Heinz Sielmann (3): „Wiesensommer” – lehrreiche Aufnahmen in Farbe

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Heinz Sielmann hatte es sich zum Ziel gesetzt, in seinen Filmen Verhaltensweisen von Tieren zu dokumentieren, die den Menschen sonst verborgen blieben. Nachdem er seinen Zuschauern mit „Zimmerleute des Waldes” faszinierende Einblicke in das (Familien-)Leben der Schwarzspechte geboten hatte, stand das nächste Filmobjekt fest: eine naturbelassene Wiese mit ihrem Artenreichtum.

Heinz Sielmann vor einem Hummelnest bei den Dreharbeiten für "Wiesensommer" 1954

Heinz Sielmann vor einem Hummelnest bei den Dreharbeiten für "Wiesensommer" 1954

Der Film „Wiesensommer” wurde im Nymphenburger Park in München gedreht und entstand – wie auch der Vorgänger „Zimmerleute des Waldes“ – im Auftrag der FWU, dem Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht. In einem Treibhaus richtete Heinz Sielmann ein Filmatelier ein, in dem er in kleinen Terrarien viele Vorgänge aus dem Leben der Wiesenbewohner nachstellen konnte, um sie so besser filmen und den Menschen präsentieren zu können. 

Faszinierende Aufnahmen mit neuster Filmtechnik

Die Zuschauer sollten erleben, wie sich die Vegetation der Wiese verändert und wie die Wiesenbewohner, Pflanzen und Kleintiere, zusammenleben. Um diese eindrucksvolle Vielfalt besonders in Szene zu setzen, entschloss sich Heinz Sielmann, zum ersten Mal in Farbe zu drehen.

Doch damit nicht genug: Heinz Sielmann gab sich nicht damit zufrieden, „nur” einen Farbfilm zu drehen. Auch im „Wiesensommer” durften sich seine Zuschauer wieder einmal über den Einsatz völlig neuartiger Filmtechniken freuen: Eine Kamera nahm alle paar Sekunden ein Bild auf und ein Blitzgerät, mit dem sie synchronisiert war, sorgte für ausreichende Belichtung. Diese Einzelbilder fügte Heinz Sielmann zu sensationellen Bewegtbildern zusammen. Dank dieser für die damaligen Verhältnisse absolut innovativen Zeitraffertechnik konnte Heinz Sielmann das Wachsen der Gräser und das Entfalten der Blätter und Blüten für die Zuschauer an den Fernsehbildschirmen verdeutlichen. Mehr noch: Die Zuschauer konnten die wunderbare Metamorphose eines Schmetterlings miterleben und beobachten, wie aus einer unscheinbaren Puppe ein prächtiger Falter schlüpft.

Kleine Stars ganz groß

Zum absoluten Star in „Wiesensommer” wurde die Erdhummel (Bombus terrestris). Das Filmteam um Heinz Sielmann dokumentierte ihre Blütenbesuche und filmte ihr Leben unter der Erde. Zu diesem Zweck wurde das Hummelnest kurzerhand ausgegraben und in einen Kunstbau in einem Gewächshaus gebracht, in dem Heinz Sielmann sein kleines Filmatelier eingerichtet hatte. So konnte er, wie schon bei "Zimmerleute des Waldes", Einblicke in das Leben heimischer Tiere bieten, die einzigartig waren. 

So wurde der Film nicht nur ein besonders farbenprächtiger, sondern auch ein äußerst lehrreicher und erfolgreicher. 1957 wurde „Wiesensommer” bei den Filmfestspielen in Cannes als bester Naturfilm ausgezeichnet.

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