954-56) und „Zimmerleute des Waldes” (1954).

1954 gelang Heinz Sielmann ein ganz besonderer Erfolg: Mit „Woodpecker”, der englischen Version von „Zimmerleute des Waldes”, übertraf er in einer Sendung der BBC in England sogar die Einschaltquoten des Finales der Fußballweltmeisterschaft in Bern. Heinz Sielmann bediente sich bei den Dreharbeiten zu diesem Film völlig neuer und bis dato für nicht durchführbar gehaltener Methoden: Es gelang ihm, die Nisthöhle der Schwarzspechte in ein Filmstudio zu verwandeln, indem er sie auf der Rückseite öffnete und die Rückwand durch eine Glasscheibe ersetzte. Diese neuartigen Filme Heinz Sielmanns über das Verhalten der Tiere begründeten seine langjährige Zusammenarbeit mit der BBC und dem NDR.

Entdecken Sie hier, wie Heinz Sielmann "Zimmerleute des Waldes" gedreht hat: 

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