Kinderstube aus Papier: Aus dem Leben der sozialen Faltenwespen

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Die Nähe des Menschen macht einigen sozialen Faltenwespen (Vespidae) das Leben leichter: Gebäude bieten geschützte Stellen für ihre Papiernester und überall lockt reichhaltige Nahrung wie Kuchen und Grillfleisch. Doch nur zwei Arten können uns wirklich lästig werden. Wer sich mit Wespen näher beschäftigt, kann meist problemlos mit ihren Nestern leben und erhält spannende Einblicke in die Lebensweise dieser schützenswerten Insekten.

Süßspeisen wie Erdbeermarmelade ziehen die Deutsche Wespe magisch an.

Süßspeisen wie Erdbeermarmelade ziehen die Deutsche Wespe magisch an.

Mit einem kratzenden Geräusch nagt die Deutsche Wespe Holzfasern für den Nestbau von einem Zaunpfahl ab.

Mit einem kratzenden Geräusch nagt die Deutsche Wespe Holzfasern für den Nestbau von einem Zaunpfahl ab.

An den langen, gebogenen Fühlern ist das Männchen der Gemeinen Wespe gut erkennbar.

An den langen, gebogenen Fühlern ist das Männchen der Gemeinen Wespe gut erkennbar.

Deutsche und Gemeine Wespe lieben Kuchen und Limonade

Wenn Wespen am Kaffeetisch auftauchen, handelt es sich stets um die Deutsche oder um die Gemeine Wespe. Sie ähneln einander sehr. Die Deutsche Wespe (Vespula germanica) hat meist drei gelbe Flecken auf dem Clypeus, dem Gesichtsschild. Die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) zeigt hier in der Regel eine schwarze, ankerförmige Zeichnung.

Beide Arten bauen ihre Nester in versteckten, dunklen Winkeln in Gebäuden oder unterirdisch, z.B. in alten Mäusenestern. Die Nester bestehen aus abgenagtem Holz, das mit Speichel versetzt wird. Im Frühling arbeitet die Königin zunächst allein: Sie fertigt eine Wabe, die sie mit einer Papierhülle umgibt. In die Brutzellen legt sie Eier, aus denen Larven schlüpfen. Sie werden mit erbeuteten Insekten gefüttert. Die Larven entwickeln sich über ein Puppenstadium zu Arbeiterinnen, die der Königin helfen und bald ganz den Nestbau übernehmen, während die Königin weiterhin Eier legt.

Im Spätsommer erreicht das Volk eine Stärke von rund 7000 Arbeiterinnen. Sie jagen vor allem an Blüten äußerst geschickt, insbesondere Fliegen werden oft zur Beute. Ab Ende September schlüpfen auch Jungköniginnen und Männchen, die sich paaren. Die Männchen erkennt man an ihren langen, gebogenen Fühlern. Sie können nicht stechen. Vor Feinden sind sie wie die wehrhaften Arbeiterinnen dennoch durch ihre schwarz-gelbe Warnfärbung geschützt. Man kann Männchen im Spätherbst ebenso wie die Arbeiterinnen häufig an blühendem Efeu auf der Nektarsuche finden. Spätestens mit den ersten Nachtfrösten geht das Volk zugrunde. Nur die Jungköniginnen überwintern in geschützten Verstecken.

 

Zu Unrecht verfolgt: Langkopfwespen

Papiernester in Siedlungsnähe, die zumeist handball- bis fußballgroß frei in Büschen, in oder an Gebäuden hängen, werden von einigen Arten aus der Gattung der Langkopfwespen gebaut. Ihre kräftigen Kiefer sind durch Wangen viel weiter von den Augen getrennt. So erscheint ihr Gesicht gestreckter und sie erreichen auch den Nektar etwas tieferer Blütenkelche. Ihre Völker sind viel kleiner als die der Deutschen und Gemeinen Wespe. Sie umfassen höchstens wenige hundert Arbeiterinnen.

Langkopfwespen greifen nur bei direkter Bedrohung an, etwa wenn das Nest berührt oder erschüttert wird. Sofern man nicht die Einflugschneise verstellt und sich ruhig verhält, kann man sie sogar aus der Nähe beobachten. Unter Dachvorsprüngen, auf Dachböden und in Gartenschuppen nistet häufig die Sächsische Wespe (Dolichovespula saxonica). Ihre schwarze Gesichtszeichnung erinnert an einen Dreizack.

Ähnliche Orte, besonders gern Vogelnistkästen, wählt die Waldwespe (Dolichovespula sylvestris) aus. Kennzeichnend ist der kleine schwarze Punkt auf dem gelben Gesichtsfeld. Nur im Außenbereich von Gebäuden, an Bäumen und in Sträuchern baut die Mittlere Wespe (Dolichovespula media) ihre Papiernester. Sie wird auch als kleine Hornisse bezeichnet, weil ihre Königinnen aufgrund ihrer Größe und der rötlichen Färbung Hornissen-Arbeiterinnen sehr ähnlich sehen. Ihre eigenen Arbeiterinnen sind fast immer sehr dunkel gefärbt.

Leider fallen die Nester der ziemlich friedfertigen Langkopfwespen vielfach sinnlosen Zerstörungen zum Opfer, so dass die Mittlere Wespe sogar schon deutlich seltener geworden ist. Wer sich so verhält, verpasst jedoch das Spektakel, wenn die Jungköniginnen erscheinen und sich vor dem endgültigen Verlassen des Nestes oft tagelang auf der Außenhülle versammeln. Die Arbeiterinnen lassen jetzt nur noch Männchen und Königinnen schlüpfen – die übrigen Larven werden aus dem Nest geworfen.

 

Nützlicher Riese: Die Hornisse

Unsere eindrucksvollste Faltenwespe ist die Hornisse (Vespa crabro). An ihrer Größe und der teilweise rötlichen Färbung kann man sie gut erkennen. Ihre Nester kann man im Wald vor allem in ehemaligen Spechthöhlen in Baumstämmen finden, aber sie besiedelt auch Nistkästen und Dachböden. Hornissen sind geschützte, friedliche und nützliche Tiere – sie erbeuten u.a. die kleineren Wespenarten, deren proteinreiche Brustmuskulatur sie an ihre Larven verfüttern.

Hornissenstiche sind für Menschen nicht gefährlicher als andere Wespenstiche. Nur direkt am Nest können Hornissen aggressiv werden, wenn sie sich gestört fühlen. Man kann mit den Nestern aber gut leben und bis zum Herbst die Entwicklung verfolgen, wenn man einen Sicherheitsabstand von einigen Metern einhält.

Ende September/Anfang Oktober schwärmen auch bei den Hornissen Jungköniginnen und Männchen aus. Sobald der erste Frost einsetzt und die Völker sich nicht mehr wehren können, nehmen sehr oft Vögel frei zugängliche Nester auseinander und fressen die letzten Larven. Im Garten fallen Hornissen manchmal durch ein spezielles Verhalten auf: Sie nagen die Rinde von Zweigen ab, beispielsweise an Flieder, um den austretenden Saft auflecken zu können. Baumsäfte, Nektar und süße Früchte nutzen sie für die Deckung des eigenen Energiebedarfs.

 

Hüllenlos: Feldwespen

Viel kleinere Nester fertigen die Feldwespen der Gattung Polistes an. Sie bestehen meist nur aus einer flachen Wabe ohne Hülle. Die Haus-Feldwespe (Polistes dominula) heftet ihre Waben in Mitteleuropa sehr oft an die Unterseite von Dachziegeln. Im Mittelmeerraum findet man die Nester häufiger im Freien. Erst in den letzten Jahren ist die wärmeliebende Art bis in den Norden Deutschlands vorgedrungen und auch dort stellenweise sehr häufig geworden.

In Sielmanns Naturlandschaften in Brandenburg begegnet man regelmäßig einer weiteren Art, nämlich der Heide-Feldwespe (Polistes nimpha), die ihre Waben an feste Pflanzenstängel dicht über dem Boden baut.

Das weite Gelände der Kyritz-Ruppiner Heide ist auch ein Lebensraum für viele andere Tier- und Pflanzenarten, darunter Seeadler, Wolf und Wiedehopf. Der Anblick der riesigen blühenden Heideflächen ist speziell im August/September einen Tagesausflug wert.

Kyritz-Ruppiner Heide entdecken

 

(Alle Fotos von Dr. Hannes Petrischak)

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