Wiederbewaldung in Afrika: Interview zur Initiative AFR100

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Seit diesem Jahr ist die Heinz Sielmann Stiftung technischer Partner von AFR100, der größten Initiative für Wiederbewaldung in Afrika. Als erste deutsche privatrechtliche Stiftung engagiert sich die Heinz Sielmann Stiftung in diesem Projekt. Was das konkret bedeutet und welche Rolle die Stiftung in diesem Projekt übernimmt, erklärt Elisabeth Hüsing, Referentin für Internationale Zusammenarbeit.

Elisabeth Hüsing betreut den Bereich Internationale Zusammenarbeit bei der Heinz Sielmann Stiftung und berichtet von den Fortschritten der weltweit größten Wiederbewaldungsinitiative in Afrika.

NK: Frau Hüsing, wie sind Sie zum Thema Internationale Zusammenarbeit gekommen?

EH: Die Heinz Sielmann Stiftung hat schon immer internationale Projekte unterstützt. Vor zwei Jahren wurde in der Stiftung entschieden diesen Bereich zu stärken und strategisch stärker in Richtung nachhaltige Entwicklung auszurichten. In einer globalisierten Welt müssen wir über unsere Ländergrenzen hinweg systemisch denken. Natur macht ja auch nicht vor Grenzen auf Papier halt. Ich habe Forstwissenschaften an der Technischen Universität München studiert, habe dort schon einen Schwerpunkt auf internationale Forstwirtschaft gelegt und danach auch längere Zeit im Ausland gearbeitet. Mich beschäftigt die Frage, wie wir unsere Welt nachhaltig gestalten können, sodass sie für uns und nachfolgende Generationen lebenswert bleibt.

NK: Das Stichwort Globalisierung ist gefallen. Es reicht also nicht mehr lokal zu handeln, sondern man muss sich stärker mit den globalen Zusammenhängen auseinandersetzen?

EH: Alles, was auf meinem Frühstückstisch steht, hat eine globale Auswirkung. In fast jedem Produkt ist Palmöl enthalten, oder unsere Nutztiere werden mit Soja gefüttert. Kakao, Kaffee, Tee, das kommt alles aus anderen Ländern zu uns. Wir sind täglich und in nahezu allen Situationen mit globalen Prozessen beschäftigt – wir verdrängen es nur erfolgreich. Mit diesen Konsummustern haben wir aber auch eine enorme Verantwortung für die nachhaltige Entwicklung der Weltgemeinschaft.

NK: Was sind zurzeit die Arbeitsschwerpunkte im Bereich internationale Zusammenarbeit?

EH: Wir betreuen zwei Projekte zur Wiederbewaldung in Äthiopien und Uganda. Außerdem koordiniere ich unseren Beitrag zur AFR100-Initiative, bei der wir technischer Partner sind. Übrigens als erste deutsche Nichtregierungsorganisation.

NK: Erklären Sie doch kurz, was sich hinter der Abkürzung AFR100 verbirgt.

EH: AFR100 ist eine Initiative zur Wiederherstellung von Wald in Afrika. Die Initiative bringt alle Akteure, die zum Thema Wiederbewaldung in Afrika aktiv sind oder werden wollen, zusammen. Mitglieder sind unter anderem afrikanische Länder, die sich dazu bekannt haben, die Wiederbewaldung voranzutreiben, um Ressourcen zu sichern und biologische Vielfalt zu schützen. Aber auch Banken, Unternehmen oder zivilgesellschaftliche Akteure sind Teil des Netzwerks.

NK: Was ist die konkrete Rolle der Heinz Sielmann Stiftung als technischer Partner der Initiative?

EH: Die afrikanischen Länder sind bereit im Sinne des Klimaschutzes zu handeln. Es gibt auch genügend Finanzierungsmöglichkeiten. Die Frage, wie ein so großes Projekt umgesetzt werden kann, ist noch offen. Die Heinz Sielmann Stiftung kann von Beginn an ihre langjährige Erfahrung aus dem Bereich naturschutzfachliche Renaturierung von Lebensräumen einbringen. Man kann Landschaft natürlich auch mit Plantagen oder nicht heimischen Bäumen aufforsten. Dann bleiben diese Wälder aber triste Monokulturen. Den heimischen Tier- und Pflanzenarten wäre nicht geholfen. Außerdem sind solche Wälder nicht widerstandsfähig gegen die Auswirkungen des Klimawandels. All dies, aber auch die wirtschaftliche Nutzbarkeit der Wälder, muss mitgedacht werden. Wir wollen unser Know-how einbringen, damit Lebensräume geschaffen werden, von denen die Natur, aber auch die Menschen profitieren.

NK: Sie sind zum Partner-Treffen nach Nairobi gefahren und haben alle Akteure der Initiative getroffen. Was sind die Ergebnisse dieser Konferenz?

EH: Das Treffen war eine Möglichkeit für alle sich über weitere Schritte auszutauschen. Die Strukturen für die erfolgreiche Umsetzung der Wiederbewaldung müssen nun aufgebaut werden. Es ist ein sehr großes und langfristiges Vorhaben. Im Moment sind wir noch in der Planungsphase. Mittlerweile gibt es die Zusage von so vielen afrikanischen Ländern, sich mit ihren Flächen an der Wiederbewaldung zu beteiligen, dass 96 % der angestrebten 100 Millionen Hektar Wald für das Projekt zur Verfügung stehen. Im letzten Jahr ist die Bekanntheit und Akzeptanz für das Projekt stark gewachsen. Das erste Ziel der Initiative, die festgelegte Fläche zu sichern, ist also fast erreicht. Wir werden uns stark in die Entwicklung von Richtlinien zur Wiederbewaldung einbringen, als Stimme des Naturschutzes sozusagen. Als technischer Partner begleitet die Heinz Sielmann Stiftung AFR100 also schon im Entstehungsprozess und konnte so auch auf grundlegende Fragestellungen im Sinne einer naturschutzfachlichen Wiederbewaldung einwirken. Später werden wir die Umsetzung konkreter Projekte als Berater begleiten.

NK: Das Programm der Konferenz in Nairobi war sehr umfangreich. Blieb für Sie Zeit für persönliche Begegnungen und Austausch?

EH: Es haben Vertreter aus jedem afrikanischen Land teilgenommen, das Teil der Initiative ist. Die Stimmung war sehr offen, sehr positiv. Es gab eine Aufbruchsstimmung, alle waren sehr engagiert für das Thema und es ist natürlich sehr produktiv, in so einer Atmosphäre zu arbeiten. Es war toll zu sehen, dass AFR100 kein „übergestülptes“ Projekt ist, sondern die Motivation von den einzelnen Akteuren kommt. Außerdem konnte ich die Vertreter der Forstministerien aus Uganda und Äthiopien treffen. Das war wiederum sehr hilfreich für die Umsetzung der Projekte dort. Denn der Projektleiter des Projekts RECO in Uganda, Paul Zaake, hat die Gelegenheit ergriffen und gleich gemeinsam mit den politischen Entscheidern darüber gesprochen, wie sein Projekt weitergeführt werden kann.

Das Interview führte Nora Künkler, Redakteurin für Biodiversität, Natur- und Umweltschutz, Artenschutz.

Hier erfahren Sie mehr über das internationale Engagement der Heinz Sielmann Stiftung.

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