Nützlicher Blattlausvertilger: Die Hain-Schwebfliege

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Unsere häufigste Schwebfliege, die sich fast das gesamte Jahr über beobachten lässt, ist Hain- oder Winterschwebfliege (Episyrphus balteatus). Sie gehört zur großen Familie der Schwebfliegen (Syrphidae), deren Name sich auf ihre Fähigkeit bezieht, mit rasantem Flügelschlag in der Luft zu verharren. Versucht man sie dort zu ergreifen, schießen sie blitzartig davon – und bleiben meist wenige Meter entfernt wieder „stehen“.

Namensgebendes Verhalten: Eine schwebende Hain-Schwebfliege (Episyrphus balteatus). Foto: H. Petrischak

Namensgebendes Verhalten: Eine schwebende Hain-Schwebfliege (Episyrphus balteatus). Foto: H. Petrischak

Alpen-Überquerung?

Kein Problem für die Hain-Schwebfliege

Als Winterschwebfliege wird die Art bezeichnet, weil sie auch an milden Tagen im Dezember oder Januar hervor kommt. Sie sonnt sich dann auf trockenem Laub. Außerdem zählt sie zu den wandernden Insektenarten: Über Alpenpässe ziehen im Frühjahr oft große Mengen von Schwebfliegen nach Mitteleuropa.

Meisterhafte Verkleidung

Zu den unver­kenn­baren Merkmalen der Hain-Schwebfliege zählen die dunklen Querbinden auf dem orangen Hinterleib des zarten Insekts. Hinter einigen der durchgehenden schwarzen Streifen liegen weitere bogen­förmige unterbrochene Streifen, die in ihrem Aussehen an Schnurrbärte erinnern. Das kontrast­reiche Streifen­muster ähnelt der Färbung wehr­hafter Wespen und soll damit Feinde abschrecken.

Eine solche Form der Nach­ahmung, die typisch für viele Schweb­fliegen ist, bezeich­net man als Mimikry. Männchen und Weibchen lassen sich gut an Hand der großen, roten Komplex­augen unter­scheiden: Beim Männchen stoßen sie an der Stirn aneinander, beim Weibchen bleiben sie deutlich getrennt.

Im Frühling zeigen die Weibchen der Hain-Schwebfliege ein auffälliges Verhalten: Sie fliegen an Büschen und anderen Pflanzen entlang, lassen sich prüfend an Blättern nieder – und immer wieder krümmen sie den Hinterleib, um jeweils ein einzelnes, längliches, leuchtend weißes Ei abzulegen. Schaut man sich den Eiablageplatz näher an, fallen ganz in der Nähe Blattlauskolonien auf.

Kleine Larven mit großem Appetit

Und tatsächlich zeigt sich schon die frisch geschlüpfte Fliegenlarve als gefräßiger Räuber: Sie attackiert die nächstgelegene Blattlaus, bohrt sie an und saugt sie aus. Da sie in der Kolonie der nahezu reglosen Blattläuse wie im Schlaraffenland sitzt, wächst sie schnell heran und vertilgt auf diese Weise Hunderte von Blattläusen. Im Garten erweist sie sich daher als äußerst nützlich. 

Die Schwebfliegen-Metamorphose

Auch als Larve ist diese Art leicht erkennbar: Sie besitzt eine transparente Haut, durch die die inneren Organe sichtbar werden. Zweimal häutet sie sich in ihrem Larven-Leben, dann ist sie ausgewachsen und auch besonders gefräßig. Nachdem sie sich insgesamt gut eine Woche lang durch die Blattlauskolonien gefressen hat – auf ihrem Körper kleben in dieser Zeit meist die Hüllen ausgesaugter Blattläuse – stellt sie die Nahrungsaufnahme ein.

Nun erfolgt eine weitere Häutung, aus der die tropfenförmige Puppe hervorgeht. In ihrem Innern geschieht nun innerhalb weniger Tage ein komplexer Umbauprozess, dann schimmert das typische Schwebfliegen-Muster schon durch die Puppenhaut. Nun ist es soweit: Die Hülle springt auf, die erwachsene Fliege schlüpft heraus. Ihre Flügel muss sie allerdings erst aufpumpen und aushärten lassen, bevor sie abfliegen kann. Als häufiger Blütenbesucher ernährt sie sich von Pollen und Nektar und trägt zur Bestäubung von Blütenpflanzen bei.

Wenn der Räuber zur Beute wird

Auch die als Larven so räuberisch lebenden Schwebfliegen haben Feinde: Schlupfwespen patrouillieren an den Blattlauskolonien und suchen nach Schwebfliegen-Larven. Werden sie fündig, stechen sie blitzschnell zu und platzieren ein Ei in deren Körper.

Die Schlupfwespen-Larve ernährt sich als Parasitoid im Körper des Wirts von dessen Fettvorräten, bis er schließlich die Organe der Larve oder Puppe der Schwebfliege vollständig frisst und sich selbst verpuppt. Zu den häufigen Gegenspielern der Hain-Schwebfliege zählen die Schlupfwespen-Arten Diplazon laetatorius und Syrphoctonus tarsatorius.

Erwachsene Schwebfliegen fallen häufig Spinnen, Wespen oder Raubfliegen zum Opfer. Und natürlich können sie in allen Stadien Vögeln als Nahrung dienen – sofern diese sich nicht von der Wespenmimikry der erwachsenen Schwebfliegen abschrecken lassen.

Ihre Stimme zählt!

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