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Ein Garten für Schmetterlinge

Gärten sind wichtige Lebensräume für Tagfalter. Doch wenn wir uns an den flatterhaften Schönheiten erfreuen wollen, müssen wir Ihre Ansprüche an den Lebensraum kennen. Dr. Hannes Petrischak, Biologe und Bereichsleiter Naturschutz der Heinz Sielmann Stiftung erklärt, welche Arten Sie im Garten beobachten und was sie für Sie tun können.

Hannes Petrischak Das Tagpfauenauge (Aglais io) trifft man noch in unseren Gärten. Doch auch diese Art wird seltener.

Bedrohte Schönheiten

Sie sind selten geworden in unseren Gärten und in der freien Landschaft: Schmetterlinge. Wissenschaftliche Studien belegen, was für viele schon lange ein Bauchgefühl ist - unsere Schmetterlinge verschwinden. Die Roten Listen werden immer länger und immer mehr Arten sind sogar vom Aussterben bedroht. Die Gründe sind der Verlust der Lebensräume und der Futterpflanzen. Auch Überwinterungsmöglichkeiten für Arten, die nicht in den Süden fliegen, sind rar.

Farbenfrohe Gäste im Naturgarten

Schmetterlinge entwickeln sich in unterschiedlichen Lebensstadien – Raupe, Puppe und Falter – die verschiedenste Lebensbedingungen brauchen. Noch komplizierter wird es, wenn die Arten wandern und in mehreren Generationen leben. Die Raupen der meisten Schmetterlingsarten sind auf wenige manchmal sogar nur auf eine Futterpflanze spezialisiert. Die Falter sind meist etwas opportunistischer und saugen Nektar an unterschiedlichen Blüten. Eier, Raupen oder Puppen müssen an geschützten Orten überwintern können. Nur wenige Arten überdauern die kalte Jahreszeit als ausgewachsener Falter. Aber auch diese brauchen einen Winterschlafplatz. Die faszinierende Metamorphose zeigt: Schmetterlinge brauchen das ganze Jahr über passende Bedingungen. In naturnahen Gärten können wir Ihnen Futterpflanzen, Nektarangebote und Überwinterungsmöglichkeiten anbieten. Strukturvielfalt und heimische Pflanzen, sowie der Verzicht auf chemische Insektenvernichtungsmittel sind die Grundsätze im Naturgarten.

 

 

Bleiberecht für Brennnesseln

Die Raupen vieler Schmetterlingsarten fressen an Brennnesseln. Eine „unordentliche“ Ecke, in der die Pflanze gedeihen darf, ist daher Pflicht im Naturgarten. Es ist ein guter erster Schritt, wenn Sie Ihren Garten naturnäher gestalten möchten, und einfach umzusetzen. Admiral, Tagpfauenauge, Landkärtchen und Kleiner Fuchs legen ihre Eier an Brennnesseln ab. Auch hier gibt es Unterschiede! Kleiner Fuchs und Tagpfauenauge bevorzugen große Brennnessel-Inseln, die besonnt (Kleiner Fuchs) oder im Schatten (Tagpfauenauge) auf trockenen Standorten wachsen. Der Admiral nimmt auch kleine Brennnesselgruppen an. Für das Landkärtchen muss der Standort feuchter sein. So hat jede Art ihre Nische im Ökosystem besetzt. Diese Feinheiten muss man allerdings berücksichtigen, wenn man etwas für die Schmetterlinge tun möchte.

Die Verwandlung des Tagpfauenauges (Aglais io)

 

 

Fenchel und Dill für den Schwalbenschwanz

Ein beeindruckender, aber mittlerweile seltener Gast im Garten ist der Schwalbenschwanz (Papilio machaon). Er zählt mit einer Flügelspannweite bis zu 7,5 Zentimetern zu den größten Tagfaltern Deutschlands. Ab April schlüpft der Falter aus der Puppe. Die Weibchen legen ihre Eier nicht nur an Wilder Möhre ab, sondern beispielsweise auch sehr gern an Speisemöhren, Fenchel und Dill in Gemüsegärten. Gärtnerinnen und Gärtner können sicherlich einen Teil der Ernte für die farbenfrohen Raupen reservieren. Wilde Möhre und Dill machen außerdem einen dekorativen Eindruck im Wildblumenbeet. Die bunten Raupen sind für Vögel ungenießbar. Die Färbung warnt den Vogel: Ich werde dir nicht schmecken!

Schmetterlinge haben Lieblingsfarben

Clever geplante Gärten, die ein ganzjähriges Nektarangebot schaffen, sind willkommene Ausweichquartiere für Schmetterlinge. Gerne wird der Sommerflieder (Buddleja davidii) gepflanzt und als Allzweckwaffe gegen den Nektarmangel angepriesen. Der Strauch kam als Zierpflanze vor etwa 100 Jahren aus dem südwestlichen China nach Mitteleuropa. Besser ist allerdings ein Nektarbuffet von heimischen Arten. Viele Schmetterlinge fliegen auf Violett. Dost, Blutweiderich, Flockenblume, Natternkopf, Disteln und Wilde Karde stehen daher hoch im Kurs. Aber auch rote, orange und gelbe Blüten werden vor allem im Hochsommer auf Nektar untersucht. Alant, Fetthenne, Herbstastern, einige Malvenarten oder Sonnenhut überbrücken dann eine Durststrecke für die Falter.

Torkelnde Falter im Herbst

Im Herbst berauschen sich die ausgewachsenen Falter gern an Fallobst. Vor allem Admiral, C-Falter und Nierenfleck saugen an heruntergefallenen Pflaumen, Mirabellen oder Birnen. Ist das Obst leicht angegoren, wird die Flugbahn schonmal kurvenreicher! Der Alkohol macht die Schmetterlinge langsam, behäbig und orientierungslos. Ist der Rausch verflogen, suchen sie nach einem passenden Winterquartier. Naturgärtnerinnen und -Gärtner räumen das Laub nicht weg und schneiden verblühte Stauden erst im nächsten Frühjahr zurück. Dort, aber auch zwischen Gras oder in Stein- und Asthaufen finden Raupen und Puppen Zuflucht vor der kühlen Jahreszeit. Wie bereits erwähnt überwintern einige Arten als ausgewachsene Falter. Dafür suchen sie sich gern trockene Dachböden, Garagen, Schuppen oder Scheunen aus. Denken Sie daran, im zeitigen Frühjahr eine Ausflugmöglichkeit zu schaffen, sonst finden die Falter den Weg ins Freie nicht.

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