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Von 2 bis 24 Punkten: Unsere Marienkäfer

Marienkäfer kennt jeder: Zumindest gilt das für die lackglänzenden roten Krabbeltiere mit den schwarzen Punkten und den kurzen Beinchen, die dem Typus des Siebenpunkt-Marienkäfers entsprechen. Dabei gibt es innerhalb dieser Artengruppe eine beeindruckende Farbenvielfalt.

Holger T.K., stock.adobe.com Der Zweiundzwanzigpunkt-Marienkäfer, oder wie Kinder ihn nennen: Ein Dortmund-Käfer!

83 Marienkäfer-Arten gibt es in Deutschland. Sie haben größtenteils zwar eine ähnliche Figur, jedoch eine ganz andere Färbung. Ihre Grundfarben variieren zwischen rot, gelb, orange, braun oder ganz schwarz, wiederum betupft mit schwarzen, weißen, braunen oder orangen Punkten. Die meisten Arten haben ganz glatte, glänzende Flügeldecken, so dass ihre Farben schön leuchten. Andere, vorrangig die braun-schwarzen Arten, tragen einen dünnen Pelz. 

Das geklaute Blattlauskostüm

Den behaarten Arten begegnet man nicht sehr häufig. Sie sind meist sehr klein und verbergen sich zwischen Nadeln oder Blättern. Dort jagen sie Blattläuse, wie die meisten Marien­käfer­arten. Auch Ameisen sind gern in der Nähe der Blattläuse, aber sie melken die Läuse nur, um süßen Honigtau zu bekommen. Für diese Nahrung verteidigen Ameisen „ihre“ Blattläuse aggressiv gegenüber Blattlaus­feinden und setzen Marien­käfern mit Bissen und Säureangriffen zu.

Ein paar dieser behaarten Marien­käfer­arten suchen dennoch gezielt Blattlaus­kolonien mit Ameisen­betreuung um dort ihre Eier abzulegen. Ihre Larven haben nichts von den Ameisen zu befürchten, denn sie haben sich als Blattlaus verkleidet. Die optische Ähnlichkeit ist zwar nicht sehr gelungen, doch die chemische Tarnkappe funktioniert tadellos. Die Duftstoffe für die Tarnung übernehmen sie dabei direkt von ihren Beute­tieren, die sie vorher verspeist haben. Den Bewachern fällt der dufte Trick nicht auf. Sie vertreiben sogar andere Marien­käfer­arten. So können die getarnten Larven ungestört reiche Beute machen.

Das Tomatenkostüm aus dritter Hand

Oft sind Kostümierungen mit unheimlich viel Aufwand verbunden. Marienkäfer, die im knalligen Rot Aufsehen erregen wollen, sähen sich da eigentlich einer unlösbaren Aufgabe gegenüber, müssten sie die Farbe dafür allein erzeugen. Die Herstellung von roten Farb­pigmenten dieser Leuchtkraft ist größtenteils nur Pflanzen und Pilzen vorbehalten. Also ist Recycling angesagt. Glücklicher­weise enthält ihre Lieblings­beute, die Blattlaus, die begehrten Karotinoide. Die Blattläuse gehören nämlich zu den Tieren, die ausnahms­weise zur Herstellung dieses Farbstoffes fähig sind. Diese außerge­wöhnliche Fähigkeit innerhalb des Tierreichs haben sie vor Urzeiten einmal geerbt, aber nicht von Verwandten, sondern durch einen außergewöhnlichen Gentransfer quer durch alle Stammbäume.

So gelangte der gesamte Bauplan zur Herstellung von Karotin-Farbpigmenten 1:1 von Pilzen in ein Insekt, das Vorfahre unserer Blattläuse war. Bauplan und Pigment­herstellung brachten Vorteile mit sich und wurden innerhalb dieser Insekten­gruppe vererbt. Marienkäfer die sich von den Blattläusen ernähren, brauchen nur noch die Pigmente aufzunehmen und in ihre Flügeldecken einzulagern. Dadurch haben manche Marien­käfer­arten denselben Farbteint wie eine reife Tomate, die allerdings ganz von allein errötet.

Das Harlekinkostüm made in China

Schwarze Gesichtsmaske und ein Frack im Karomuster kennzeichnet den Harlekin, eine farbenfrohe, wandelbare Narren­figur aus der Theater­welt. Dieser Harlekin ist auch Namespate des Asiatischen Marien­käfers oder eben Harlekin-Marienkäfers, weil auch diese Art eine sehr große Vielfalt an Farbvarianten aufweist. Über 80 unter­schiedliche Färbungs­muster kommen bei uns vor, dazwischen gibt es alle möglichen Übergänge. Sehr häufig kommen rot-orange Varianten mit schwarzen Punkten vor, sie ähneln dem heimischen Siebenpunkt. Je mehr Blattläuse ein Käfer als Larve verspeist, desto intensiver wird das rot des Käfers später.

Allerdings wird die Flächen­größe der roten Bereiche hauptsächlich durch die Temperatur während der Früh­entwicklung beeinflusst: Bei warmen Bedingungen werden die roten Teile groß, schwarze Flecken klein. Kälte führt dagegen zu kleineren Rot­anteilen mit großen Flecken darin, bis hin zu komplett schwarzen Tieren. Die dunkle Färbung bietet einen thermischen Vorteil, mit kürzerer Zeit um aktiv zu werden und einer dadurch höheren Krabbel­geschwin­digkeit. Dafür sind dunkle Tiere weniger giftig, wirken weniger abschreckend, weil sie auf die auffällige Warn­tracht verzichten. Sie werden somit eher von Vögeln erbeutet. Eher rotge­färbte Tiere investieren mehr in ihre chemische Vertei­digung und die abschreckende Färbung und sind als Fort­pflanzungs­partner viel beliebter. Nicht zuletzt hat der Asiatische Marien­käfer durch diese Risiko­streuung auch einen Vorteil gegenüber Arten, die weniger variabel sind.

Bunt ja bunt sind alle meine Kleider…

Marienkäfer sind im Vergleich mit anderen Käfern sehr farbenfroh. Und meist haben die Farben auch einen ökologischen Sinn. Die Flecken­zeichnung in Verbindung mit leuchtender Farbe ist ein geläufiges Signal zur Warnung vor Gefähr­lichkeit. Im Falle der Marien­käfer ist das begründet durch Gift­anteile im Körper. Werden junge Nestlinge von ihren Vogel­eltern mit zu vielen Marien­käfern gefüttert, überleben sie das meist nicht. Ein Vogel muss eigentlich auch gar nicht alle unter­schied­lichen Färbungs­typen von Marien­käfern durchprobieren, sondern er erkennt das Grundmuster.

Sie funktionieren somit als Warngemeinschaft dank normierter Signale. Somit muss die Gemeinschaft ähnlich aussehender Marienkäferarten weniger Tiere opfern, bis die Vögel die einzelnen Arten kennen gelernt haben. Trotz der Vielzahl an Färbungsvarianten gibt es doch einige Merkmale um als Naturfreund Arten in der Natur zu erkennen und somit die Vielfalt zum Beispiel im eigenen Garten erforschen kann. Eine Bestimmungshilfe für die Hosentasche ist unser neuer Sielmann kompakt Naturführer „Marienkäfer“.

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