Mauerbienen: Frühlingsboten und fleißige Bestäuber

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Sobald die ersten Frühblüher wie Krokusse und Traubenhyazinthen im Garten erblühen und die Blütenknospen von Obstbäumen aufspringen, sind sie zur Stelle: Die Gehörnte und die Rostrote Mauerbiene (Osmia cornuta und Osmia bicornis) suchen Pollen und Nektar. Sie zählen zu den ersten Insekten des Jahres.

Eine Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) an Rosmarin-Blüten. Foto: H. Petrischak

Eine Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) an Rosmarin-Blüten. Foto: H. Petrischak

Schon an milden, sonnigen Tagen im Februar und März tauchen zunächst die Männchen auf. Sie sind zierlicher als die Weibchen und tragen eine bürstenartige, helle Gesichtsbehaarung. Manchmal kann man beobachten, wie sie sich an alten Bohrlöchern an einer Hauswand postieren. Hier warten sie auf schlüpfende Weibchen, um sich mit ihnen zu paaren.

Hier haben Weibchen die Hörner auf

Die Weibchen der Gehörnten Mauerbiene, deren Flugzeit sich von März bis Anfang Mai erstreckt, erinnern mit ihrem leuchtend orangeroten Pelz auf dem Hinterleib entfernt an Hummeln. Die Rostrote Mauerbiene erscheint meist kurze Zeit später und ist vorwiegend während der Monate April und Mai aktiv. Sie ist etwas weniger auffällig rostrot behaart.

Bei beiden Arten tragen die Weibchen zwei kurze, nach vorn gerichtete „Hörner“ im Gesicht, was in ihre wissenschaftlichen Artnamen (cornuta und bicornis, von lateinisch cornu – Horn) eingegangen ist.

Den Pollen sammeln die Mauerbienen in der Bauchbürste, also in den Haaren auf der Bauchseite des Hinterleibs, die deshalb je nach aufgesuchter Futterpflanze leuchtend hell- bis dunkelgelb gefärbt ist. Durch ihre eifrige Sammeltätigkeit sind sie gute Bestäuber. Kokons mit schlüpfbereiten Mauerbienen werden daher sogar zur Bestäubung von Erdbeeren, Stein- und Kernobst gehandelt.

Die Mauerbiene als Gartengast

Man kann diese Arten aber auch problemlos selbst am Haus und im Garten ansiedeln, indem man ihnen Nisthilfen anbietet: Bambus­röhrchen, in Holz ge­bohr­te Löcher und ähnliche Hohl­räume werden – sofern sie nach Süden aus­gerichtet sind – meist sehr schnell besiedelt. Die Weibchen suchen solche Hohl­räume, um hierin linienförmig hintereinander Nist­zellen an­zu­legen, die mit Pollen und Nektar verproviantiert, jeweils mit einem Ei belegt und mit Wänden aus Lehm voneinander getrennt werden. Abschließend wird das Nest mit einem Lehmpfropfen verschlossen. Die Rostrote Mauerbiene ist nicht sehr wählerisch in der Form der Hohlräume für die Anlage ihrer Nester – sie nutzt manchmal sogar Türschlösser oder Pfeifen.

Parasitäre Gegenspieler

Nicht in allen Fällen ent­wickeln sich Mauer­bienen in den Nist­zellen, es gibt eine ganze Reihe von Futter­parasiten und Parasitoiden, die es ent­weder auf den Nahrungs­proviant oder die Bienen­larven selbst abgesehen haben.
An den Nestern der Rostroten Mauerbiene halten sich häufig kleine Taufliegen mit roten Augen auf, die der Art Cacoxenus indagator angehören. Wenn ihre Larven zahlreich vom Pollenvorrat fressen, verhungern die Bienenlarven. 

Der Trauerschweber (Anthrax anthrax) schleudert seine Eier im Flug in Richtung der Bienennester. Seine Larven sind tödliche Gegenspieler des Bienen-Nachwuchses. Auch die hübschen Bienenkäfer der Gattung Trichodes suchen gezielt Bienennester zur Eiablage auf. Ihre Larven fressen Pollen, Bienenlarven und –puppen.

Beobachtungen am Nistplatz

So können an den Nistplätzen der Mauerbienen viele interessante Insekten beobachtet werden. Und aufgrund der Vielzahl an Nistzellen, die eine Mauerbiene im Laufe ihres Lebens anlegt, gelingt es immer genügend Bienenlarven, ihre Entwicklung erfolgreich zu vollenden und sich in summende Frühlingsboten zu verwandeln.

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