Heinz Sielmann (6): „In der Savanne Ostafrikas” – Verhaltensforschung in Kenia

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Die National Geographic Society in Washington beauftragte 1964 Heinz Sielmann, einen Film zu drehen, der das Gemeinschaftsleben bei Tieren zeigen sollte – möglichst an einer einzigen Tierart. Sielmann musste nicht lange überlegen: Für einen solchen Film waren Paviane am besten geeignet.

Mit einem lebensechten, ausgestopften Leoparden dokumentierte Heinz Sielmann das Verhalten von Pavianen.

Mit einem lebensechten, ausgestopften Leoparden dokumentierte Heinz Sielmann das Verhalten von Pavianen.

Paviane bilden Gemeinschaften von 20 bis 50 Tieren der verschiedensten Altersgruppen, die vom stärksten Pavianmännchen angeführt werden. Jungtiere werden von allen gemeinsam geschützt und auch die Warnung vor Gefahren, die Abwehr von Feinden und die Sicherung bei Wanderungen sind perfekt ausgebildet.

Auf der Suche nach den Filmstars

Während in Deutschland Winter herrschte, landete Heinz Sielmann mit seinem Team in Nairobi unter strahlend blauem Himmel. Diesmal begleitete ihn seine Frau Inge. Mit geländegängigen Wagen ging es in den Nairobi-Nationalpark. Obwohl dieses Schutzgebiet nur 10.000 Hektar groß ist, sind dort fast alle wilden Tiere Kenias versammelt und an Fahrzeuge mit Menschen gewöhnt.

Sielmann suchte eine Paviangruppe, die Menschen nah genug an sich heranließ, aber auch nicht zu zutraulich war. Er fand eine Gruppe von etwa 35 Tieren, deren alltägliches gemeinschaftliches Leben sich wunderbar mit der Kamera festhalten und dokumentieren ließ.

Doch der Tierfilmer wollte mehr. Sein Hauptanliegen war es, zu dokumentieren wie die Paviangruppe auf einen Löwen oder einen Leoparden – ihre schlimmsten Feinde – reagieren würde. 

Paviane vs. Leopard – ein spannender Kampf

Da die Raubtiere es von sich aus nicht wagen, eine geschlossene Herde anzugreifen, war es recht unwahrscheinlich, solch eine Begegnung zu filmen. Heinz Sielmann wagte daher ein Experiment: Er legte einen lebensechten, ausgestopften Leoparden auf den Weg der umherstreifenden Herde.

Die vier Männchen an der Spitze der Gruppe sprangen erschrocken ein paar Schritte zurück und warnten mit durchdringendem Gebrüll die nachfolgende Sippe. Schließlich warf sich der Anführer auf den Todfeind. Wutschnaubend schlug er seine Eckzähne in den Körper des falschen Leoparden. Mit Riesenkräften riss er ihn vom Boden und schüttelte die Attrappe wie ein Jagdhund einen Hasen. Nun eilten auch die anderen Männchen herbei, um ihre Zähne in den Feind zu schlagen. Entgegen der Erwartung liefen die Pavianfrauen und Jungtiere nicht davon. Im Gegenteil, sie bildeten einen Kreis um den Kampfplatz.

Schließlich erkannten die Paviane, dass sie es nicht mit einem echten Feind zu tun hatten. Er hatte sich nicht gewehrt, niemand war verletzt. Nach etwa 20 Minuten hatte sich die Herde wieder beruhigt und zog weiter.

Nicht immer verliefen die Dreharbeiten mit den wilden Tieren ohne Gefahren für den Tierfilmer. Wagte er sich zu nah an sie heran, wurde er auch schon mal attackiert. Doch auf all seinen Expeditionen und Reisen hat ihn sein Glück nie verlassen.

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