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Unterwegs in den Naturparadiesen Spaniens - Teil 2: Die Extremadura

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Die Extremadura hat extrem viel zu bieten: Nach bergigen Landschaften und Dehesas, den Kork- und Steineichenwäldern, birgt sie auch offene Steppenlandschaften. Schier unendlich ziehen sich diese baum- und straucharmen Graslandschaften bis an den Horizont. Erst dort wird das Hochgebirge der Extremadura, die Sierra de Gredos, mit den schneebedeckten Bergen in der Ferne sichtbar.

Schier unendlich ziehen sich die baum- und straucharmen Graslandschaften zwischen den Städten Caceres und Trujillo bis an den Horizont.

Die parkähnlichen „Dehesas“ (Kork- und Steineichenwälder) sind durch nachhaltige Nutzungsformen entstanden.

Südlich des Flusses Duero an der Grenze zu Portugal erstreckt sich eine der einsamsten Gegenden Spaniens: die Extremadura. Sie ist menschenleer, doch reich an seltenen und besonderen Pflanzen- und Tierarten, wie den berühmten Geiervögeln: Gänse-, Mönchs- und Schmutzgeier leben hier. 

Von Brutfelsen im Nationalpark Monfragüe aus starten sie mit einsetzender Thermik morgens ihre Flüge. Diese tragen sie fast ohne Flügelschläge hoch in die Luft. Von oben lässt sich die Landschaft besser nach potenzieller Nahrung absuchen – besonders, wenn man über derart scharfe Augen wie ein Geier verfügt. Geier sind Aasfresser. Kreisen bereits andere Greifvogelarten wie Milane oder Raben über einem verendeten Tier, zieht das die Geier selbst aus großer Entfernung zu Dutzenden magisch an, und der Tag ist gerettet. 

Die so genannten „Dehesas“, Kork- und Stein­eichen­wälder, sind in ihrer parkartigen Erscheinung durch nachhaltige Nutzungsformen entstanden. Beweidung, früher zumeist durch Schafe, heute oft durch Rinder oder Pferde, hält die krautige und strauchige Vege­tation kurz. Im Herbst dienen die Eicheln Schweinen als Nahrung. Besonders die der Stein­eiche sind vergleichsweise „süß“ und ein Lecker­bissen für die Tiere. Die Kork­eichen werden auch durch den Menschen genutzt: Die Borke wird regelmäßig abgeschält und zu Kork­produkten verarbeitet – eine alte Tradition, die dazu beiträgt, diese wertvollen Land­schaften zu erhalten. Plastik­korken in unseren Wein­flaschen tragen nicht zur Bewahrung dieser Nutzungs­form bei. 

Die Steppen sind nicht natürlichen Ursprungs, sondern durch Abholzung und anschließende jahrhundertelange Beweidungstätigkeit entstanden. Und die Steppe lebt…


Lerchen in zahlreichen Arten (Kalander­lerche, Kurzzehen­lerche, Heide­lerche, Thekla­lerche) prägen das Lied der Landschaft am Vormittag. Ab mittags übernehmen die Feld­grillen den akus­tischen Hintergrund. Ornitho­logische Highlights reihen sich aneinander – von der Wiesen­weihe über Steppen­flughühner und Schlangen­adler bis hin zu Zwerg- und Großtrappe. Letztere sind in weiter Entfernung in Balz­stimmung, und die Trapp­hähne leuchten als weiße Federkugeln weit in die Landschaft. Wurden diese Tiere in Deutschland zwar mit hohem Aufwand und Enthusiasmus zunächst vor dem Aussterben bewahrt, so ist doch Spanien das Land mit dem Haupt­vorkommen dieser beeindruckenden Vogelart. 

Das hohe Nahrungs­angebot an Insekten und Reptilien für verschiedene Vögel kann nicht darüber hinweg­täuschen, dass es an einem Faktor mangelt: den natür­lichen Angeboten für Höhlen­brüter. Daher haben Natur­schutz­orga­nisationen begonnen, hier in der Abge­schiedenheit Nist­kästen aufzu­hängen, die unter anderem von Rötel­falke, Dohle, Stein­kauz und Blau­racke gern ange­nommen werden.

Es ergibt sich ein Landschafts­bild von hohem ästhe­tischen, aber auch ökolo­gischen Wert. In den Kork­eichen singt die Orpheus­gras­mücke, rufen Kleiber, Blau­elstern und Rotkopf­würger. Über den Wäldern und Felsen wachen Geier und der Spanische Kaiser­adler, eine Art mit nur etwa 500 Brut­paaren in Spanien und damit weltweit.

Die Extremadura ist eine wertvolle und gefährdete naturnahe Kulturlandschaft. Letztere finden wir auch in Deutschland mit zahlreichen, wenn auch nicht so großflächigen, Gebieten wie alten Truppenübungs­plätzen und traditionellen Weideflächen.

Dr. Heiko Schumacher leitet den Bereich Biodiversität der Heinz Sielmann Stiftung und begleitete eine 7-tägige Spenderreise zu den Naturparadiesen in Südspanien, einem exklusiven Angebot von LandLust Reisen und der Heinz Sielmann Stiftung. Der deutsch-spanische Reiseleiter Roberto Cabo führte die 18-köpfige Reisegruppe eine Woche durch den Doñana Nationalpark und die Extremadura.

Weitere Reiseangebote finden Sie hier:

Exklusive Natur-Erlebnisreisen

 

Alle Fotos (sofern nicht anders angegeben): Dr. Heiko Schumacher

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