Reisebericht: Zu Besuch in der ältesten Vogelwarte der Welt

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Tag der Rückreise. Zum letzten Mal steigen wir in den uns inzwischen vertrauten Reisebus, der uns zum Flughafen Danzig bringen wird. Ist es wirklich erst acht Tage her, dass wir hier in Danzig angekommen sind? Passen so viele unterschiedliche Reiseeindrücke in eine einzige Woche?

Blick auf die Dünenlandschaft der Kuhrischen Nehrung. Foto: Arno Bogenrieder

Alles begann mit einer stundenlangen Verspätung wegen eines annullierten Fluges und einer Änderung im Flugplan. Deshalb fuhren wir erst in den Abendstunden von Danzig aus zum Ziel des ersten Tages, ein Hotel in einem ehemaligen Gutshof in der Nähe von Kalliningrad. Vor uns lagen aber noch 180 Kilometer und ein Grenzübertritt. So erreichten wir die russische Grenze mitten in der Nacht (ein ganz eigenes Erlebnis) und das Hotel in den ersten Stunden des neuen Tages. Am Morgen, bei Tageslicht und in einem schönen Park war schon alles vergessen. Und auch Katja, unsere lokale Reiseleiterin, erschien unbeeindruckt von der kurzen Nacht. Sie zeigte uns mit erkennbarem Stolz ihr Kalliningrad, die Stadt in der sie mit ihrer Familie lebt und in der sie am Ende der Reise dringend von ihren beiden Kindern zurückerwartet wurde.

Aber noch lag die eigentliche Reise vor uns. Und sie brachte am Nachmittag des ersten Reisetages, jetzt schon auf der Kurischen Nehrung, mit der Vogelwarte Rossiten einen ersten Höhepunkt. Jeder kennt das Prinzip: Vögel werden gefangen und beringt, und Rückmeldungen über Funde solcher Ringe aus fernen Ländern geben Aufschluss über die Zugstraßen der Vögel. Jetzt lernten wir die Praxis kennen. Wir konnten zusehen, wie die Vögel aus den Fangnetzen geholt, und beringt und vermessen, schon nach wenigen Minuten wieder in die Freiheit entlassen wurden - quittiert im Abflug von einem empörten Piepser. Und wir erfuhren, dass sich auch anderes in den Netzen verfängt: Libellen, Fledermäuse, gelegentlich auch Wildschweine, einmal auch ein Elch. Auch sie wurden in Freiheit entlassen - unberingt allerdings.

Spendengelder sind gut angelegt

Dass die älteste Vogelwarte der Welt immer noch existiert und wertvolle Daten zum Vogelzug und zur Bestandsentwicklung liefert, verdankt sie in erster Linie dem Idealismus der Mitarbeiter, aber auch den Spenden, die der Institution zufließen - nicht zuletzt von der Heinz Sielmann Stiftung. Es sind notwendige, hoch willkommene und gut angelegte Spendengelder.

Vom weiteren Verlauf der Reise soll nur noch der nächste Höhepunkt erwähnt werden, das ehemalige Fischerdorf Nidden (Nidda), bereits jenseits der Grenze, auf dem Gebiet Litauens. Es liegt auf der Binnenseite der Nehrung und ist eingebettet in eine wunderbare Landschaft, die im Norden von der Ostsee begrenzt wird und im Westen in eine eigenartige Dünenlandschaft übergeht. Man versteht sofort, warum Thomas Mann Nidden als Standort für sein Ferienhaus gewählt hatte. Dieser, jetzt wieder zu regem Leben erwachte Ort, mit seiner ehemaligen Künstlerkolonie, steht für mich exemplarisch für das Motto der gesamten Reise: die Verknüpfung von Natur und Kultur, verbunden mit der Möglichkeit zur eigenen Beobachtung. Und genau diese Möglichkeit gab es in Nidden reichlich. Etwa auf der Fahrt über das Haff zum ausgedehnten Schilfgebiet an der Memelmündung mit seinen zahlreichen Vögeln oder beim Vergleich der Süßwasservegetation entlang des Haffs mit der bereits von Salzpflanzen (z.B. dem Baltischen Meersenf) geprägten Vegetation entlang der nur einige Dutzend Meter entfernten Ostsee.

So hat sicher jeder auf dieser außergewöhnlichen Reise ganz unterschiedliche Eindrücke gesammelt, die als persönliche Erinnerungen im Gedächtnis bleiben werden. War es hier vielleicht in erster Linie die Marienburg, dort vielleicht die Altstadt von Danzig, bei allen zusammen aber wohl die freundliche, sachkundige und engagierte Reiseleitung von Torsten Müller und Katja.

Dr. Arno Bogenrieder unterstützt die Heinz Sielmann Stiftung seit 1994 mit regelmäßigen Spenden. In diesem Jahr schloss er sich der Naturerlebnis-Reise zur Kurischen Nehrung an, um sich selbst ein Bild davon zu machen, wie die Stiftung die Vogelwarte Rossitten unterstützt.

Möchten auch Sie einmal auf den Spuren Heinz Sielmanns wandeln und atemberaubende Naturlandschaften hautnah erleben? Unsere aktuelle Reiseangebote für Naturliebhaber finden Sie hier: 

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