Expansive Art mit sozialer Ader: Gelbbindige Furchenbiene ist Wildbiene des Jahres 2018

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Das Kuratorium „Wildbiene des Jahres“ hat für 2018 eine in vielfacher Hinsicht bemerkenswerte Art ausgewählt: die Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae). Sie ist mit 12-15 mm Körperlänge im Durchschnitt etwas größer als eine Honigbiene. Durch ihre charakteristische Hinterleibszeichnung mit ockergelben „Doppelbändern“ ist sie im frisch geschlüpften Zustand leicht erkennbar.

Ein Männchen auf einer Ackerkratzdistel. Kennzeichnend sind der schmale Körper und die langen Fühler. Männchen nehmen an Blüten nur Nektar zur Selbstversorgung auf. Foto: H. Petrischak

Ein Männchen auf einer Ackerkratzdistel. Kennzeichnend sind der schmale Körper und die langen Fühler. Männchen nehmen an Blüten nur Nektar zur Selbstversorgung auf. Foto: H. Petrischak

Wildbiene auf Expansionskurs

Die Gelbbindige Furchenbiene liebt Wärme und breitet sich aktuell massiv in Mitteleuropa aus. Vor 1990 galt sie in Deutschland als stark gefährdet und selten, da sie nur in den wärmsten Gebieten entlang der Täler von Rhein, Nahe und Main vorkam und an vielen ursprünglichen Standorten sogar schon nicht mehr nachgewiesen werden konnte. Seither jedoch hat sich die Entwicklung umgekehrt: 

Die Gelbbindige Furchenbiene eroberte von Südwesten her weite Teile Bayerns, Hessens, Nordrhein-Westfalens und Thüringens und ist bereits bis nach Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen vorgedrungen. Sogar in höher gelegenen Mittel­gebirgs­regionen kann man sie inzwischen beobachten. 

Sie gilt als Gewinnerin des Klimawandels. Es bleibt spannend, ob ihr Ausbreitungs­drang anhält und sie bald auch durch Brandenburg, Hamburg, Schleswig-Holstein oder Mecklenburg fliegt.

Vielfältiges Nahrungsspektrum

Ihr Vorteil: Sie ist nicht auf das Vorkommen seltener Pflanzen angewiesen, sondern fliegt auf Korbblütler wie Kratzdisteln und Flockenblumen, Ferkelkraut und Wiesenpippau. Diese findet sie auf Wiesen, Brachen, an Wegrändern und in Gärten, oft auch mitten in der Stadt.

Den Pollen tragen die Weibchen an den Haaren der Hinterbeine in ihre Nester und legen dort Vorräte für die nachfolgend heranwachsenden Bienenlarven an. 

Leben in der Bienen-WG

Die Wildbiene des Jahres nistet in selbstgegrabenen Hohlräumen im Boden, manchmal auch in sandigen Mauer- oder Pflastersteinfugen, mitunter in großen Nestansammlungen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Wildbienen sind die Weibchen keine Einzelgänger, sondern zeigen eine frühe Übergangsstufe zur Staatenbildung: Sie sind „primitiv eusozial“.

Nach der Überwinterung betreuen im Frühling einige wenige Weibchen gemeinsam ein Nest, in der ein dominantes Weibchen die Eier legt und den Nesteingang gegen unerwünschte Eindringlinge bewacht. Die Hilfsweibchen werden allerdings nach einiger Zeit vom Hauptweibchen vertrieben und gründen dann eigene Nester. Nun hilft der Nachwuchs aus: Die Weibchen der ersten Brut bleiben meist als Arbeiterinnen im Geburtsnest, während die Weibchen der im Spätsommer schlüpfenden zweiten Brut nach der Paarung überwintern und im nächsten Frühjahr neue Kolonien gründen. 

Im Sommer zeigt sich an geeigneten Nahrungsplätzen, z.B. blühenden Disteln, ein beeindruckendes Schauspiel: Die deutlich schlankeren, mit langen Fühlern ausgestatteten Männchen sausen über den Blütenständen hin und her und stürzen sich auf jedes Weibchen, das hier erscheint, um sich mit ihm zu paaren.

Die Furchenbiene als Gartengast

Wer die Wildbiene des Jahres in den eigenen Garten locken will, sollte auf dem Rasen und in Beeten ruhig einige „unordentliche“ Flächen zulassen, auf denen wilde Korbblütler blühen dürfen. Außerdem sollte möglichst wenig offener Boden versiegelt werden – sandige Flächen und sogar durch Befahren oder Betreten verfestigte Wege sind begehrte Nistplätze von dieser und vielen anderen Wildbienen.

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