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Glücksbringer mit heiliger Mission

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Der kleine rote runde Marienkäfer mit den schwarzen Punkten ist allseits bekannt und beliebt. Gerade zum Jahreswechsel begegnet uns das farbenfrohe Insekt in der grauen Winterzeit als Symbol des Glücks und des Neuanfangs. Doch wie kam der Käfer zu seinem guten Ruf?

Der Siebenpunkt-Marienkäfer ist die bekannteste über 80 verschiedenen Arten in Deutschland.

Sympatische Mitbewohner

Marienkäfer kennt eigentlich jeder. Besonders bei Kindern sind diese Krabbeltiere beliebt, denn sie erwecken durch ihre auffällige Farbe und den Glanz der Flügeldecken Aufmerksamkeit. Zudem sind sie häufig in unserer Nähe, in Gärten oder auf Spielplätzen zu finden. Manchmal gelangen sie auch in Häuser und Wohnungen, besonders wenn sie im Herbst Überwinterungsplätze suchen. Gern fliegen die Käfer flink durch die Luft und landen auch mal auf unserer Haut. Dort flüchten sie nicht gleich hektisch, sondern bleiben cool und laufen neugierig umher. Man kann sie in Ruhe betrachten, wie sie langsam von Finger zu Finger krabbeln. Scheinbar reagieren sie sogar auf gesprochene Worte: Der Käfer hält kurz inne, klappt die Flügeldecken auf und fliegt wieder davon.

Woher kommt der Name?

Durch dieses scheinbar zutrauliche Verhalten hat man dem Marienkäfer, insbesondere dem Siebenpunkt eine Nähe zum Überirdischen oder Mystischen nachgesagt. Daher stammt sein gebräuchlichster deutscher Name: nach Maria, der Mutter von Jesus. Ausschlaggebend für die religiöse Nähe der Käfer war neben dem Verhalten auch ihr Erscheinungsbild. Ihre edle roter Farbe erinnert an Blut als Symbol des Lebens oder auch an wertvolles Gold.

Die bedeutsame Zahl Sieben

Die Anzahl der Punkte auf den Flügeldecken beträgt sieben. In der kirchlichen Interpretation der Flecken sind sie Symbol für die sieben Schmerzen Marias, die sie während der Jesus Passion erleidet. Die Sieben hat im Christentum eine tiefe religiöse Bedeutung und gilt als Summe der Dreifaltigkeit und den vier Elementen, aus denen jede Materie der Welt aufgebaut sei. Die Sieben gilt auch als Glückszahl und findet sich in unzähligen weiteren Zusammenhängen wieder: Die sieben Zwerge, die sieben Weltwunder oder James Bond 007.

Die mystische Bedeutung der Zahl sieben ist, wie die des Marienkäfers in unserer Kulturgeschichte, noch viel älter als das Christentum. Die älteste bekannte Darstellung des Marienkäfers ist ungefähr 18.000 Jahre alt und stammt aus einer jungsteinzeitlichen Kultur von eiszeitlichen Jägern in Süd-Frankreich. Es handelt sich dabei um eine kleine Figur, die aus Mammutelfenbein geschnitzt wurde und wahrscheinlich als Talisman getragen wurde.

Vielfraß im Auftrag der Götter unterwegs

In germanischer Zeit galten Marienkäfer als heilige Tiere von Freya, der germanischen Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit. In den bäuerlichen Kulturen betrachtete man die Käfer als heilige Gesandte der Götter und man hegte sie. Sie spielten nämlich eine wichtige Rolle als Schädlingsbekämpfer in der Landwirtschaft. Ungefähr 100 bis 150 Blattläuse kann ein solcher Siebenpunkt täglich fressen. Somit profitierte man von vielen Marienkäfern auf dem Feld durch eine bessere Ernte. Blattlausplagen dagegen führten zu Hunger und Not. Aus dieser vorchristlichen Tradition heraus wurde die Heiligkeit der Marienkäfer auch im Christentum fortgeführt. So wie einige Attribute und Bedeutungen der heidnischen Göttin Freya ohne viel Umschweife auf Maria übertragen wurden, konvertierte auch der Siebenpunkt, und wurde fortan als Botschafter der Mutter Gottes angesehen.

Marienkäfer bringen Glück

Als Tier mit Verbindung zum Überirdischen erhoffte man sich den Käfern Schutz vor Hexen und anderem Unheil. Man schrieb ihnen auch die Fähigkeiten zu, die Zukunft vorauszusehen. So gab es in Frankreich die Annahme, wenn sich ein Marienkäfer auf einen Mann setzt, wird er bald heiraten. Bei Frauen sollten sie sogar die Anzahl Jahre weissagen, bis es zur Heirat kommt. Dafür setze „frau“ sich einen Marienkäfer auf den Zeigefinger und zählte bis er losfliegt.

Ein Käfer mit Sinn für Gerechtigkeit

Als göttliche Tiere hatten Marienkäfer, laut einer Sage sogar die Macht, Todesurteile zu revidieren. So soll sich bei einer Enthauptung ein Marienkäfer auf den Hals des Verurteilten gesetzt haben. Um das heilige Tiere nicht zu verletzten, hielt der Henker inne und nahm den Käfer vom Verurteilten. Sofort flog der Käfer zurück und blockierte wieder die Vollstreckung. Wieder wurde er heruntergesetzt. Das wiederholte sich solange, bis der anwesende König das Treiben bemerkte und dies als Gotteszeichen ansah und den Verurteilten sofort wieder freisprach. Natürlich hatte der Marienkäfer in der Sage absolut Recht, denn der wahre Schuldige wurde bald gefunden und der vormals Verurteilte war wirklich unschuldig.

Was ist das Mutschekiebchen?

Das Marienkäferchen hat sich seit der Eiszeit als Glückssymbol durch all die Jahrtausende erhalten. Heute ist er beliebter Werbeträger, allgemeines Symbol für Glück, gerade in unsicheren Zeiten oder natürlich zum Jahreswechsel, dann meist in Verbindung mit dem Glücksklee.

Die große Bekanntheit, seine Beliebtheit und Symbolik brachten dem Siebenpunkt wie keinem anderen Käfer eine unüberschaubare Anzahl von Namen ein. Ungefähr 1.500 sollen im deutschsprachigen Raum existieren. Dazu zählen Bezeichnungen wie Blattlöwe, Feuermücke, Filippine, Frauenkäfer, Glückskäfer, Gotteskäfer, Graupelmiezchen, Herrgottsöchslein, Himmelsmiezchen, Johanniskäfer, Katharinenkäfer, Läusfresser, Marias Schlüsselmagd, Marienwürmchen, Muhkälbchen, Mutschenkalb, Muttergotteskäfer, Marienkälbchen, Mufferküpchen, Rothkalbl, Siebenpunktkäfer, Sommervögelchen, Sonnenkäfer, Sünnekindken und Sprinzeminze.

Die meisten dieser Namen werden heute kaum noch benutzt. Eine Ausnahme bildet „Mutschekiebchen“. Dieser Name hat sich in Sachsen und Sachsen-Anhalt dank seines einzigartigen Klanges als Dialektwort in der Alltagssprache erhalten. Inzwischen hat es überregionale Bekanntheit erlangt. Die Wortbedeutung geht hierbei zurück auf die Verkleinerungsform von „Mutschekuh“, das seinerseits ein Kosename für „Kuh“ ist, in der Form von „Muh-Kuh“. Durch diese liebevolle Benennung wird die Beziehung zu dem gepunkteten Käfer wie zu einem geschätzten gefleckten Nutztier offensichtlich.

Marienkäfer und Mensch: Eine gute Geschichte

Neben dem bekannten Siebenpunkt-Marienkäfer gibt es in Mitteleuropa noch 80 weitere Arten aus dieser Käferfamilie. Viele davon haben eine ähnlich auffällige Erscheinung mit lackglänzenden Flügeldecken mit roter, oranger, gelber oder schwarzer Grundfarbe und meistens mit kontrastreichen schwarzen oder roten Flecken. Das Muster ist eine Warntracht, die Feinde vor der Giftigkeit der Käfer warnen soll. Die Anzahl der Punkte ist artspezifisch und hat natürlich nichts mit dem Alter der Käfer zu tun. Die meisten Marienkäfer ernähren sich von Blattläusen, einige auch von Mehltaupilzen an Blättern und wenige ernähren sich rein vegetarisch.

Sie alle teilen die Gemeinsamkeit, dass sie für unsere Ökosysteme und unsere Gärten sehr wertvoll sind. Als Gegenspieler zu Blattläusen unterstützen sie die Pflanzen, sind aber auch selbst Nahrung für viele Vögel. Uns machen sie es kinderleicht, sie zu beobachten und Einblick in ihre kleine Welt zu gewinnen und uns für unsere Natur zu begeistern.

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