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Im Garten ist es niemals still – wie Pflanzen mit Insekten kommunizieren

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Lange Zeit als pure Vegetation verkannt, wissen wir heute, dass Pflanzen tatsächlich Lebewesen mit feinen Sinnen sind: Sie nehmen nicht nur sehr differenziert ihre Umwelt und das Treiben darin wahr, sondern tauschen sich darüber sogar intensiv aus – nicht nur untereinander, sondern auch mit Insekten. Einen Einblick in das erstaunliche Sprachvermögen unserer grünen irdischen Mitbewohner gibt Gartenbuchautorin Bärbel Oftring.

Dr. Hannes Petrischak Hier entlang! Die dunklen Streifen markieren die Landebahn Richtung Nektar und Pollen für die Auen-Schenkelbiene.

Über die Pflanzensprache

Pflanzen sind erstaunliche Wesen: Sie nehmen Licht wahr ohne Augen, erkennen Gerüche ohne Nase und Geschmacksstoffe ohne Zunge, vernehmen Schallwellen ohne Ohren und tasten ohne Finger. Diese feinen Sinne sind eine wichtige Voraussetzung, um kommunizieren zu können. Die Sprache der Pflanzen besteht allerdings nicht aus akustischen Lauten, sondern aus chemischen Molekülen, die sie unter- und oberirdisch über ihre Wurzeln, Blätter, Blüten und Früchte empfangen und aussenden. Bislang sind über 2000 verschiedene Wörter der Pflanzensprache bekannt – da ihre Erforschung erst auf Kindesbeinen steht, werden wir sicherlich im Lauf der nächsten Jahre noch viele weitere entdecken, inklusive überraschender Erkenntnisse über das Geflüster von Pflanze zu Tier und Pflanze.

Pflanzen locken Insekten zum Blümchensex

Das schönste Kapitel der Pflanzensprache ist die Kommunikation mit den bestäubenden Insekten. Ohne Bestäubung keine Samen und keine Früchte! Über 80 Prozent der heimischen Pflanzen und sogar über 90 Prozent unserer Nutzpflanzen sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Diese Zusammenarbeit hat vor ungefähr 100 Millionen Jahren begonnen: Die ersten Bestäuber waren Käfer und Fliegen. Auch heute noch gehören sie zu den wichtigsten Bestäubern von flachen Blüten mit offen angebotenem Nektar und Pollen. Als dann Schmetterlinge und später Bienen auf der Bühne erschienen, haben sich die Blüten und diese Insekten durch feine Kommunikation perfekt in Form und Timing aneinander angepasst. 

Ein Beispiel für das Zusammenspiel von Pflanzen und Insekten

Von Mitte Juni bis Oktober fliegt in unseren Gärten die Garten-Wollbiene (Anthidium manicatum). Diese Wildbiene sammelt Pollen und Nektar vor allem auf Hornklee, Kronwicke, Hauhechel und Luzerne sowie auf verschiedenen Lippenblütlern. Wenn die Blüten das Summen der sich nähernden Wildbiene wahrnehmen, erhöhen sie den Zuckergehalt ihres Nektars – so locken sie sie gezielt an. Die Wahrscheinlichkeit tatsächlich besucht und bestäubt zu werden, steigt, je reicher der Blütentopf gefüllt ist. Blüten vermögen aber noch mehr: Sie registrieren elektrostatische Ladung. Viele Pollen tragen solche Ladungen. Nähert sich der Pflanze solch geladener Pollen auf dem Körper der Wildbiene, so öffnen sich in Sekundenschnelle die Blüten – die Tür geht einladend auf für fleißige Bienchen.

Arbeitserleichterung dank Ampelsystem

Bienen auf Nektarsuche müssen schnell bestäubte Blüten ohne Pollen und Nektar von unbestäubten, noch nektar- und pollenhaltigen Blüten unterscheiden. Und tatsächlich erleichtern manche Blütenpflanzen den Bienen auch diese Arbeit. Dazu haben sie eine Ampel eingebaut. Die bekannteste ist die der Rosskastanie, die zwischen April und Juni blüht. Dabei blühen nicht alle Blüten innerhalb eines kerzenförmigen Blütenstands gleichzeitig auf, sondern nacheinander. Darum müssen Bienen immer wieder um dieselben Blütenkerzen herumfliegen, um die neuen Blüten zu besuchen. Diese können Bienen ganz leicht erkennen, denn jede Blüte besitzt einen bunten Fleck. Dieser Fleck ändert seine Farbe, wenn die Blüte bestäubt ist – und weil Bienen sehr gut Gelb, aber kein Rot sehen können, ahnen sie schon die Farbwahl der Ampel: Bienenanlockendes Gelb heißt Blüte ist unbestäubt, Rot heißt bestäubte Blüte. Sie fällt den rotblinden Bienen überhaupt nicht ins Auge.

Pflanzen warnen vor Schädlingen und rufen sogar gezielt Gegenspieler herbei

Saugen oder knabbern Blattläuse, Käfer oder Raupen an Blättern, Trieben und Zweigen, so ist Alarmstufe Rot angesagt. Pflanzen nehmen das Gefressenwerden nämlich nicht so einfach hin. Wird eine Pflanze von solch einem unwillkommenen Kostgänger heimgesucht, ergeht sofort ein chemischer Hilfeschrei an die Umgebung – und zwar in Form eines heftigen Schwalls an Warnstoffen, der durch die Luft in alle Richtungen katapultiert wird. Dieser Alarm duftet nach Menthol, Harz, Limonen und anderen Terpenen. Er warnt die umstehenden Pflanzen vor der Schädlingsattacke, sodass diese ihre innere Abwehr mit scheußlich schmeckenden Gerbsäften oder Senfölen hochfahren können – und er lockt Raubwanzen, Schlupfwespen und andere Feinde der saugenden und knabbernden Tiere an, für die der Tisch auf dem Pflanzenkörper ordentlich gedeckt ist. Übrigens nehmen Pflanzen auch anhand des Speichels genau wahr, wer da an ihnen knabbert – ob Raupe, Käfer, Reh oder Gartenschere.

Die Autorin

Noch mehr über die Sprache der Pflanzen erfahren Sie in „Im Garten ist es niemals still – wer die Sprache der Pflanzen versteht, gärtnert erfolgreicher“ von Bärbel Oftring, erschienen im KOSMOS-Verlag, erhältlich in jeder Buchhandlung.

ISBN 978-3-440-17009-0

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