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Renovierung bei den Gelbbauchunken: Amphibienschutz in Nordost-Bayern

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Dr. Anna Sperber, Projektleiterin bei der Heinz Sielmann Stiftung, arbeitet im Landkreis Schwandorf am Aufbau eines Biotopverbundes. Viele kleine, wertvolle Lebensräume sollen aufgewertet und neu angelegt werden, um mehr Platz für biologische Vielfalt und eine intakte Natur zu schaffen. Ein erster wichtiger Meilenstein auf ihrem Weg ist nun erreicht: Der Köblitzbach wurde vor der Verlandung bewahrt und zur attraktiven Kinderstube für die bedrohte Gelbbauchunke.

H. Winter / Piclease.com Jede Unke hat ein einzigartiges Fleckenmuster, an dem man sie erkennen kann wie an einem Fingerabdruck.
Foto: A. Sperber Da muss man schon zweimal hinschauen: Die Gelbbauchunke (Bombina variegata) ist gut getarnt!
Foto: Z. Bäumler Durch die flache Verbreiterung des Bachlaufs und die Befreiung des Bachs von Gehölzen wird das Gewässer wieder unkenfreundlich.

Das Herz im Auge und der Fingerabdruck am Bauch

Die Gelbbauchunke (Bombina variegata) wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Schlamm­farben ist sie zwar gut getarnt, aber wenig spektakulär. Doch beim genaueren Hinschauen offenbart die Unke ihre Reize: Die herzförmige Pupille ist ein typisches Merkmal der Gattung. Außerdem verrät natürlich der Name, dass sich ein Blick auf die Unterseite des Amphibs lohnt. Der namens­gebende gelbe Bauch der Gelb­bauchunken ist individuell gemustert. Jede Unke hat also ihr ganz eigenes Flecken­muster, an dem man sie erkennen kann wie an einem Finger­abdruck. Wenn die Gelb­bauchunke ihren Bauch präsentiert, geht es ihr aber mitnichten darum, sich persönlich vorzu­stellen. Die leuchtend gelbe Färbung ist vielmehr eine Warnung an Fress­feinde: Ich schmecke widerlich!

 

Stark gefährdet durch Lebensraumverlust

Diese Warnung hilft der Unke jedoch kaum weiter, denn nicht gefräßige Fressfeinde sind ihr größtes Problem, sondern der Verlust ihres Lebensraums. Gelbbauchunken benötigen sonnige temporäre Klein- und Kleinstgewässer. Diese erwärmen sich rasch und machen so eine schnelle Entwicklung des Unkennachwuchses möglich. Außerdem sind solche Gewässer meist frei von Konkurrenz und Fressfeinden.

Ursprünglich war die Gelbbauchunke eine typische Auenbewohnerin, wo solche Lebensräume durch die Gewässerdynamik immer wieder neu entstehen. An natürlichen Bach- und Flussauen mangelt es jedoch heutzutage und so weicht die Gelbbauchunke auf andere Lebensräume aus, wie Fahrrinnen, Pfützen und kleine Gräben z.B. in Steinbrüchen und auf Truppenübungsplätzen. Doch auch diese Ersatzbiotope sind rar geworden: Abbaustellen werden rekultiviert und Kleingewässer verfüllt. Hinzu kommt häufig eine Belastung der Gewässer mit Schadstoffen. Und so schrumpfen die Populationen der Gelbbauchunke; sie ist in Deutschland stark gefährdet.

 

Köblitzbach: Ein Amphibienparadies erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Somit liegt auf dem Grund der Gemeinde Wernberg-Köblitz im Landkreis Schwandorf ein kleines Juwel: Nur ein kurzer Bachabschnitt ist es, und doch tummeln sich hier Jahr für Jahr die Gelbbauchunken. Zeno Bäumler von der Kreisgruppe Schwandorf des LBV e.V. förderte den Wert dieses Refugiums, indem er mit künstlichen Becken, die Überschwemmungs­tümpel nachahmen, ideale Laichgewässer für die Unken schuf. Er beobachtete jedoch, dass durch Verlandung des Bachs und zunehmende Beschattung durch Gehölzaufwuchs der Lebensraum für die Unken bald verloren wäre. Im Zuge des Projekts Sielmanns Biotopverbund Schwandorf erklärte sich die Heinz Sielmann Stiftung gerne bereit, das Habitat wieder in einen für die Unken optimalen Zustand zurückzuführen.

 

In Windeseile zur neuen Kinderstube

Es musste schnell gehen, denn mit dem ungewöhnlich warmen Frühjahr würden die Gelbbauchunken bald aus der Winterstarre erwachen und der Bach musste ja einsatzbereit sein, wenn sie zurückkehren. Die Gemeinde und die Naturschutzbehörde gaben jedoch rasch und unkompliziert ihre Zustimmung zu der Maßnahme. Der Bachlauf wurde flach verbreitert und die beschattenden Gehölze entfernt. Zusätzlich wurden am Bachufer mit Totholz und Steinen Versteckmöglichkeiten geschaffen. So stand pünktlich zum Beginn der Laichsaison ein frisch renoviertes Gewässer bereit, das die Gelbbauchunken auch gerne annahmen.

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