Ein Kranichpaar bezieht Revier in Groß Schauen

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Still liegt der Groß Schauener See. Seine Oberfläche ist so spiegelglatt, dass es auch eine dünne Eisschicht sein könnte. Doch dafür ist es nicht kalt genug an diesem milden, wolkenverhangenen Tag im Januar 2018. Ein Trompetenstoß zerreißt die Stille: „Kurr“ schallt ein Ruf weit über den See. „Kurr“ antwortet ein weiterer Kranich vom diesseitigen Ufer.

Kranichsichtung durch das Fernglas. Foto: Matthias Wichmann

Kranichsichtung durch das Fernglas auf Sielmanns Beobachtungsturm bei Groß Schauen. Foto: Matthias Wichmann

Von Sielmanns Beobachtungsturm zwischen der Fischerei Köllnitz und dem Dorf Selchow haben wir einen guten Blick über die Seenkette und die angrenzenden Wiesen. Wieder schallen die Kranichrufe in großer Lautstärke durch die Stille. Dort hinter der Baumreihe, so vermuten wir, steht eine Gruppe der riesigen Zugvögel auf der nassen Wiese zum Äsen. Zwei Kraniche können wir sehen! Einer der beiden hebt seinen Kopf auf dem langen Hals und lässt wiederum seinen lauten Trompetenruf erschallen. Vom östlichen Ufer kommt sofort die Antwort. Und dann wird uns klar: Diese Kraniche ziehen nicht mehr! Vor uns haben wir ein Paar, das bereits sein Revier besetzt und durch laute Rufe markiert und verteidigt. 

International unterwegs

Kraniche sind Zugvögel und ziehen in der kälteren Jahreszeit in – verglichen mit ihrem Brutgebiet - wärmere Regionen. Im Herbst finden wir an Rastplätzen in Nord- und Nordostdeutschland oft zehntausende Graue Kraniche, die ihre Brutreviere in Skandinavien und im Baltikum verlassen haben und meist auf dem westeuropäischen Zugweg quer durch Deutschland nach Frankreich, und Spanien (Andalusien und  Extremadura) in ihre Überwinterungsgebiete ziehen.

Der Klimawandel wirkt sich aus

In den letzten Jahrzehnten wurde bei vielen Zugvögeln eine Änderung des Verhaltens fest­gestellt: Im Herbst verlassen die Tiere ihre Brut­gebiete früher, im Frühjahr kehren sie früher zurück und oft fliegen sie gar nicht mehr bis in ihre traditionellen Winter­­quartiere. Neuerdings beobachten wir sogar, dass Kraniche in ihren Brut­­revieren über­wintern. Zweifellos sind die milden Winter der letzten Jahr­­zehnte der Grund dafür. Demzufolge wird diese Anpassung des Zug­­verhaltens als Folge des Klimawandels angesehen.

Merkmale, Vorkommen und Lebensweise

Der heimische Graue Kranich (Grus grus) ist eine der 15 Arten der außer in Südamerika und Antarktis weltweit verbreiteten Familie der Kraniche (Gruidae). Dazu gehören der inzwischen sehr seltene, japanische Mandschurenkranich (Grus japonensis), der nord-pazifisch verbreitete Sandhügelkranich (Grus canadensis) und der oft in europäischen Zoos gehaltene, afrikanische Kronenkranich (Balearica regulorum). Sie alle sind große Bodenvögel und leben auf weiten, baumarmen oder kahlen Flächen.

Alle Kraniche unterscheiden sich von Störchen deutlich durch ihren kürzeren Schnabel und von Reihern weiterhin durch den niemals eingerollten Hals. Auch im Flugbild wirken Kraniche daher majestätisch: Große Vögel mit lang gestrecktem Hals und langen Beinen, nur wenige ruhige Flügelschläge ausführend, da sie in großen Höhen die Thermik optimal ausnutzen.

Kraniche sind Allesfresser und ernähren sich von jungen Pflanzentrieben und -samen, Würmern, Insekten und deren Larven, kleinen Fischen, Eidechsen und sogar Mäusen. Eine Besonderheit der Kraniche sind ihre bis zu 130 cm langen, teils im Brustbein eingelagerten Luftröhren, die den großen Resonanzraum für ihre auffälligen Lautäußerungen bilden.

Paarungstanz in Groß Schauen

Das Kranichpaar an Sielmanns Beobachtungsturm an der Groß Schauener Seenkette äst wieder, beide haben ihren langen Hals nach unten gebeugt und suchen in der Wiese nach Nahrung. Dabei dolchen sie mit dem Schnabel in den Boden und lockern durch ruckartige Seitwärtsbewegungen die Erde auf, um Würmer, Larven oder andere eiweißreiche Nahrung aufzustöbern. Dann stehen sie still, recken die Hälse nach oben und verkünden lautstark ihren Revieranspruch. Bald werden sie ihr Balzverhalten intensivieren und vor der eigentlichen Paarung den Tanz der Kraniche zeigen.

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