Reisebericht: Zu Gast bei RECO in Uganda

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Rainer Spallek ist reisebegeistert und Spender der Heinz Sielmann Stiftung. Während seiner Uganda-Reise besuchte er unser dortiges Kooperationsprojekt "Mein Baum für Rakai" und fasste seine Eindrücke für uns in einem Reisebericht zusammen.

»Im April 2018 hielt ich einen Info-Brief der Heinz-Sielmann-Stiftung in der Hand. Es ging um RECO (Rakai Environmental Conservation Programme): ein Wiederbewaldungsprojekt im Süden Ugandas. Da ich eine Uganda-Reise plante, konnte ich nun über die Stiftung Kontakt aufnehmen zum RECO-Leiter Paul Zaake. 31. Juli: Paul Zaake und sein junger Mitarbeiter Moses holen mich in Massaka, einer Kleinstadt in der Rakai-Region, ab. Wir fahren weiter in den Süden nach Kyotera, wo sich das RECO-Büro befindet.

Abends gehen wir einen staubigen Weg entlang zu einem einfachen Lokal, links und rechts des Weges viele Menschen, die auf die eine oder andere Weise beschäftigt sind, um irgendwie ihren Lebensunterhalt zu sichern. Paul erweist sich schnell als offener, kompetenter und humorvoller Mensch, der meinen Besuch genau vorausgeplant hat. Am folgenden Tag sollte ich viele Mitarbeiter von RECO und ihre Aktivitäten kennenlernen. 

An der Uni im tansanischen Nairobi macht Paul seinen Master of Climate Change – womit wir bei den Zielen von RECO sind: Die Wiederherstellung baumreicher Landschaften soll dem Klimaschutz dienen sowie die Bodenfruchtbarkeit und die regionale Wasserversorgung verbessern. Das sichert die Ernährung der Landvevölkerung und schafft Einkommen. Paul: „Land zu bewalden und Wald zu erhalten ist ein Dienst an der Menschheit und der Tier- und Pflanzenwelt. Damit segnest du die Erde und sicherst die Zukunft.“ Die RECO-Mitarbeiter in der Region wissen das: Sie selbst sind Schöpfer dieses ambitionierten ökologischen Projekts, das ich nun kennenlernen sollte.

Nach einem Kurzbesuch des RECO-Office besuchen wir eine mit Plastikplanen überdachte Baumschule. Moses gibt mir eine Liste mit allen Setzlingen, die einmal Baum werden sollen und mit etwa sechs Monaten in die „Wildnis“ verpflanzt werden sollen. Vor allem junge Leute haben diese Setzlinge angefertigt. Die Dorfbewohner werden im Herstellen und Betreiben solcher Baumschulen geschult.

Wir fahren weiter zu Claudia. RECO schulte sie in der Herstellung von handgemachten energiesparenden kleinen Öfen (aus Lehm, Grass, Wasser), die sie an die Dorfbewohner verkauft. Sie verbrauchen weniger Brennmaterial, sodass weniger schädlicher Rauch entsteht und Baumbestände geschont werden. Einer ihrer Söhne stellt kleine Möbelstücke zum Verkauf her, um illegalem Holzeinschlag entgegenzuwirken.

Weiter geht es auf rotstaubigen, holprigen Pisten zur Sanje Primary School. Mit kindgerechten, spielerischen Methoden versucht RECO hier, den wenig nachhaltigen Umgang der Kinder mit natürlichen Ressourcen zu ändern und ihr Umweltbewusstsein zu stärken, auch mit Exkursionen in die Natur. Anschließend fahren wir zu einem Brunnen, den World-Vision-Mitarbeiter herstellten, um  Dorfbewohnern -oft Kindern- den weiten Weg zu Teichen mit weniger sauberem Wasser zu ersparen. World Vision ist hier nicht mehr aktiv, sodass RECO dabei hilft, den Brunnen funktionsfähig zu erhalten. Die Eltern sollen davon überzeugt werden, die Kinder statt zum Wasserholen zu fernen Teichen in die Schule zu schicken.           

An der nächsten Station erwartet uns Hajji Mikidadi, ein älterer Bauer, der ein über 100 Jahre altes Grundstück von den Eltern erbte. Er bebaute es lange mit traditionellen Methoden und Geräten, die aber wichtige Mikroorganismen im Boden zerstören, was zu Bodenerosion und damit zu Ernte- und Einnahmeverlusten beiträgt. RECO´s „farmer field school initiative“ schulte ihn und andere Bauern in der Region im Boden- und Wassermanagement, z. B. im Bau von Grabensystemen und in der Diversifizierung durch gezieltes Anpflanzen verschiedener Obst- und Gemüsearten. So konnten die Dorfbewohner ohne Weiteres ihren Eigenbedarf decken und höhere Verkaufseinnahmen erzielen.

Doch Paul spricht auch von Problemen: Das Anpflanzen beginnt i.d.R. mit Beginn der Regenzeit. Doch wegen des auch hier spürbaren Klimawandels sei dieser Zeitpunkt unvorhersehbar geworden. Einerseits kann plötzlich einsetzender starker Regen mit starkem Sturm das Überleben der Feldfrüchte bedrohen. Andererseits werden die Trockenzeiten länger, sodass die Früchte vertrocknen können.

Am Nachmittag erreichen wir Katongero: Der Ort liegt nahe der ugandisch-tansanischen Grenze. Von hier aus hat man eine wunderbare kilometerweite Aussicht auf eine weite, grüne Ebene, durch die der Kagera-Fluss mäandert in Richtung Victoria-See. 1994 trieben hier auf dem Fluss Tausende von Leichen: Opfer des Genozids in Ruanda. Daher gibt es in der Nähe auch eine Gedenkstätte für die Opfer des ruandischen Bürgerkriegs. Flüchtlingsströme auch nach 1994 sowie Konflikte zwischen Wildtieren und wachsender Bevölkerung; die oft noch umweltschädigende landwirtschaftlichen Methoden der Bauern wie auch der Klimawandel führen zur Ausdünnung der Vegetation, verminderter Regenwasserspeicherung und Bodenerosion. Und gerade die Rakai-Region hat stark gelitten unter der zunehmenden Entwaldung.

Aber auch hier in Katongero wird dieser Entwicklung entgegengewirkt. Neben Anpflanzungen plant man vor dieser wunderschönen Landschaftskulisse -wie auch an anderen Orten- ökotouristische Projekte: Treffen und Gespräche mit Dorfbewohnern über ihre Lebensbedingungen, Übernachtungen im Dorf, Waldspaziergänge, Wanderungen, Verkostung der hiesigen Obst- und Gemüsearten, einschließlich Kaffee - das ist alles nicht nur Zukunftsmusik. Hier am Aussichtspunkt wird auch über diese Dinge geredet...

Nach meiner Rückkehr aus Uganda schreibe ich Paul Zaake von unseren Ereignissen im Hambacher Forst. Ihn, den Öko-Kämpfer und Erdliebhaber, erinnert dieser Kampf in NRW an den Kampf gegen die Entwaldung eines Teils von Ugandas größtem Wald, den Mabira Forest. Was bei uns die Braunkohle ist, war da der Zucker. Die Regierung erlaubte einem Unternehmen, Wald zu roden, um dort Zuckerplantagen anzulegen. Doch viele Menschen erhoben sich dagegen und leisteten Widerstand. Meist endet sowas in Uganda mit der Anwendung polizeilicher Gewalt, meint Paul; doch ihr Protest damals führte zum Erfolg: "We saved the forest."«

Hier können Sie die Arbeit von RECO und Paul Zaake unterstützen.

Alle Beitragsfotos: Paul Zaake, RECO

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