Insekten finden und beobachten – auch im Winter möglich

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Auch auf kurzen Ausflügen lässt sich viel entdecken – vor allem Käfer sind Tiere, die man fast immer beobachten kann. Mit etwas Glück lassen sich dabei sogar echte Besonderheiten finden.

Ein Stierkäfer (Typhaeus typhoeus) – in der Heide sind im Winter leider nur tote Exemplare zu finden. Foto: L. Wendlandt

Ein Stierkäfer (Typhaeus typhoeus) – in der Heide sind im Winter leider nur tote Exemplare zu finden. Foto: L. Wendlandt

Ein kühler Märztag, die Kraniche fliegen über die Heide und die Sonne scheint das erste Mal seit Tagen wieder durch die Wolken. Wir begeben uns auf die Suche nach Flechten, denn auch über diese wenig beachteten Lebewesen lohnt es sich immer, etwas Neues zu erfahren. Natürlich wird auf jeder Exkursion auch nach anderen Tier- oder Pflanzengruppen Ausschau gehalten, so wie ich als Koleopterologe (auch Käfersammler genannt) auch dieses Mal wieder nach Käfern suche.

Springrüssler voraus!

Wir kommen an einem kleinen Eichenhain (Quercus robur) an und bestaunen die Vielfalt an Flechtenarten, die hier vorzufinden ist. Unter Anderem sehen wir das Eichenmoos (Evernia prunastri), die Röhrige Blasenflechte (Hypogymnia tubulosa) und die Blattflechtenart Melanohalea exasperatula. Ich suche unter der Rinde eines abgestorbenen Astes nach Käfern und werde sogar direkt fündig. Drei Exemplare des Eichen-Springrüsslers (Orchestes quercus) haben hier ein Versteck gefunden. Wie der Name „quercus“ (lateinisch für Eiche) vermuten lässt, handelt es sich um einen Rüsselkäfer, der typischer­weise an Eiche zu finden ist und dank seiner musku­lösen Hinterbeine bei Gefahr wegspringen kann. Die rötlich-gelbe Zeichnung seiner Flügeldecken macht ihn zu einem wirklich schönen Vertreter der Familie der Rüsselkäfer.

Bunker als Winterquartier

Als nächstes gelangen wir an einen alten, verfallenen Bunker, dessen Außenwand einen Lebensraum für zahlreiche gesteinsliebende Moos- und Flechtenarten bietet. Am Eingang des Bunkers führt eine Treppe ins Innere und an dieser liegen einige tote Käfer, die ihren Weg aus dem Bunker leider nicht mehr gefunden haben. Unter anderem finde ich dort einige Stierkäfer (Typhaeus typhoeus). Diese Art ist ein typischer Heidebewohner, der sich von Kaninchen- oder Schafskot ernährt und in der Döberitzer Heide häufig anzutreffen ist.

Kurze Zeit später entdecken wir ein Rohr aus Metall, welches in ein Loch im Boden führt. Mit der Taschenlampe leuchte ich ins Innere und entdecke zuerst zahlreiche tote Mistkäfer, die in das Loch gefallen sein müssen, und dann auch vier Tagpfauenaugen (Aglais io), die hier wohl ihr Winterquartier gefunden haben.

Unverhoffte Entdeckung

Nicht weit entfernt gelingt auch schon der Fund des Tages: Ich drehe einen Holzbalken um und entdecke unter diesem einen Vertreter der Gattung der Rotsaum-Blattkäfer, der sich später als Chrysolina analis herausstellen sollte.

Diese Art wurde das letzte Mal im Jahr 1997 in Brandenburg gefunden. Es handelt sich also um einen Wiederfund nach über 20 Jahren und um einen Erstnachweis in der Döberitzer Heide.

Die Art ist aktuell fast ausschließlich im Nordosten Deutschlands nachgewiesen und lebt bevorzugt an sandigen Standorten von der Wiesen-Schafgarbe (Achillea millefolium). Die Art erreicht eine Größe von 3,5 - 6,5 mm und wurde im Jahr 1767 erstmalig von Carl von Linné beschrieben. Merkmale sind eine lebhaft violett, blau oder schwarzgrün gefärbte Oberseite und ein rötlicher Rand der Flügeldecken. Die Bestimmung ist jedoch nicht sehr einfach, da es noch viele, sehr ähnliche Vertreter dieser Gattung gibt. Unterschiede zu verwandten Arten sind beispielsweise die relativ geringe Größe und ein glatter, gleichmäßig gewölbter Halsschild. 

Es zeigt sich also, dass man trotz der kalten Temperaturen auch im Winter sowohl Käfer als auch Schmetterlinge beobachten kann, wenn man nur die Augen offen hält und gezielt sucht.

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